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Helicobacter-Infektion sollte immer behandelt werden

Eine Infektion mit Helicobacter pylori bleibt meist harmlos. Warum ein Befall mit dem Bakterium dennoch in jedem Fall therapiert werden sollte, erläuterten Experten auf einem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Leipzig.
Das Bakterium Helicobacter besiedelt den Magen

Eine Infektion mit dem Magen-Keim Heliobacter sollte behandelt werden

Helicobacter pylori ist ein Bakterium der Extreme: Es kann sich trotz der Magensäure im Magen des Menschen einnisten. Und es ist das Bakterium, mit dem die meisten Menschen chronisch infiziert sind, nämlich rund die Hälfte der Weltbevölkerung. In Ländern mit hohem Lebensstandard, zum Beispiel Deutschland, beträgt der Anteil zirka ein Drittel, heißt es in einer DGVS-Mitteilung.

„Eine Infektion mit Helicobacter kann zu einer Reihe von Erkrankungen führen“, erläutert Prof. Joachim Labenz, Chefarzt am Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen und Kongresspräsident der DGVS. Zu den möglichen Folgeerkrankungen zählen Magenschleimhautentzündungen, Geschwüre im Magen oder im Zwölffingerdarm, Tumore im Lymphgewebe und Magenkrebs.

Helicobacter: Jede Infektion sollte therapiert werden

Allerdings bleibt die Infektion in den meisten Fällen symptomfrei, nur bei etwa einem Fünftel der Betroffenen führt sie zu einer Erkrankung. Aus diesem Grund zögern Ärzte und Patienten bei der Diagnose häufig, die Infektion zu behandeln.

„Jede Infektion sollte therapiert werden“, betont nun Labenz. Zwar gebe es
Hinweise darauf, dass das Bakterium vor bestimmten Erkrankungen schütze; beispielsweise hätten Fettleibigkeit, Sodbrennen und Speiseröhrenkrebs in Ländern mit abnehmender Helicobacter-Durchseuchung zugenommen. Ein direkter Zusammenhang sei aber bisher nicht erwiesen.

Zudem sei es noch nicht möglich, eine möglicherweise harmlose von einer riskanten Infektion zu unterscheiden. „Nach kritischer Abwägung aller bisherigen Erkenntnisse scheint das Risiko einer Infektion weit größer als deren Nutzen zu sein“, sagt Labenz. Außerdem reduziere eine erfolgreiche Therapie das Risiko für andere Menschen, ebenfalls von dem Keim befallen zu werden.

 

Helicobacter: Vierfach-Therapie wird bevorzugt

Die Behandlung einer Helicobacter-Infektion ist nicht immer einfach: Die bisher bevorzugte Tripel-Therapie, bestehend aus einem Magensäurehemmer, dem Antibiotikum Clarithromycin sowie einem der beiden Antibiotika Amoxicillin oder Metronidazol, versagt häufiger als angenommen.

Aus diesem Grund werden heute in vielen Situationen Vierfach-Therapien bevorzugt. „In mehr als 90 Prozent der Fälle kann der Keim so eliminiert werden“, sagt Labenz. Noch in 2015 wird die DGVS eine neue Leitlinie „Helicobacter pylori“ herausgeben, die Behandlungsempfehlungen entsprechend dem aktuellen Wissensstand zusammenfasst.

Foto: absolutimages

Autor: red
 

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