Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Hausärzte-Programm hilft gegen Angststörungen

Freitag, 1. Juli 2016 – Autor:
Rund zehn Millionen Deutsche sind von Angst- und Panikstörungen betroffen. Ein neues Kurzprogramm kann die Behandlung der Patienten durch Hausärzte verbessern. Das hat eine aktuelle Studie gezeigt.
Angststörungen überwinden

Angststörungen sprechen sehr gut auf Therapien an – Foto: pathdoc - Fotolia

Panikattacken, Generalisierte Angststörungen, Phobien – Angsterkrankungen können sich unterschiedlich äußern. Gemeinsam ist ihnen meist der hohe Leidensdruck der Betroffenen. Sie beginnen, scheinbar bedrohliche Situationen zu vermeiden und ziehen sich immer mehr zurück. Nicht selten erwachsen daraus Folge-Erkrankungen wie Depressionen, Suchterkrankungen oder somatische Störungen. Dabei können rechtzeitige Interventionen Angststörungen sehr gut reduzieren. Forscher haben nun ein neues Kurzzeitprogramm entwickelt, das Betroffenen helfen soll.

Da der Hausarzt meist der erste und für viele Patienten auch der einzige Behandler ist, wollten sich die Forscher mit ihrem Programm direkt an die Hausärzte wenden. An der sogenannten „Paradies-Studie“, einem Projekt des Instituts für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena (UKJ), nahmen 419 Patienten mit Angststörungen teil; 73 Hausarztpraxen waren involviert.

Patienten hatten weniger Ängste und Depressionen

Die Jenaer Forscher hatten gemeinsam mit Kollegen um Professor Jürgen Margraf der Ruhr-Universität Bochum ein verhaltenstherapeutisches Kurzprogramm entwickelt, bei dem der Hausarzt den Patienten während vier Sitzungen schrittweise in therapeutische Expositionsübungen gegen die Angststörungen einführt. Zusätzlich wird der Patient durch regelmäßige Telefonate mit den medizinischen Fachangestellten der Praxis auch zu Hause unterstützt. Ärzte und Angestellte werden für dieses Programm speziell geschult.

Es zeigte sich, dass die mit dem Programm behandelten Patienten zwölf Monate nach Abschluss weniger ängstlich und weniger depressiv waren und eine höhere Zufriedenheit mit der ambulanten Behandlung äußerten als diejenigen, die nicht im Programm waren. Professor Jochen Gensichen, Direktor des Jenaer Institutes für Allgemeinmedizin, erklärt dazu: „Es liegt nun ein wissenschaftlich geprüftes, sicheres und wirkungsvolles Vorgehen für die Behandlung der Panik- und Angststörung in Hausarztpraxen vor.“

 

Programm kann auch Kosten sparen

Auch aus ökonomischer Sicht kann das Übungsprogramm überzeugen: In der von Gesundheitsökonomen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf begleitend durchgeführten Berechnung zeigte sich für das Übungsprogramm ein „günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis“ bei der Behandlung von Angststörungen.

Dr. Iris Hauth, Präsidentin der der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), zeigt sich erfreut über diese Ergebnisse: „Hausärzte könnten nun sehr früh starten und die Patienten im Bedarfsfall dann gezielter überweisen. Das stärkt auch die gute Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und den weiterbehandelnden Fachärzten zum Wohle der gemeinsamen Patienten.“

Foto: © pathdoc - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Angst , Burnout , Stress , Depression , Antidepressiva , Schlafstörung , Seelische Gesundheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Angststörungen

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Plötzlicher Herzstillstand: Für zufällig Anwesende oder Angehörige ist das selbst eine Extremsituation. Aus Aufregung oder aus Angst davor, etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht. Dabei kommt es hier wirklich auf Minuten an – und durch entschlossenes Handeln kann man Leben retten. Eine App der Deutschen Herzstiftung begleitet Laien dabei, im Herznotfall richtig zu reagieren.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin