Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Gebrechlichkeit oft auf den ersten Blick erkennbar

Dienstag, 24. Mai 2016 – Autor:
In Folge des Alterungsprozesses kommt es bei vielen Menschen zur Gebrechlichkeit, einem komplexen Syndrom, das bei Therapieentscheidungen berücksichtigt werden sollte. Eine Studie hat nun gezeigt, dass Ärzte sehr gut auf den ersten Blick erkennen können, wer gebrechlich ist und wer nicht.
Gebrechlichkeit erkennen

Gebrechlichkeit ist relativ einfach erkennbar – Foto: Peter Atkins - Fotolia

Gebrechlichkeit ist keine Krankheit, sondern eine Folge des natürlichen Alterungsprozesses, wobei durchaus nicht alle alten Menschen gebrechlich werden. Das Syndrom umfasst verschiedene Symptome, nämlich Gewichtsverlust, subjektive Erschöpfung, Muskelschwäche, geringe physische Aktivität sowie Stand- und Gangunsicherheit. Ärzte sollten die Gebrechlichkeit ihrer Patienten kennen, da dies wichtig für die Entscheidung für oder gegen bestimmte Therapien oder Operationen sein kann. Allerdings erfordert die objektive Erfassung der einzelnen Symptome einen gewissen Aufwand. Eine Studie konnte nun zeigen, dass meist schon der erste Blick genügt, um die Gebrechlichkeit der Patienten einzuschätzen.

Wer gebrechlich ist, stirbt früher

Für ihre Analyse haben die Wissenschaftler um Brent O’Neill vom Royal Liverpool and Broadgreen University Hospital in Liverpool die Daten von 392 Patienten untersucht. Die Probanden waren im Durchschnitt 70 Jahre alt und wurden vor einem gefäßchirurgischen Eingriff einer subjektiven Einschätzung hinsichtlich ihrer Gebrechlichkeit unterzogen. Danach wurden die weiteren Therapieentscheidungen  multidisziplinär und unter Einbeziehung aller Befunde getroffen, hingen also nicht von der ersten, subjektiven Einschätzung der Ärzte ab.

Wie sich zeigte, starben innerhalb der folgenden vier Jahre 133 der 392 Patienten. Dabei war die Mortalität derjenigen Patienten, die von ihren Ärzten als gebrechlich eingeschätzt worden waren, doppelt so hoch wie die der anderen Probanden. Für dieses Ergebnis waren andere Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und Komorbiditäten bereits berücksichtigt worden.  

 

Gebrechlichkeit bei Therapieentscheidungen berücksichtigen

„Unsere Ergebnisse belegen, dass Kliniker sehr wohl auf den ersten Blick entscheiden können, welche ihrer Patienten gebrechlich sind“, erklären die Studienautoren. Aufgrund dieser ersten Einschätzung lasse sich auch ein mittelfristig erhöhtes Sterberisiko relativ sicher erkennen. Der Grund dafür ist, dass eine ausgeprägte Gebrechlichkeit neben der allgemeinen Schwächung auch zu einer verstärkten Infektanfälligkeit sowie einem erhöhten Risiko für weitere Erkrankungen führt. Wenn Ärzte den Eindruck haben, dass ihre Patienten gebrechlich sind, sollte dies daher in die Entscheidung bezüglich größerer Eingriffe einfließen und eine weitere Abklärung veranlassen.

Foto: © Peter Atkins - Fotolia.com

Hauptkategorie: Demografischer Wandel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Altersmedizin

03.12.2015

Das Gesundheitssystem geht an den Bedürfnissen älterer Menschen vorbei. Um sie richtig zu versorgen und ihnen ein möglichst aktives Leben zu ermöglichen, ist ein Paradigmenwechsel hin zu einer integrierten Pflege mit mehr Unterstützung im Alltag nötig. Das besagt eine Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Die Erforschung der Coronavirus-Erkrankung steckt noch in den Kinderschuhen. Wissenschaftler aus Freiburg haben jetzt herausgefunden, warum die Krankheitsverläufe bei Älteren oft besonders schwer sind – und was man mit verfügbaren Medikamenten dagegen tun kann.

Viele gesundheitsbewusste Verbraucher wissen genauso wie Diabetiker um die dick- und krankmachende Wirkung von Zucker. Deshalb richtet sich deren Hoffnung auf Süßstoffe. Doch obwohl sie zuckerfrei und zumindest kalorienarm sind, machen auch sie offenbar dick.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin