. Medizinische Ethik

Herzzellen aus dem Labor sollen Tierversuche ersetzen

Um gefährliche Nebenwirkungen von Medikamenten auszuschließen, sind offenbar immer noch Tierversuche notwendig. Forscher testen jetzt eine Methode, mit der sich an künstlichen Herzzellen die Nebenwirkungen von Arzneimitteln voraussagen lassen.
Herzzellen aus dem Labor

Im Labor wird künstliches Herzgewebe gezüchtet.

Seit Jahren forschen Wissenschaftler an Methoden, Medikamente ohne Tierversuche zu entwickeln. Doch nach wie vor sterben jedes Jahr Millionen von Tieren in Deutschland für die medizinische Forschung. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) wollen nun mit Kollegen aus Großbritannien und den Niederlanden untersuchen, ob sich anstelle von Tierversuchen auch mit künstlichen Herzzellen Nebenwirkungen von Arzneimitteln voraussagen lassen.

Künstliches Herzgewebe aus Stammzellen gezüchtet

Viele, auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen von zugelassenen Medikamenten betreffen das Herz. Neue Arzneimittel müssen daher vor ihrer Zulassung gründlich auf ihre Wirkung auf das Herz getestet werden. Um dies ohne Tierversuche zu ermöglichen, nutzen die Forscher des DZHK die Technik der induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS), mit der sich menschliche Zellen wieder in ihre Urform, die Stammzellen, zurückverwandeln lassen. Aus diesen Stammzellen können die Wissenschaftler dann beliebige menschliche Gewebe oder ganze Organe züchten.

Den Forschern ist es im Labor gelungen, iPS-Herzzellen in geordneten, hoch organisierten Verbänden wachsen zu lassen, die der Struktur echten Herzgewebes sehr nahe kommen. Eigentlich wollen die Forscher herausfinden, ob diese Gewebe einmal kranke Herzen heilen können. Genauso geeignet sind die zuckenden Herzmuskelstreifen aber auch für Medikamententests.

Tierversuche sollen reduziert werden

Die beteiligten Forschungsteams wollen nun eine Auswahl von Arzneimitteln vergleichend in verschiedenen Standard-iPS-Zelltests und den künstlichen Herzgeweben untersuchen. Am Ende soll die beste Methode zur Medikamententestung in den Routinebetrieb von Pharmaunternehmen überführt werden. Dies wird Tierversuche zwar nicht vollständig ersetzen, könnte sie aber deutlich reduzieren. Zudem hoffen die Forscher, dass die Aussagekraft von Tests an menschlichem Gewebe größer ist als die eines tierischen Organismus. Tierversuchsgegner zweifeln immer wieder an, dass sich die Ergebnisse aus medizinischen Tests an Tieren überhaupt auf den Menschen übertragen lassen.

Im März 2013 wurde eine EU-Richtlinie erlassen, nach der Tierversuche zur Testung der Verträglichkeit von Kosmetik verboten sind. In der Arzneimittelprüfung sind dagegen Testungen von Unverträglichkeiten gegenüber Pharmaka an Tieren weiterhin erlaubt. Für das aktuelle Projekt haben die Wissenschaftler eine Million Pfund beim britischen National Center for the Replacement, Reduction and Refinement of Animals in Research (NC3Rs) eingeworben, welches Forschungsprojekte zur Reduzierung von Tierversuchen unterstützt.

Foto: © Tobif82 - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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