Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Grüner Tee verstärkt Wirkkraft von Antibiotikum gegen resistente Erreger

Donnerstag, 26. September 2019 – Autor:
Eine gesundheitsfördernde Wirkung wird grünem Tee schon länger nachgesagt. Dass er aber im Kampf gegen Antibiotika-resistente Bakterien helfen kann, ist das erstaunliche Ergebnis einer aktuellen Studie.
Matcha-Tee, Grüner Tee, Grüntee

Ein Pflanzenstoff aus grünem Tee verstärkt die Wirkkraft eines Antibiotikums – Foto: ©olegkoval - stock.adobe.com

Eine gesundheitsfördernde Wirkung wird dem grünen Tee schon seit längerer Zeit nachgesagt. Dass er aber im Kampf gegen Antibiotika-resistente Bakterien helfen kann, ist eine neue Erkenntnis von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung an der Uniklinik Köln und der University of Surrey.

Sie haben ein natürliches Antioxidans im Tee entdeckt, das multiresistente Pseudomonas aeruginosa Bakterien in einer Studie angreifbarer machte. Die Untersuchung wurde jetzt im Journal of Medical Microbiology veröffentlicht.

Zunehmende Resistenz bei Pseudomonas aeruginosa

Epigallocatechin (EGCG) heißt die Substanz im grünen Tee, die die Aktivität eines Antibiotikums  - Aztreonam - gegen den in Krankenhäusern gefürchteten Erreger Pseudomonas aeruginosa wiederherstellen konnte und damit dessen Wachstum hemmte.

P. aeruginosa kann schwere Lungeninfektionen sowie Blutvergiftungen hervorrufen und wird häufig mit Aztreonam behandelt, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen. Durch zunehmende Resistenzen gegenüber Aztreonam kann die Behandlung des Bakteriums schwierig werden, heißt es weiter in einer Pressemitteilung des DZIF.

 

Grüner Tee verstärkt Wirkkraft von Antibiotikum

In in-vitro-Versuchen analysierten die Wissenschaftler, ob EGCG die Wirkung des Antibiotikums auf das Wachstum von P. aeruginosa beeinflusst. "Wir konnten zeigen, dass Aztreonam die Bakterienvermehrung stärker hemmte, wenn EGCG mit im Kulturmedium enthalten war", erklärt Prof. Harald Seifert, DZIF-Wissenschaftler.

Die Pflanzen-Substanz konnte die Empfindlichkeit der Bakterien für das Antibiotikum wiederherstellen. Grüner Tee verstärkt also die Wirkkraft des Antibiotikums gegen resistente Erreger. Der Effekt wurde auch in vivo bestätigt, indem Wachsmottenlarven mit dem Antibiotikum - mal mit und mal ohne das EGCG - behandelt wurden.

Hilft Lebensdauer aktueller Antibiotika zu verlängern

Der Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Angenommen wird, dass EGCG bei P. aeruginosa die erhöhte Aufnahme von Aztreonam durch Erhöhung der Durchlässigkeit der Bakterien erleichtert. Ein weiterer möglicher Mechanismus ist das Zusammenspiel von EGCG mit einem biochemischen Signalweg, der mit der Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika zusammenhängt.

Der leitende Studien-Autor, Dr. Jonathan Betts von der School of Veterinary Medicine der University of Surrey, sagte: "Wir müssen dringend neuartige Antibiotika im Kampf gegen antibiotika-resistente Erreger entwickeln. Natürliche Produkte wie EGCG in Kombination mit zugelassenen Antibiotika können eine Möglichkeit sein, ihre Wirksamkeit und klinisch nützliche Lebensdauer zu verbessern." Eine Weiterentwicklung der alternativen Wirksubstanz bis hin zu klinischen Studien ist geplant.

Foto: olegkoval/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotikaresistenzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Grüner Tee

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Wenn Angehörige wegen einer akuten oder chronischen Krankheit in den eigenen vier Wänden gepflegt werden müssen, übernehmen das meist Frauen. Nur wenige Männer nutzen die „Familienpflegezeit“ – auch, weil das (noch) mit finanziellen Risiken verbunden ist.

 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin