. Sucht

"Helfen bevor Kontakt zur Realität verloren geht"

Berlin verfügt seit 1. April über zwei neue Spezialambulanzen für Kinder und Jugendliche mit Computer- und Medienproblemen. Die beiden Einrichtungen des Vivantes-Konzerns beraten auch Eltern und Angehörige.
Vivantes-Chefarzt Dr. Oliver Bilke

Vivantes-Chefarzt Dr. Oliver Bilke

Die so genannte Internetsucht oder multiple Medienabhängigkeit gilt als ein relativ neues Phänomen, das aus ärztlicher Sicht immer bedeutsamer wird. Um möglichst viele Jugendliche mit Computerproblemen zu erreichen, bevor eine stationäre Behandlung oder die Aufnahme in einer Tagesklinik nötig wird, hat Vivantes seit 1. April 2009 zwei Spezialambulanzen eingerichtet. Sie befinden sich in den Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes Klinikum Hellersdorf und am Vivantes Humboldt-Klinikum. In den Spezialambulanzen können nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Eltern und Fachleute in Ergänzung zum bisherigen Angebot in Berlin Rat und Hilfe suchen.

Internetsucht beeinträchtigt Schul- und Familienleben

"Eine Beratung oder eine Therapie ist spätestens dann wichtig, wenn das Computer- und Medienverhalten eines Jugendlichen beispielsweise Schule und Familienleben stark beeinträchtigt", erklärt Chefarzt Dr. Oliver Bilke. Häufig haben Jugendliche wenige Freunde und kaum andere Interessen als Computerspielen, vernachlässigen die Körperhygiene, wirken aggressiv und gereizt und ziehen sich insbesondere von der Familie extrem zurück, wie Bilke ausführt: "Manche dieser Verhaltensweisen sind für Pubertät und Jugendalter typisch, in der besonderen Kombination mit immer intensiverem Computernutzung sollte man jedoch an die Gefahr einer Abhängigkeit denken."
Nach Angaben Bilkes sind typische Symptome für multiple mediale Abhängigkeit bei Jugendlichen:

  • Sozialer Rückzug über mehrere Monate und Vernachlässigung von zwischenmenschlichen Kontakten
  • Exzessives Computerspielen, chatten oder andere Aktivitäten am Computer mit mehr als sechs Stunden Gesamtzeit am Tag
  • Ohne Computerbenutzung: Unruhe, Anspannung und Gereiztheit und intensive Beschäftigung mit Spielinhalten
  • Schulversagen und Schulvermeidung
  • Bewegungsmangel, Ernährungsprobleme, Gewichtszunahme
  • Ungepflegtsein, Schlafstörungen

Das ambulante Beratungs- und Therapieangebot soll Jugendliche erreichen, bevor sie den Kontakt zur Realität völlig verlieren. Allein im Jahr 2008 wurden mehr als 30 medienabhängige Minderjährige mit schweren Computer-assoziierten Störungen stationär in den Vivantes-Kliniken behandelt. "Die meisten Jugendlichen, die wir stationär behandeln, haben den Kontakt zur Realität völlig verloren. Oft können sie erst nach monatelanger Therapie in ihre Familie zurückfinden und wieder zur Schule gehen", berichtet Chefarzt Bilke.

Kontakt zu den Spezialambulanzen / Anmeldung zur Sprechstunde:Vivantes Klinikum Hellersdorf, Brebacher Weg 15, 12683 Berlin,  Tel. (030) 130 183730Vivantes Humboldt-Klinikum, Frohnauer Str. 74-80, 13467 Berlin, Tel. (030)130 123010

Weitere Nachrichten zum Thema Sucht

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Dass körperliche Inaktivität, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und Bluthochdruck Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, ist bekannt - wie ungleich diese innerhalb Deutschlands verteilt sind, jedoch weniger. Eine Studie zeigt, dass Menschen aus dem Ostteil des Landes ein ungünstigeres Risikoprofil aufweisen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.