. Genforschung

Gen-Babys: HIV-Immunität erhöht das Sterbe-Risiko

Eine Gen-Mutation, die dazu führt, dass ein Mensch nicht an HIV erkranken kann, erhöht das Risiko für einen frühen Tod. Ein chinesischer Wissenschaftler benutzte die Gen-Schere Crispr, um solch eine Mutation bei Zwillingsbabys herbeizuführen.
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Eine Genmanipulation, die immun gegen HIV macht, könnte das Risiko für andere Krankheiten erhöhen

Der chinesische Wissenschaftler Jiankui He hatte - nach eigenen Angaben - bei 2018 geborenen Zwillingsmädchen mit Hilfe der Gen-Schere Crispr eine Gen-Mutation erzeugt, die dazu führt, dass sie nicht an HIV erkranken können. Doch eben diese Mutation ist mit einem Anstieg der Sterblichkeit um 21 Prozent verbunden. Das berichten Wissenschaftler der University of California (UCLA) in Berkeley.

Das Gen CCR5 kodiert ein Protein, das sich unter anderem auf der Oberfläche von Immunzellen befindet. Dort hilft es HIV-Stämmen, in diese einzudringen und sie zu infizieren. Die entsprechende Mutation, die als Delta 32 bezeichnet wird, inaktiviert dieses Protein.

Gen-Babys: HIV-Immunität erhöht das Sterbe-Risiko

Die Mutation, kommt auch natürlich vor. Sie ist bei Asiaten selten, findet sich aber bei etwa 11 Prozent der Nordeuropäer. Die US-Forscher untersuchten nun mehr als 400.000 Genome und zugehörige Gesundheitsdaten in einer britischen Datenbank (UK Biobank) und stellten fest, dass Personen mit zwei mutierten Kopien des Gens eine signifikant höhere Sterblichkeitsrate zwischen 41 und 78 Jahren aufwiesen als Personen mit einer oder keiner Kopie. Die HIV-Immunität der Gen-Babys erhöht also ihr Sterbe-Risiko

Frühere Studien haben zwei mutierte Kopien des Gens CCR5 mit einem vierfachen Anstieg der Sterblichkeitsrate nach einer Influenza-Infektion in Verbindung gebracht. Die höhere Gesamtmortalitätsrate könnte diese höhere Anfälligkeit für Grippetod widerspiegeln.

 

Wirkung der Gen-Manipulation nicht absehbar

Die Forscher meinen jedoch, dass es auch anderer Erklärungen dafür geben kann. Denn das Protein,  das CCR5 kodiert, und das bei denjenigen, die die Mutation in beiden Kopien des Gens aufweisen, nicht mehr funktioniert, ist an vielen Körperfunktionen beteiligt.

"Abgesehen von den vielen ethischen Problemen, die mit den Crispr-Babys verbunden sind, ist es nach heutigem Kenntnisstand immer noch sehr gefährlich, Mutationen einzuführen, ohne die volle Wirkung dieser Mutationen zu kennen", sagte Studienleiter Rasmus Nielsen, UCLA-Professor für Integrative Biologie, in einer Pressemitteilung.

Schutz gegen Pocken, Dengue und Zika

"Hier ist ein funktionelles Protein, von dem wir wissen, dass es eine Wirkung auf den Organismus hat und bei vielen Arten gut konserviert ist. Daher ist es wahrscheinlich, dass eine Mutation, die das Protein zerstört, im Durchschnitt nicht gut ist. Sonst hätten evolutionäre Mechanismen dieses Protein vor langer Zeit zerstört", so Nielsen weiter.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Mutation mit einem erhöhten Überleben nach Schlaganfall und dem Schutz gegen Pocken und Flaviviren, zu denen die Viren Dengue, Zika und West-Nil gehören, in Verbindung steht, ergänzt Studienautor Xinzhu Wei.

Crispr zu gefährlich für Keimbahnmanipulationen

Trotz dieser möglichen Vorteile sind die potenziellen unbeabsichtigten Auswirkungen von genetischen Mutationen sowohl in adulten somatischen Zellen als auch in embryonalen Keimbahnzellen nach Ansicht der Forscher mit Vorsicht zu genießen.

"Ich denke, es gibt eine Menge Dinge, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt über die Funktionen der Gene unbekannt sind", sagte Wei. "Die Crispr-Technologie ist viel zu gefährlich, um sie derzeit für die Bearbeitung von Keimbahnen zu verwenden." Die aktuelle Studie erschien im Fachmagazin Nature Medicine online.

He wurde nach Bekanntgabe seiner Experimente von seiner Universität im südchinesischen Shenzhen entlassen und erhielt ein Forschungsverbot.

Foto: jürgen fälchle/fotolia.com

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