. Zellkultrexperimente

Glioblastom: Neue Laborversuche zeigen keinen Nutzen von Methadon

Methadon kann die Wirkung einer Chemotherapie an Gliobastomzellen nicht verstärken. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum gekommen. Die Forscher haben auch eine Erklärung dafür.
Hirntumor, Methadon

Keine Opioidrezeptoren, keine Wirkung: In neuesten Laborversuchen ist Methadon als Hirntumormedikament gescheitert.

Methadon ist seit längerem als Wirkverstärker für die Chemotherapie im Gespräch. Insbesondere für die Behandlung des Glioblastoms liegen vielversprechende Hinweise vor, dass eine Kombinationstherapie die aggressiven Hirntumorzellen zum Absterben bringt. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sind den Hinweisen nun nachgegangen. Im Labor wurde das Opiat alleine und in Kombination mit Chemotherapie an Zellkulturen des Glioblastoms getestet. Doch die Ergebnisse sindt ernüchternd: „Leider mussten wir feststellen, dass Methadon die Wirksamkeit der Chemotherapie nicht verstärkt“, erklärt der Leiter der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft Professor Wolfgang Wick. Das Opioid habe keinerlei sensibilisierende Wirkung für die bei Glioblastomen eingesetzte Standardtherapie mit Temozolomid. „Auch Methadon allein hat keinen nachweisbaren Effekt auf das Überleben oder Sterben der Krebszellen“, so Wick.

Hypothese vom Wirkverstärker widerlegt

Aufgrund der aktuellen Daten sehen die Forscher die Hypothese widerlegt, dass Methadon beim Glioblastom die Wirkung einer Chemotherapie in der Zelle verstärkt. Dabei zeigten vorausgegangene Experimente des Universitätsklinikums Ulm das genaue Gegenteil: In den Ulmer Laborexperimenten kam es zu einem Massensterben der Tumorzellen. Zudem konnten die Ulmer Forscher um Dr. Claudia Friesen verblüffende Fallberichte präsentieren. Allerdings werden diese Ergebnisse von den einschlägigen Fachgesellschaften bis heute angezweifelt, darunter auch die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft unter Wolfgang Wick. Die jüngsten Ergebnisse scheinen nun die Zweifel zu bestätigen. „Außerhalb von klinischen Studien ist von einer „supportiven“ Methadon-Therapie des Glioblastoms dringend abzuraten“, betont Professor Uwe Schlegel, einer der federführenden Autoren für die Leitlinie „Hirntumoren“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Mitglied im Beirat der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft.

Fehlende Andockstellen als Erklärung

Warum aber ist Methadon in den jüngsten Experimenten gefloppt? Nach Informationen der Arbeitsgruppe fehlt in der überwiegenden Mehrzahl der Zellen von menschlichen Glioblastomen der Opioidrezeptor. Ohne diese Andockstelle an der Krebszelle kann Methadon demnach keine Anti-Tumor-Wirkung entfalten. In der aktuellen Studie sei mit Zellen gearbeitet worden, die der Situation beim Patienten ähnlich seien, meinte Neuroonkologe Schlegel. „Sie besitzen ebenso wie reale Glioblastome im Menschen keine Opioidrezeptoren und können leider deshalb gar nicht auf Methadon ansprechen.“

Offen bleibt, warum Methadon 2014 in einer von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie als „Allround-Talent gegen Hirntumore“ gefeiert wurde. Eine klinische Studie soll demnächst Klarheit bringen, inwieweit Methadon Hirntumorpatienten tatsächlich hilft.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Glioblastom , Hirntumor , Chemotherapie

Weitere Nachrichten zum Thema Methadon

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.