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Hemmstoff gegen Hundestaupevirus könnte Masern stoppen

Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts haben einen Wirkstoff entwickelt, der möglicherweise Masernausbrüche verhindern könnte. In ersten Experimenten soll der Hemmstoff gegen das Hundestaupevirus, einem engen Verwandten des Masernvirus, schon sehr erfolgreich gewesen sein.
Neuer Wirkstoff soll Masernausbrüche verhindern

Wirkstoff aus dem Labor könnte künftig die Bevölkerung vor Masernausbrüchen schützen

Masern – eigentlich sollte die Infektionskrankheit in Deutschland schon längst ausgerottet sein. Doch aufgrund großer Impflücken in der Bevölkerung, kommt es immer wieder zu Masernausbrüchen. Allein im vergangenen Jahr wurden dem Robert Koch-Institut 1.775 Masernfälle gemeldet. Vor diesem Hintergrund wäre ein Wirkstoff hilfreich, der bei Auftreten einer Infektion das Risiko einer Weiterverbreitung des Virus reduziert. Einen solchen Wirkstoff haben Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts und der Georgia State University, Atlanta USA, jetzt möglicherweise gefunden. Wie die Forscher in der Online-Ausgabe von Science Translational Medicine berichten, kann der Wirkstoff namens ERDRP-0159 die Vermehrung des Masernvirus unterbinden. Hierbei handelt es sich um einen niedermolekularen Hemmstoff, der in der Lage ist, die für die Vermehrung des Virus unverzichtbare RNA-abhängige RNA-Polymerase zu hemmen.

Masern: Hemmstoff hindert das Virus an seiner Vermehrung

Der Wirkstoff, der künftig in Tablettenform verabreicht werden könnte, senke die Viruslast in Tieren und schützt die Tiere auch vor dem tödlichen Krankheitsverlauf, beschreibt das Forscherteam die Ergebnisse seiner Untersuchungen an Frettchen. Bislang war die Entwicklung eines geeigneten Masernvirus-Hemmstoffs schon deshalb kaum möglich, weil kein geeignetes Tiermodell zur Wirksamkeitsprüfung zur Verfügung stand. Dr. Veronika von Messling, Leiterin der Abteilung Veterinärmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts, und ihren Mitarbeitern ist es nun erstmals gelungen, hierzu ein Tiermodell mit Frettchen zu entwickeln. Die Forscher wurden dabei vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) unterstützt.

 

Immunschutz bleibt bestehen  

Für ihre Untersuchungen verwendeten die Forscher einen sehr engen Verwandten des Masernvirus, das Hundestaupevirus (CDV, canine distemper virus). Wie auch das Masernvirus gehört es zur Familie der Morbilliviren. Eine Infektion mit dem Virus ist für unbehandelte Frettchen tödlich. Wurden die Tiere dagegen ab dem dritten Tag nach Infektion für 14 Tage mit dem Hemmstoff behandelt, überlebten alle Frettchen die Infektion mit dem Virus. Die Behandlung, die von den Tieren sehr gut vertragen wurde, führte zudem zur Entwicklung eines Immunschutzes gegenüber dem Hundestaupevirus – eine erneute Infektion mit dem Virus blieb folgenlos.

Bevor der Hemmstoff erstmals an Menschen getestet werden könne, bedürfe es noch weiterer Experimente, so die Forscher. Man gehe aber davon aus, dass der Wirkstoff großes Potenzial habe, eines Tages auch Menschen vor der Erkrankung zu schützen und somit eine Ausbreitung des Masernvirus zu verhindern.

Die Originalpublikation „An Orally Available, Small-Molecule Polymerase Inhibitor Shows Efficacy Against a Lethal Morbillivirus Infection in a Large Animal Model” ist am 16. April in Science Translational Medicine erschienen.

Foto: © Minerva Studio - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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