Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.04.2009

"Helfen bevor Kontakt zur Realität verloren geht"

Berlin verfügt seit 1. April über zwei neue Spezialambulanzen für Kinder und Jugendliche mit Computer- und Medienproblemen. Die beiden Einrichtungen des Vivantes-Konzerns beraten auch Eltern und Angehörige.
Vivantes-Chefarzt Dr. Oliver Bilke

Vivantes-Chefarzt Dr. Oliver Bilke

Die so genannte Internetsucht oder multiple Medienabhängigkeit gilt als ein relativ neues Phänomen, das aus ärztlicher Sicht immer bedeutsamer wird. Um möglichst viele Jugendliche mit Computerproblemen zu erreichen, bevor eine stationäre Behandlung oder die Aufnahme in einer Tagesklinik nötig wird, hat Vivantes seit 1. April 2009 zwei Spezialambulanzen eingerichtet. Sie befinden sich in den Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes Klinikum Hellersdorf und am Vivantes Humboldt-Klinikum. In den Spezialambulanzen können nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Eltern und Fachleute in Ergänzung zum bisherigen Angebot in Berlin Rat und Hilfe suchen.

Internetsucht beeinträchtigt Schul- und Familienleben

"Eine Beratung oder eine Therapie ist spätestens dann wichtig, wenn das Computer- und Medienverhalten eines Jugendlichen beispielsweise Schule und Familienleben stark beeinträchtigt", erklärt Chefarzt Dr. Oliver Bilke. Häufig haben Jugendliche wenige Freunde und kaum andere Interessen als Computerspielen, vernachlässigen die Körperhygiene, wirken aggressiv und gereizt und ziehen sich insbesondere von der Familie extrem zurück, wie Bilke ausführt: "Manche dieser Verhaltensweisen sind für Pubertät und Jugendalter typisch, in der besonderen Kombination mit immer intensiverem Computernutzung sollte man jedoch an die Gefahr einer Abhängigkeit denken."
Nach Angaben Bilkes sind typische Symptome für multiple mediale Abhängigkeit bei Jugendlichen:

  • Sozialer Rückzug über mehrere Monate und Vernachlässigung von zwischenmenschlichen Kontakten
  • Exzessives Computerspielen, chatten oder andere Aktivitäten am Computer mit mehr als sechs Stunden Gesamtzeit am Tag
  • Ohne Computerbenutzung: Unruhe, Anspannung und Gereiztheit und intensive Beschäftigung mit Spielinhalten
  • Schulversagen und Schulvermeidung
  • Bewegungsmangel, Ernährungsprobleme, Gewichtszunahme
  • Ungepflegtsein, Schlafstörungen

Das ambulante Beratungs- und Therapieangebot soll Jugendliche erreichen, bevor sie den Kontakt zur Realität völlig verlieren. Allein im Jahr 2008 wurden mehr als 30 medienabhängige Minderjährige mit schweren Computer-assoziierten Störungen stationär in den Vivantes-Kliniken behandelt. "Die meisten Jugendlichen, die wir stationär behandeln, haben den Kontakt zur Realität völlig verloren. Oft können sie erst nach monatelanger Therapie in ihre Familie zurückfinden und wieder zur Schule gehen", berichtet Chefarzt Bilke.

Kontakt zu den Spezialambulanzen / Anmeldung zur Sprechstunde:Vivantes Klinikum Hellersdorf, Brebacher Weg 15, 12683 Berlin,  Tel. (030) 130 183730Vivantes Humboldt-Klinikum, Frohnauer Str. 74-80, 13467 Berlin, Tel. (030)130 123010

 
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sucht

10.02.2019

Viele Gamer betreiben neben den Computerspielen auch noch „richtigen“ Sport. Doch häufig ist dies nicht ausreichend. Daher könnten für eSportler gezielte Präventionskonzepte, die auf Bewegung, Ernährung und Regeneration zielen, sinnvoll sein, um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen.

04.03.2018

Immer mehr Menschen nutzen Social Media wie Whatsapp, Instagram und Co. – auch immer mehr Jugendliche und Kinder. Doch wie schädlich können die sozialen Medien sein und welches Suchtpotenzial haben sie? Dieser Frage ist die DAK in einer Studie nachgegangen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.


Long-Covid stellt Ärzte vor ein Rätsel. Wegen der enormen Krankheitslast –- etwa jeder zehnte Covid-Patient ist betroffen – wird immerhin intensiv daran geforscht. Was Ärzte inzwischen über das komplexe Krankheitsbild wissen, hat Gesundheitsstadt Berlin Experten gefragt. Eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin