. ARD-Kontraste

Gutachten zweifelt am Nutzen des Hautkrebs-Screenings

Das Hautkrebs-Screening zeigt nach Informationen der ARD-Sendung „Kontraste“ keine Wirkung. Die Berichterstattung stützt sich auf ein Gutachten, das der G-BA gemeinsam mit den Krankenkassen in Auftrag gegeben hatte.
Gutachten zweifelt am Nutzen des Hautkrebs-Screenings

ARD-Kontraste: Ein vertrauliches Gutachten soll die Erfolglosigkeit des Hautkrebs-Screenings offenbar belegt haben

Das Hautkrebs-Screening war 2008 in Deutschland eingeführt worden, mit dem Ziel die Sterblichkeit zu senken. Seither nehmen jährlich ungefähr acht Millionen Versicherte an dem Früherkennungsprogramm teil. Nun berichtete das ARD-Magazin Kontraste am Freitag, ein vertrauliches Gutachten des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und der Krankenkassen zeige die Erfolglosigkeit des Massenscreenings. Fünf Jahre nach dessen Einführung sei keine Senkung der Sterblichkeitsrate nachweisbar. Zwar seien seit Einführung etwa 25 Prozent mehr Hautkrebs-Diagnosen gestellt, doch bei 50 Prozent der entdeckten Tumore handle es sich um Krebsvorstufen, von denen unklar sei, ob sie die Betroffenen je gesundheitlich beeinträchtigt hätten, hieß es in dem Bericht.

Hautkrebs-Screening: Tödliche Melanome oft nicht rechtzeitig erkannt

Die gleichbleibende Sterblichkeitsrate begründete der Dermatologe Prof. Reinhard Dummer vom Universitätsspital Zürich in der Sendung damit, dass gerade die schnell wachsenden und gefährlichen schwarzen Melanome durch die Früherkennung meist nicht gefunden werden. „Die Melanome, die zum Tod führen, das sind meist dicke Melanome, und die verpassen wir immer noch trotz Früherkennungsprogrammen“, sagte Dummer. Es sei reiner Zufall, ob sie gerade beim Früherkennungstermin auftreten.

Auch der für seine kritische Haltung gegenüber Früherkennungsprogrammen bekannte Chef des IQWIG-Instituts Prof. Jürgen Windeler kam in der Sendung zu Wort. "Deutschland ist das einzige Land der Welt, dass trotz völlig ungeklärter Beweislage das Hautkrebs-Screening eingeführt hatte“, sagte er.

Zehn Prozent mehr Fälle von schwarzem Hautkrebs seit 2008

Offen blieb in dem Bericht allerdings, inwieweit der kontinuierliche Anstieg der Hautkrebsfälle bei den Sterblichkeitsraten berücksichtigt wurde. Nach den Krebsstatistiken des Robert Koch-Instituts ist die Zahl der Melanom-Fälle seit 2008 um zehn Prozent angestiegen. So wurde in 2014 bei 19.700 Menschen ein malignes Melanom diagnostiziert. Sechs Jahre zuvor, also im Jahr des Starts des Hautkrebs-Screenings, waren es nur 17.800 Neudiagnosen. Mehr als die Hälfte der Melanome wird dem Institut zufolge in einem frühen und damit prognostisch günstigem Tumorstadium (T1) entdeckt. Dieser Anteil habe sich seit 2008 merklich erhöht.

Erst kürzlich hatten britische Forscher herausgefunden, dass Rentner in Großbritannien heute achtmal so häufig an schwarzem Hautkrebs erkranken als Mitte der Siebziger Jahre. Die Forscher vermuten einen Zusammenhang mit dem Boom von billigen Pauschalreisen in die Sonne. UV-Licht gilt als größter Risikofaktor für weißen und den gefährlichen schwarzen Hautkrebs.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hautkrebs , Schwarzer Hautkrebs , Früherkennung , Krebsfrüherkennung

Weitere Nachrichten zum Thema Hautkrebs

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Um die psychologische Versorgung von Krebspatienten in Deutschland zu verbessern, wurde kürzlich das Projekt isPo (Integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie) gestartet. Damit soll ein Konzept für eine flächendeckende psychoonkologische Versorgung entwickelt werden.
Händehygiene ist die einfachste und effektivste Maßnahme um die Übertragung von Keimen und Krankenhaus-Infektionen zu verhindern. Das meldet die Medizinische Universität Wien. Am 15. Oktober war Tag des Händewaschens.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.