. Impfstoffforschung

Grünes Licht für erste COVID-19 Impfstoff Studie in Deutschland

In Deutschland kann die erste klinische Prüfung eines COVID-19 Impfstoffs beginnen. Das Paul-Ehrlich-Institut hat am Mittwoch die Genehmigung erteilt. Bei dem Impfstoffkandidaten handelt es sich um einen RNA-Impfstoff der Firma BioNTech.
In Deutschland startet die erste klinische Studie mit einem COVID-19 Impfstoffkandidaten

In Deutschland startet die erste klinische Studie mit einem COVID-19 Impfstoffkandidaten

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat die erste klinische Prüfung eines Impfstoffs gegen COVID-19 in Deutschland genehmigt. Damit kann der Wirkstoff BNT162b1 des Mainzer Unternehmen BioNTech zunächst an 200 Freiwilligen auf seine Sicherheit und Wirksamkeit getestet werden.

Bei dem Impfstoffkandidaten handelt es sich um einen RNA-Impfstoff, der die genetische Information für den Bau des sogenannten Spikeproteins des CoV-2 oder Teilen davon in Form der Ribonukleinsäure (RNA) enthält.

Erst werden gesunde geimpft

RNA-Impfstoffe sind ein vielversprechender neuer Ansatz. Bislang wurde allerdings noch kein derartiger Impfstoff zugelassen. Umso spannender sind die Ergebnisse der nun genehmigten klinischen Studie. Im ersten Teil werden ausschließlich gesunde Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren mit jeweils einer von mehreren gering modifizierten Impfstoffvarianten geimpft. Dann wird abgewartet, wie die Geimpften darauf reagieren. Erweist sich der Impfstoff als gut verträglich und zeigen die Probanden eine Immunantwort gegen SARS-CoV-2, kann der zweite Teil der Studie beginnen. Hier werden zusätzlich Probanden mit erhöhtem Infektionsrisiko oder mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung eingeschlossen. Das PEI muss dann erneut eine Genehmigung erteilen.

Weitere Impfstoffkandidaten nötig

Weltweit ist dies erst die vierte genehmigte Prüfung eines COVID-19-Impfstoffkandidaten am Menschen. „Angesichts der schwerwiegenden Folgen der COVID-19-Pandemie ist dies ein bedeutender Schritt, um einen wirksamen und sicheren COVID-19-Impfstoff möglichst zeitnah in Deutschland zu entwickeln und möglichst weltweit verfügbar zu machen“, teilte das PEI am Mittwoch mit.

Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel geht davon aus, dass in den nächsten Monaten weitere klinische Prüfungen von COVID-19-Impfstoffkandidaten in Deutschland beginnen werden. Mehrere Impfstoffprodukte seien notwendig, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen, betonte das PEI.

So funktioniert ein RNA-Impfstoff

Ein RNA-Impfstoff enthält die genetische Information (RNA) für den Bau eines ungefährlichen Erregerbestandteils. In diesem Fall für den Bau des Spikeproteins. Nach der Injektion wird die RNA in einigen Körperzellen der geimpften Person aufgenommen. Die Zellen nutzen die genetische Information der RNA, um den Erregerbestandteil zu proudzieren. Die  Erregerbestandteile sind nicht infektiös und lösen auch keine Erkrankung aus. Das menschliche Immunsystem erkennt den fremden Erregerbestandteil und betrachtet die Zellen, die diesen Erregerbestandteil gebaut haben, als vermeintlich infizierte Zellen. Es baut eine schützende Immunantwort gegen den Erreger auf. Bestenfalls kann die Infektionskrankheit komplett verhindert werden, ist die Immunantwort nicht so stark, kann zumindest der Verlauf abgeschwächt werden. 

Foto: © Adobe Stock/anidimi

 
Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema COVID 19

| Weltweit wird mit Hochdruck an der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen das Corona Virus und die dadurch ausgelöste Lungenerkrankung Covid-19 gearbeitet. Über den aktuellen Sachstand sowie die Reduzierung von Abhängigkeiten beim Import von Arzneimitteln nach Deutschland sprach Gesundheitsstadt Berlin mit Dr. Matthias Suermondt, Vice President beim forschenden Pharmaunternehmen Sanofi Aventis.
| Impfstoffe und Medikamente gegen ein vor wenigen Monaten noch völlig unbekanntes Virus lassen sich nicht so einfach aus dem Hut zaubern. Aber die Zeit drängt und die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten läuft auf Hochtouren. Allein in Deutschland forschen 28 derzeit Unternehmen der Pharmaindustrie an Arzneimitteln, mit deren Hilfe es gelingen soll, die Pandemie in den Griff zu bekommen.
| Die Firma CureVac in Tübingen ist einer der großen Hoffnungsträger bei der Impfstoffentwicklung gegen das Corona-Virus. Gesundheitsstadt Berlin sprach mit dem Aufsichtsratsmitglied von CureVac, Dr. Friedrich von Bohlen, über die Impfstoffentwicklung bei CureVac, die Produktionskapazitäten zur Herstellung des Impfstoffes und die Chancen der Verfügbarkeit eines mRNA-basierten Impfstoffes im Jahr 2020.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
 
. Weitere Nachrichten
Was bringt Yoga für die Gesundheit? Studien kommen bei dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass Yoga insbesondere auf das Nervensystem, die Beweglichkeit und den Blutdruck positive Effekte haben kann.
Schenken macht Spaß – die meisten Menschen kennen das. Forscher konnten das sogar im MRT bestätigen und die hirnphysiologischen Grundlagen für den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glücksgefühl zeigen.
Schwangerschaftsdiabetes verläuft oft ohne nennenswerte Symptome. Die Diagnose erfolgt daher meist viel zu spät. Experten fordern ein effektiveres Screening, um die Schwangerschaftskomplikation rechtzeitig aufzudecken.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.