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Herztote: Sachsen-Anhalt hat die meisten, Hamburg die wenigsten

Herzkrankheiten sind die Haupttodesursache in Deutschland. Dabei ist die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten zwischen den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich verteilt. Und: An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben mehr Frauen als Männer.
Herzinfarkt - Mann lang sich in die Herzgegend, EKG-Kurve

Mit fast 400.000 Todesfällen im Jahr sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin die Todesursache Nummer eins.

Mit 295 Herztoten pro 100.000 Einwohner ist Sachsen-Anhalt ist weiterhin trauriger Spitzenreiter unter den deutschen Bundesländern bei der Sterblichkeitsrate durch Herzkrankheiten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Bremen mit 270 und Mecklenburg-Vorpommern mit 264 Toten. Das Küstenland an der Ostsee ist das Bundesland, in dem am meisten geraucht wird. Wie aus dem Herzbericht 2018 der Deutschen Herzstiftung (DHS) in Frankfurt weiter hervorgeht, besitzt Hamburg unter allen Ländern die niedrigste Sterblichkeitsrate, was Herzkrankheiten betrifft, nämlich 184 pro 100.000 Einwohner. Knapp dahinter liegt die Bundeshauptstadt Berlin mit 187, gefolgt von Baden-Württemberg mit 200 Toten.

Auch wenn nach wie vor besonders viele Deutsche im Jahr an Herzerkrankungen sterben, will sich die Herzstiftung mit Schicksalsergebenheit nicht zufriedengeben. „Auffällig ist, dass die Sterblichkeitsrate an Herzkrankheiten in der Summe in allen Bundesländern insgesamt spürbar gesunken oder zumindest unverändert geblieben ist. Neben demographischen Aspekten könnte das an Verbesserungen in der medizinischen Versorgung, aber auch auf eine verbesserte Vorsorge liegen“, sagte der DHS-Vorstandsvorsitzende Dietrich Andresen.

Ostdeutsche Flächenländer: Herzinfarktrate am größten

Handlungsbedarf – aber auch Handlungschancen – sieht die Deutsche Herzstiftung bei der Prävention. Herzspezialist Andresen verweist dabei insbesondere auf Anstrengungen von Bundesländern wie Sachsen-Anhalt. Das ostdeutsche Bundesland konnte dadurch seine Sterbeziffer bei Herzinfarkten um fast zehn Prozent senken. Eine Maßnahme der dortigen Gesundheitsbehörden war die Aufstellung eines regionalen Herzinfarktregisters, durch das die Infarktversorgung unter die Lupe genommen wurde – und offenbar verbessert werden konnte. Hinzu kamen Aufklärungsaktionen wie die Kampagne „Herzwoche Sachsen-Anhalt“. Hier wurde die Bevölkerung im Bundesland über Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie über das Notfallverhalten bei Herzinfarkt und Herzstillstand informiert. Sachsen-Anhalt konnte seine Herzinfarkt-Sterbeziffer mittlerweile senken. Die Spitzenposition bei der Infarktmortalität nimmt jetzt Brandenburg ein. In sämtlichen ostdeutschen Flächenländern ist der Infarkttod ein größeres Problem als in allen westlichen und in Berlin.

 

30 Prozent der Herz-Reha-Patienten sind Raucher

Nach Einschätzung der Herzstiftung wäre ein beachtlicher Teil von zivilisationsbedingten Herzerkrankungen durch Vorbeugung zu vermeiden. Eine der häufigsten Diagnosen, die zu einer stationären Behandlung führen, ist Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Sie ist in den meisten Fällen die Folge anderer chronischer Herz- und Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Diabetes, Herzklappenkrankheiten und Vorhofflimmern. Der Vorstandschef der Herzstiftung forderte in diesem Zusammenhang stärkere öffentliche Investitionen in die Prävention. Dietrich Andresen: „Noch heute sind fast 30 Prozent der Reha-Herzpatienten Raucher, 18 Prozent sind stark übergewichtig, 22 Prozent haben Diabetes. Diese Zahlen sind alarmierend!“ Dass die Politik wirksame Stellschrauben besitze, zeigten Daten aus dem Bremer Herzinfarktregister. Dort führten dem Herzbericht zufolge Maßnahmen wie der gesetzliche Nichtraucherschutz zu einer Senkung der Klinikeinweisungen wegen Herzinfarkts.

Auffällig: die höhere Sterblichkeit bei Frauen

Dem Herzbericht zufolge ist weiterhin auffällig, dass mehr Frauen an Herzkrankheiten im engeren Sinn sterben als Männer. 51,9 Prozent der rund 107.000 Herztoten waren Frauen, 48,1 Prozent waren Männer. „Frauen mit Herzklappenkrankheiten, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche haben offensichtlich eine ungünstigere Prognose als Männer mit diesen Erkrankungen“, heißt es im Herzbericht weiter. Herzspezialisten erklären dies unter anderem mit geschlechtsspezifischen  Unterschieden in der Genetik oder der Anatomie von Herz und Blutgefäßen, zum Beispiel bei besonders kleinen Herzkrankgefäßen, die für die Mikrozirkulation zuständige sind. Auch seien Unterschiede in der Wirkung von Herz-Kreislauf-Medikamenten und in der Symptomatik von Herzkrankheiten zu beobachten.

Foto: Fotolia.com/SasinParaksa

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Hauptkategorie: Medizin
 

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