. Charité Studie

Hoher Blutzuckerspiegel macht Senioren vergesslich

Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel geht bei älteren Menschen mit einer schlechteren Gedächtnisleistung einher. Das fanden Forscher der Charité in einer Studie mit 141 gesunden Erwachsenen heraus.
Hoher Blutzuckerspiegel soll vergesslich machen

Das Gehirn braucht Zucker, zu viel soll allerdings schädlich fürs Gedächtnis sein

Dass ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schlecht für Nerven und Gefäße ist, ist hinlänglich bekannt. Jetzt haben Neurologen der Charité herausgefunden, dass hohe Blutzuckerwerte auch zu Gedächtnisproblemen führen können. Und zwar nicht etwa bei Diabetikern, sondern bei gesunden, älteren Menschen. In einer Studie mit 141 gesunden Probanden, die im Durchschnitt 63 Jahre alt waren, untersuchten die Wissenschaftler die Gedächtnisleistungen der Teilnehmer anhand verschiedener Tests etwa zur Merkfähigkeit. Anschließend analysierten sie den Zuckerspiegel ihrer Probanden mittels Bluttests. Dabei zeigte sich, dass die Probanden mit hohem Blutzuckerspiegel in den Gedächtnistests weitaus schlechter abschnitten als die Teilnehmer mit niedrigen Zuckerwerten. In einem der Tests mussten sich die Studienteilnehmer zum Beispiel eine Liste mit 15 Wörtern 30 Minuten lang merken. Stieg der so genannte HbA1c- Wert um nur sieben Punkte an, erinnerten die Teilnehmer im Durchschnitt zwei Wörter weniger.

MRT zeigt Unterschiede im Hippocampus

Die Charité-Forscher um Prof. Dr. Agnes Flöel, Oberärztin an der Klinik für Neurologie und Leiterin des Bereichs Kognitive Neurologie im NeuroCure Clinical Research Center, machten noch darüber hinaus noch einen anderen interessanten Fund. Mithilfe der Kernspintomographie (MRT) berechneten sie die Größe und die Struktur des Hippocampus. Diese für die Gedächtnisleistungen wichtige Gehirnregion war demnach bei den Probanden mit hohem Blutzuckerspiegel kleiner und wies eine schlechtere Struktur auf als bei den anderen Teilnehmern.

Dazu Studienleiterin Agnes Flöel: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass es selbst für Menschen mit einem normalen Zuckerspiegel eine vielversprechende Strategie sein könnte, durch eine dauerhafte Senkung des Blutzuckerspiegels ihre Gedächtnisleistungen im Alter zu erhalten.“ Allerdings seien für gesicherte Aussagen noch weiterführende Studien nötig. Die Charité Studie ist soeben in der aktuellen Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift Neurology erschienen.

 

Auch Ratten macht Zucker dumm und vergesslich

Hinweise, dass zu viel Zucker dumm und vergesslich macht, hat es bereits zuvor schon gegeben. Im vergangenen Jahr fanden amerikanische Forscher heraus, dass eine Ernährung mit einer konstant hohen Dosis Fruktose die Gehirntätigkeit verlangsamt und das Erinnerungsvermögen schwächt. Die Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles arbeiteten allerdings nicht mit menschlichen Probanden, sondern mit Ratten.

Wer indes seinem Körper etwas Gutes tun möchte, sollte Übergewicht meiden, sich viel bewegen und auf eine ausgewogene Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Fisch ist, achten, raten Ärzte. Damit lassen sich nachgewiesenermaßen Herzleiden und Schlaganfälle vermeiden – und möglicherweise auch die Gedächtnisleistung steigern.

Foto: © Gennadiy Poznyakov - Fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gehirn , Gedächtnis
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gedächtnis

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die Ursachen von Multipler Sklerose (MS) sind noch nicht hinreichend verstanden. Zunehmend geraten B-Zellen in Verdacht, Schäden in der Hirnhaut auszulösen. Eine neue Arbeit der TU München liefert nun wertvolle Erkenntnisse.
Die Deutschen nehmen immer mehr Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Ob das sinnvoll ist, bleibt jedoch fraglich. Die Verbraucherzentralen warnen unter anderen davor, dass viele Präparate zu hoch dosiert sind.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.