. Morbus Raynaud

Hartnäckiger Stillschmerz: Ursache kann Gefäßerkrankung sein

Wenn Frauen vorzeitig mit dem Stillen aufhören, sind oft starke Schmerzen der Grund. Manchmal steckt hinter den Beschwerden eine Gefäßerkrankung.
Stillschmerz

Viele Frauen beenden das Stillen aufgrund von Schmerzen.

Zu den häufigsten Gründen für vorzeitiges Abstillen gehören schmerzende Brustwarzen. Die Schmerzen können bespielsweise durch Allergien, Ekzeme oder Infektionen hervorgerufen werden. Es kann aber auch ein Raynaud-Syndrom der Brustwarze dahinter stecken. Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass ein Viertel der Frauen mit Stillschmerz davon betroffen waren. Das Raynaud-Syndrom tritt normalerweise an Händen und Füßen auf. Betroffen sind meist Frauen im gebärfähigen Alter. Das Phänomen gilt allgemein als überschießende Antwort auf einen erhöhten Östrogenspiegel und Stress.

Morbus Raynaud

Beim Morbus Raynaud, auch Weißfingerkrankheit genannt, handelt es sich um eine Minderdurchblutung, die meist an den Fingern, seltener an Daumen oder Zehen anfallsartig auftritt und mit schmerzhaften Krampf-Attacken verbunden ist. Bei den Anfällen, die häufig durch Kälte ausgelöst werden, kommt es zunächst zu Symptomen wie Blässe und Kälte der Finger des Betroffenen. Später verfärben sich die Finger bläulich. Schließlich setzt bei Ende des Anfalls eine schmerzhafte Rötung ein, da durch den nachlassenden Krampf in den Gefäßen schnell und vermehrt Blut einfließt. Der Puls in der betreffenden Region ist während eines Anfalls deutlich abgeschwächt oder fehlt ganz.

Kälteempfindlichkeit der Hände und Füße

Die typische Abfolge der farblichen Veränderung der Glieder (weiß - blau - rot) bezeichnet man auch als das Trikolore-Phänomen. Die Symptome können über Stunden anhalten. Bei längerem Bestehen wird das versorgte Gewebe und die Gefäße dauerhaft geschädigt. Die normale Durchblutung wird mit der Erwärmung der Extremitäten wiederhergestellt.

In der amerikanischen Studie sagten die Frauen, bei denen ein Renaud-Syndrom diagnostiziert wurde, aus, dass sie vor, während und nach dem Stillen Schmerzen hatten. Die Schmerzen wurden als mäßig bis heftig, stechend oder einschießend beschrieben. Bei 91 Prozent der Frauen schuppte sich die Haut, 94 Prozent berichteten über Farbveränderung oder Kälteempfindlichkeit von Händen und Füßen in der Vergangenheit. Zudem hatten die Frauen nicht ausreichend auf eine Therapie mit oralen Antimykotika angesprochen.

Multimodale Therapie hilft

Behandelt wurden die Mütter mit einer multimodalen Therapie. Die Hautprobleme und sekundären Infektionen wurden mit Kortison oder Antibiotika behandelt. Zudem erhielten fast alle Frauen eine orale Standardtherapie mit Fluconazol. Um das Raynaud-Syndrom zu behandeln, wurde allen Frauen empfohlen, warme Kleidung zu tragen, zweimal täglich heiß zu duschen und auf Kaffee und vasokonstriktive Medikamente zu verzichten. 15 der 22 Mütter nahmen außerdem den gefäßerweiternden Kalziumkanalblocker Nifedipin ein. Bei allen Patientinnen reduzierten sich die Beschwerden so weit, dass sie ihre Kinder weiterhin stillen konnten.

Oft zeigt sich zwar, dass das Raynaud-Syndrom nicht der einzige Grund für den Stillschmerz ist. Dennoch kann es erheblich zu den Beschwerden beitragen. Die Studienautoren empfehlen daher, wenn es entsprechende Hinweise gibt oder die üblichen Medikamente keine Wirkung zeigen, die Möglichkeit eines Raynaud-Syndroms in die Überlegungen einzubeziehen, um gegebenenfalls ein vorzeitiges Abstillen zu vermeiden.

Foto: S.Kobold - Fotolia.com

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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