. Viruserkrankungen

Hantavirus: Outdoor-Freunde müssen aufpassen

Joggen oder Radfahren im Grünen, ein bisschen Staub aufwirbeln, einatmen – schon hat man’s: In Südwestdeutschland schnellen die Hantavirus-Infektionen in die Höhe, verursacht vom Kot einer Waldmaus. Experten befürchten, dass sich der Virus überregional ausbreiten könnte.
Frau joggt auf Forstweg im Wald durch braunes Laub

Ahnungslos: Die meisten Hantavirus-Erkrankungen ereilten in diesem Jahr Jogger und Radfahrer im Wald.

Hanta was? Die wenigsten Deutschen kennen das Hantavirus und nicht einmal jeder Hausarzt – bis jetzt zumindest. In Baden-Württemberg, dem bisher am stärksten betroffenen Bundesland, wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 200 Infektionen registriert. Das klingt nicht dramatisch. Aber es sind schon jetzt so viele wie im gesamten Vorjahr. Seit Januar klettern die Zahlen von Monat zu Monat immer weiter in die Höhe und die steht Hauptinfektionszeit noch bevor. Und: Die Krankheit wird häufig erst spät erkannt, weil sie mit Grippesymptomen unspezifisch beginnt. Wird sie sehr spät erkannt, droht Nierenversagen. Unbehandelt gilt die Krankheit als lebensgefährlich.

Rötelmaus: Die Hantavirus-Überträgerin bevölkert Mischwälder

Aktuell stecken sich die meisten Betroffenen bei Aktivitäten im Freien an, vor allem beim Joggen oder Radfahren im Wald. Sie tun etwas für ihre Fitness, sie rühren kein Tier an und sind meistens nichts ahnend. Kein Wunder, denn die Ansteckung geschieht völlig unspektakulär. Übertragen wird das Hantavirus durch den Kot der Rötelmaus, auch Waldwühlmaus genannt. Sie trägt ein fuchsrotes Fell, zählt zu den am häufigsten in Europa vertretenen Säugetieren und bevölkert vor allem Mischwälder. Ihr Kot zerfällt und wird Teil des Staubs im Wald.

 

„Es reicht, wenn eine Katze Ihnen tote Mäuse vors Bett legt“

Wer im Wald Fahrrad fährt, joggt oder spazieren geht und diesen Staub nur ein bisschen aufwirbelt, kann bereits das Virus einatmen. Über die Lunge gelangt es ins Blut und löst die Infektion im Körper aus. „Sie brauchen keine Staubwolken“, sagte Prof. Mark Alscher vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. Im SWR-Verbrauchermagazin „Marktcheck" berichtete der Hantavirus-Experte, was er bei Patienten schon erlebt hat. „Es reicht, dass Sie durch den Wald laufen oder wenn Sie in einem Kellerraum sind. Es reicht auch, wenn eine Katze Ihnen tote Mäuse vors Bett legt.“ Anstecken kann man sich auch beim Nutzen von Grillplätzen, beim Fegen von Garagen oder beim Säubern von Haustierställen wie dem Hasenstall auf dem Privatgrundstück. Auch im Hausstaub können Hantaviren vorkommen.

Hanta-Virus: Die Infektionskrankheit beginnt wie ein grippaler Infekt

Die Symptome treten etwa zwei Wochen nach der Ansteckung in Grünen auf. Die Erkrankung beginnt mit Grippesymptomen, starken Kopfschmerzen, Magen-Darm-Problemen und Sehstörungen. Patienten berichten auch von tagelangem hohem Fieber, Appetitlosigkeit und quälenden Rückenschmerzen. Die besondere Gefahr, die sich bei den aktuellen Erkrankungsfällen zeigt: Weil die Symptome unspezifisch sind und nicht jeder Arzt gleich an dieses noch relativ neue Virus denkt oder es kennt, werden oft zunächst Antibiotika verordnet. Eine Blutuntersuchung fand meist erst statt, wenn – teils mehrere – Antibiotika nichts halfen. Dann bekamen Patienten spontane Anrufe vom Arzt, sofort ins Krankenhaus zu gehen. Die Nierenwerte waren dramatisch schlecht, denn das Hantavirus greift dieses Organ in lebensbedrohlicher Weise an. Immer wieder mussten sich Patienten einer Dialyse-Behandlung unterziehen. Die gute Nachricht dabei ist: Eine Infektion mit Hanta ist gut behandelbar. Spätfolgen sind bisher nicht bekannt. Wer die Krankheit hatte, ist zumindest in der laufenden Saison gegen das Virus immun.

Hantavirus-Fälle: In einem Jahr versechsfacht

Im Südwesten Deutschlands stecken sich aktuell immer mehr Menschen mit dem Hantavirus an. Die Gesundheitsbehörden sprechen bereits von einer Infektionswelle. Bis Mai wurden allein in Baden-Württemberg schon mehr Hanta-Patienten behandelt als im gesamten Vorjahr – und die Hauptinfektionszeit steht noch bevor. Angesichts sprunghaft steigender, bei den Gesundheitsbehörden registrierter Fälle, rechnen Experten damit, dass sich das Virus in weiteren Teilen Deutschlands ausbreiten könnte. 2016 wurden bundesweit 282 Fälle erfasst, 2017 waren es bereits 1731. Die höchsten Fallzahlen wurden in den vergangenen Jahren aus Baden-Württemberg gemeldet, aber auch aus dem Bayerischen Wald, dem Spessart, der Stadt Köln und dem Münsterland.

So kann man sich vor dem Hantavirus schützen

Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) gibt folgende Tipps, um eine Infektion mit dem Hanta-Virus zu vermeiden:

  • Lagern Sie Lebensmittel für Nager unzugänglich. Hilfreich sind dicht schließende Schränke, Metall- oder Plastikbehälter.Lassen Sie weder Wasser noch Futter für Ihre Haustiere über Nacht offen stehen.
  • Verwahren Sie Ihren Abfall so, dass Nagetiere nicht dran kommen.
  • Entsorgen Sie keine Essensreste und tierische Abfälle auf dem Hauskompost.
  • Finden Sie beim Aufräumen von Garagen oder Schuppen Mäusekot, sollten Sie einen Mundschutz und Handschuhe tragen.
  • Reinigen Sie alle betroffenen Flächen gründlich und vor allem nass mit einem handelsüblichen Haushaltsreiniger– so minimieren Sie die Staubentwicklung.

Für die Beseitigung von toten Mäusen, Mäuseausscheidungen und die abschließende Säuberung empfiehlt das RKI:

  • Tragen Sie Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst einen eng anliegenden Mundnasenschutz (Atemschutzmaske Typ FFP3).
  • Lüften Sie vor Beginn der Reinigung gut durch (mindestens 30 Minuten).
  • Vermeiden Sie es, Staub aufzuwirbeln.
  • Benutzen Sie keinen Staubsauger, weil Viren über die Abluft abgegeben werden könnten.
  • Besprühen Sie Mäuse, belegte Fallen und Mäuseausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel.
  • Geben Sie die toten Mäuse in eine Plastiktüte, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.
  • Reinigen Sie alle betroffenen Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen und benutzte Fallen gründlich.
  • Duschen Sie Körper und Haare gleich nach den Arbeiten.
  • Waschen Sie Ihre bei der Reinigung getragene Kleidung.

Vertiefte Informationen: RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung

Foto: Fotolia.com/Microgen

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