Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Herzklappen-Ersatz auch unter örtlicher Betäubung sicher

Künstliche Aortenklappen werden heute oft minimal-invasiv eingesetzt. Dabei ist nicht einmal eine Vollnarkose nötig. Dass der Eingriff unter örtlicher Betäubung ebenso sicher ist, zeigt jetzt eine vergleichende Studie.
Vollnarkosen hinterlassen ihre Spuren bei älteren Menschen. Beim Aortenklappenersatz reicht auch eine örtliche Betäubung

Vollnarkosen hinterlassen ihre Spuren bei älteren Menschen. Beim Aortenklappenersatz reicht auch eine örtliche Betäubung

Die Implantation einer neuen Herzklappe ist ein Routineeingriff, der heute oft minimal-invasiv erfolgt. Das heißt, die neue Klappe wird mittels eines Katheters über die Leistenarterie geschoben und im Herz platziert. Die Implantation einer neuen Aortenklappe Transcatheter Aortic Valve Implantation kurz TAVI  kann sogar in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Insbesondere ältere Patienten profitieren davon, da sie Vollnarkosen nicht mehr so gut wegstecken wie jüngere Patienten.

Studie vergleicht zwei Anästhesieverfahren

Bislang war allerdings strittig, ob die Herzklappen-OP unter örtlicher Betäubung genauso sicher ist wie unter Vollnarkose. Während Anästhesisten für eine Vollnarkose plädierten, zeigten Registerstudien zeigten, dass eine örtliche Betäubung sicherer sei. Es fehlte eine randomisierte Studie, in der die Patienten zufällig entweder eine Vollnarkose oder eine örtliche Betäubung während der TAVI erhielten. Diese Lücke hat nun das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geschlossen. In Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig konnten die Forscher zeigen, dass beide Narkoseverfahren genauso sicher sind.

447 Patienten mit einer hochgradig verengten Aortenklappe, die über 75 Jahre alt waren und ein hohes Risiko für eine konventionelle Operation hatten, nahmen an der Studie SOLVE-TAVI teil. Das Zufallsprinzip entschied, ob Sie unter örtlicher Betäubung plus einem Beruhigunsgmittel oder unter Vollnarkose operiert wurden.

 

Kein Unterschied nach 30 Tagen

Die Ergebnisse der randomisierten Studie zeigen, dass 30 Tage nach dem Eingriff sowohl die Sterblichkeit, als auch die Anzahl der Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Infektionen bei beiden Narkoseverfahren gleich war.

Größere Zentren wenden schon seit Jahren meistens nur die Lokalanästhesie an, da dies schneller geht als eine Vollnarkose. Schließlich dauert der eigentliche Klappenersatz nur 35 bis 40 Minuten.

Studienleiter Professor Holger Thiele vom Universitätsklinikum für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig sieht nun eine wichtige Frage geklärt. Als nächstes plant er eine Studie, die vergleicht, ob eine Lokalanästhesie ohne diese sogenannte Sedierung genauso sicher ist wie mit der Schlafspritze.

TAVI häufiger als die offene Operation

In Deutschland ersetzen Ärzte die Aortenklappe mittels TAVI jährlich rund 21.000 Mal, während die offene Operation nur noch 8.000 bis 9.000 Mal durchgeführt wird. Dass der minimal-invasive Eingriff die Operation längst überholt hat, liegt an Studien, die dessen Gleichwertigkeit und mitunter auch Überlegenheit zeigten. Ursprünglich wurde das minimalinvasive Verfahren TAVI nur bei sehr kranken und alten Patienten angewendet, bei denen der chirurgische Herzklappenersatz zu riskant erschien.

Foto: © Adobe Stock/Yakobchuk Olena

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herzklappe
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzklappenersatz

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin