. AOK-Analyse

Häufig krankgeschrieben? Der Beruf entscheidet mit

26,3 Tage pro Jahr im Schnitt fallen Arbeitnehmer krankheitsbedingt aus, wenn sie zu den Berufen mit den höchsten Krankenständen gehören. Bei den „gesündesten“ Berufen dagegen sind es nicht einmal halb so viele. Nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) entscheidet der Beruf mit: bei der Länge der Krankschreibung – und bei den Diagnosen.
Müllmann+Müllfrau am Heck eines Müllautos bei bewölktem Himmel

Harte Arbeit und bei jedem Wetter: Bei Mitarbeitern in Berufen der Ver- und Entsorgungsbranche gibt es besonders viele krankheitsbedingte Fehltage.

Wie lange Beschäftigte im Jahr krankheitsbedingt fehlen, ist eng verknüpft mit der beruflichen Tätigkeit. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK-Arbeitsunfähigkeitsdaten durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). In Berufen, die mit starken körperlichen Arbeitsbelastungen verbunden sind, ist der Krankenstand demnach am höchsten. Vergleicht man alle erwerbstätigen AOK-Mitglieder miteinander, so zeigt sich: Die 20 Prozent der AOK-versicherten Beschäftigten aus den Berufen mit den höchsten Fehlzeiten konnten an durchschnittlich 26,3 Tagen krankheitsbedingt nicht arbeiten. Bei den 20 Prozent mit den geringsten Fehlzeiten dagegen waren es weniger als die Hälfte – und zwar nur 12,8 Tage.

Spitze bei Krankschreibung: die Ver- und Entsorgung mit 32 Fehltagen

Betrachtet man Berufsgruppen einzeln, driften die Werte noch weiter auseinander. Den Spitzenplatz bei den Krankheitstagen nahmen 2018 Berufe aus den Bereichen Ver- und Entsorgung mit 32,5 Fehltagen ein, gefolgt von den Straßen- und Tunnelwärtern mit 31,4 und den Berufen in der industriellen Gießerei mit 30 Fehltagen pro Jahr. Die geringsten Ausfallzeiten waren der Analyse zufolge bei Beschäftigten in den Berufen der Hochschullehre und -forschung zu beobachten. Sie fehlen derzeit im Schnitt 4,6 Tage im Jahr. Zum Vergleich: Im Schnitt hat jeder AOK-versicherte Beschäftigte im vergangenen Jahr 19,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt. 2017 waren es mit 19,4 Tage etwas weniger.

 

Beruf: Bei Krankschreibungen relevanter als das Alter

„Die Analyse zeigt, wie stark der ausgeübte Beruf sowohl den Umfang krankheitsbedingter Fehlzeiten als auch die Art der Erkrankung beeinflusst“, heißt es in einer Mitteilung des WIdO. Auffällige Erkenntnis aus der Analyse: Die berufliche Tätigkeit beeinflusst die krankheitsbedingten Fehlzeiten stärker als das Lebensalter – für die AOK Anlass, die Arbeitgeber zu einer gesunden und ergonomischen Ausgestaltung von Arbeitsplätzen sowie zu rechtzeitigen Präventionsmaßnahmen aufzurufen. „In Zeiten des Fachkräftemangels unterstützen bereits heute viele Unternehmen ihre Beschäftigten dabei, möglichst lange gesund im Betrieb zu bleiben“, sagt der stellvertretene Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder. Jeder Beruf beinhalte ein spezifisches gesundheitliches Risikoprofil. Präventionsangebote im Betrieb müssten daher immer auf die jeweilige Berufsgruppe zugeschnitten werden.

Körperliche Arbeit: Viele Muskel-Skelett-Erkrankungen

Ein deutlicher Zusammenhang zwischen beruflicher Tätigkeit und Krankschreibung lässt sich unter anderem am Beispiel der Muskel-Skelett-Erkrankungen ablesen. Sie treten bei Berufen, die mit körperlichen Strapazen verbunden sind wie dem Tragen schweren Lasten oder Ausgesetztheit gegenüber dem Wetter besonders häufig auf. So wiesen Beschäftigte in den Berufen der Ver- und Entsorgung im Jahr 2018 durchschnittlich 11,6 Fehltage und Straßen- und Tunnelwärter durchschnittlich 11,4 Fehltage aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen auf. Über alle Berufe hinweg sind es bei den AOK-Mitgliedern hingegen nur 5,8 Fehltage.

Dienstleistungsbranche: Viele psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen dagegen sind in eher dienstleistungsorientierten Berufen die Ursache für überdurchschnittlich viele krankheitsbedingte Fehltage. „Auffällig sind hier insbesondere die Berufe im Dialogmarketing, zu denen Beschäftigte im Callcenter gehören“, heißt es dazu in der WIdO-Analyse. „Jeder Beschäftigte in diesem Beruf fehlt durchschnittlich 7,1 Tage aufgrund einer psychischen Erkrankung.“ Auch Berufe in der Haus- und Familienpflege und in der Altenpflege sind demnach hohen psychischen Belastungen ausgesetzt. Hier fehlte jeder Beschäftigte im Schnitt 6,3 bzw. 6,0 Tage aufgrund einer psychischen Erkrankung. Der Durchschnitt über alle Berufe lag bei 3,0 Fehltagen. Weil psychische Erkrankungen nicht so leicht verklingen wie eine Erkältung und oft nicht so gezielt und schnell therapiert werden können wie körperliche, bedeutet eine Krankschreibung hier auch überdurchschnittlich viele Fehltage. Mit 26,3 Tagen je Fall dauerten psychische Erkrankungen mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,8 Tagen je Fall. Wer seine Arbeit nicht mag, neigt deutlich stärker zur Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.

Erkältungswelle: Großes Risiko in Großraumbüros und Kitas

Eine Erkältungswelle zu Jahresbeginn führte dazu, dass die auf diese Diagnose zurückgehenden Fehltage im Kalenderjahr 2018 erneut anstiegen. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von akuten Infektionen der oberen Atemwege erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr 10,5 Prozent (in absoluten Zahlen: 0,2 Tage). Besonders gefährdet sind hier Arbeitnehmer, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben, etwa wenn sie in sozialen Berufen oder im Großraumbüro arbeiten. Callcenter-Mitarbeiter im Dialogmarketing belegen mit 4,8 erkältungsbedingten Fehltagen den Spitzenplatz, gefolgt von den Beschäftigten in der Kinderbetreuung und -erziehung mit 3,6 Fehltagen.

Grundlage der aktuellen Analyse des WIdO waren die Daten von knapp 14 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern, die im Jahr 2018 in mehr als 1,6 Millionen Betrieben tätig waren.

Foto: Fotolia.com/Kzenon

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Hauptkategorie: Medizin
 

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