. Schädel-Hirn-Trauma

Gehirnerschütterung? Bluttest soll Gewissheit bringen

Ob ein Sportler nach einem Schlag auf den Kopf eine Gehirnerschütterung erlitten hat, lässt sich auf dem Spielfeld nur schwer entscheiden. Wissenschaftler haben jetzt einen Bluttest entwickelt, der unmittelbar Gewissheit bringen soll.
Gehirnerschütterung? Bluttest soll Gewissheit bringen

Bluttest misst Gehirnerschütterung: Sportler sind sehr an einer schnellenDiagnosemöglichkeit interessiert

Ob Fußball, Eishockey oder Basketball: Ein Sturz oder Schlag auf den Kopf sind bei diesen Sportarten keine Seltenheit. Doch ob der Spieler möglicherweise eine Gehirnerschütterung dabei erlitten hat und vom Platz genommen werden muss, ist oft schwer zu entscheiden. Wird die Gehirnerschütterung verkannt, kann dies gravierende Folgen für den Spieler haben. Bei einer Gehirnerschütterung – auch leichtes Schädel-Hirn-Trauma genannt-  kann es zu kleinen Blutungen oder Schwellungen im Gehirn, so genannten Mikroverletzungen, kommen.

Der Bluttest solle eine schnelle Entscheidung auf dem Sportplatz ermöglichen

Da sich eine Gehirnerschütterung bislang nur mit einer Computer- oder Kernspintomografie-Untersuchung sicher nachweisen lässt, gerade aber im Sport schnell Entscheidungen getroffen werden müssen, haben Ärzte des Klinikums rechts der Isar München zusammen mit US-amerikanischen Kollegen nun einen Schnelltest entwickelt. Nur ein Tropfen Blut aus der Fingerspitze soll künftig reichen, um Mikroverletzungen im Gehirn nachzuweisen, teilen die Münchner Ärzte in einer Medieninformation mit.

Der Test misst den Wissenschaftlern zufolge ein bestimmtes Protein im Blut, das nach einer Gehirnerschütterung ansteigt. „Das Protein S100B wird bereits in der klinischen Praxis als unterstützendes Kriterium verwendet, um nach Schädel-Hirn-Traumen zu entscheiden, ob eine Computertomografie-Untersuchung erforderlich ist“, sagt Prof. Peter Biberthaler, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Klinikums rechts der Isar München.

 

Das Protein S100B steigt bei einer Gehirnerschütterung an

Um tatsächlich auf dem Spielfeld zum Einsatz zu kommen, muss der Bluttest aber noch verfeinert werden, damit er zuverlässiger wird. Das Problem: die S100B-Werte sind individuell sehr unterschiedlich. Außerdem steigt der Wert auch bei körperlicher Anstrengung an.

In einer Studie mit 46 Sportlern konnten die Wissenschaftler bereits zeigen, dass eine Gehirnerschütterung zuverlässig vorliegt, wenn das S100B-Protein um über 45 Prozent gegenüber dem Normalwert ansteigt. Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

Foto: © ALAIN VERMEULEN - Fotolia.com

Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gehirnerschütterung , Gehirn
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kopfverletzungen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Eine App, in der alle Diagnosen, Medikamente und Rezepte zusammengefasst sind – das soll ab kommendem Jahr die elektronische Patientenakte (ePA) bieten. Die Nutzung wird freiwillig sein. Dennoch sind nicht alle zufrieden mit dem Ergebnis.
Laut ARD-Deutschland-Trend wollen in der Corona-Krise doppelt so viele Deutsche während ihres Sommerurlaubs im Inland verrreisen wie im Ausland. Aber anders als Italien, Spanien oder Griechenland ist vor allem Süddeutschland mit der beliebten Alpenregion ein FSME-Risikogebiet. Jetzt sich schnell noch impfen lassen – geht das?
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.