. Prävention

Herzbericht: Alarmierender Bewegungsmangel

Ein Drittel der deutschen Bevölkerung bewegt sich zu wenig und erhöht dadurch das Risiko für eine Herzkrankheit. In ihrem neuen Herzbericht spricht die Deutsche Herzstiftung von einem alarmierenden Befund.
Deutscher Herzbericht 2013: Bewegungsmangel fordert das Gesundheitssystem heraus

Deutscher Herzbericht 2013: Bewegungsmangel fordert das Gesundheitssystem heraus

Am Mittwoch hat die Deutsche Herzstiftung den neuen Herzbericht 2013 vorgestellt. Demnach ist ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung körperlich inaktiv. „Dies bedeutet eine große Herausforderung für das Gesundheitswesen in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch anderer schwerwiegender Krankheiten wie Krebs“, warnte der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, bei der Vorstellung des neuen Herzberichts in Berlin. Bewegungsmangel sei ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit (KHK), die dem Herzinfarkt vorausgehe. Die vorbeugende Wirkung von regelmäßiger Bewegung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck sei längst wissenschaftlich belegt, so der Kardiologe.

KHK fordert jährlich über 100.000 Todesopfer

Die Bewegungsmüdigkeit vieler Bürger stufte die die Deutsche Herzstiftung als alarmierend ein: Laut „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) des Robert-Koch-Instituts bezeichnen sich 34,3 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer als „sportlich inaktiv“. Umso bedenklicher sei diese Entwicklung, wenn man bedenke, welchen dominierenden Einfluss die koronare Herzkrankheit und die Herzinsuffizienz (Herzschwäche) auf die Sterblichkeit in allen Bundesländern habe“, unterstrich Meinertz. Laut Deutschem Herzbericht starben allein im Jahr 2011 rund 127.101 Menschen an KHK. Davon gingen 52.000 Todesfälle auf einen akuten Herzinfarkt zurück und 45.428 Menschen erlagen ihrer Herzschwäche.

Einen Trend zu weniger Bewegung können die Herzexperten allerdings nicht feststellen. Ganz im Gegenteil: Laut DEGS1-Studie treiben heute mehr Frauen und Männer Sport als noch vor zehn Jahren.

Wie viel Bewegung sinnvoll ist, darauf gibt der neue Herzbericht auch eine Antwort. Gesunde Erwachsene sollten sich 30 Minuten pro Tag bewegen – und zwar mindestens fünfmal in der Woche. Bei Kindern liegt die Empfehlung deutlich höher, nämlich bei ein bis zwei Stunden am Tag. Als alarmierend wurde auch die zunehmende Fettleibigkeit von Kindern eingestuft. Übergewicht und Adipositas begünstigen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da sie den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfette erhöhen.

Herzgruppen immer unbeliebter

Wer bereits an einer Herzerkrankung leidet, solle an Herzgruppen teilnehmen, heißt es im Deutschen Herzbericht 2013. Herzgruppen sind etwa zur Rehabilitation nach einem Herzinfarkt besonders wichtig. Doch in den Bevölkerung sinkt offenbar  das Interesse daran. „Mit Sorge beobachten wir außerdem einen Rückgang der Anzahl teilnehmender Patienten an den Herzgruppen zur Betreuung chronisch Herzkranker“ sagte Meinertz. Insbesondere bei jüngeren, vorwiegend berufstätigen Menschen seien die Angebote unbeliebt.

Allein die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) betreut über 6.300 Herzgruppen in Deutschland. Hier liegt das Durchschnittsalter inzwischen bei 69 Jahren. Nur ein Drittel der Teilnehmer sind Frauen. Prof. Meinertz: „Hier sind dringend Aktionen notwendig, wie man die Bewegungsangebote in den Herzgruppen auch für die jüngeren Patienten und vor allem Patientinnen attraktiver macht.“

Foto: © magann - Fotolia.com

Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz , Herzinfarkt , Herzinsuffizienz

Weitere Nachrichten zum Thema Herzerkrankungen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Viele Menschen glauben, es gebe sie in Deutschland nicht mehr: Bettwanzen. Doch die Plagegeister sind wieder auf dem Vormarsch, auch hierzulande. Ihre Bisse sind sehr unangenehm und verursachen quälenden Juckreiz.
Die Geburtskliniken in Deutschland leisten nach Wahrnehmung der Frauen, die dort entbunden haben, insgesamt gute Arbeit. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken. Deshalb sollten werdende Eltern bei ihrer Klinikwahl gezielt vergleichen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.