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Gebärmutterhalskrebs besser offen operieren

Samstag, 22. Dezember 2018 – Autor:
Seit Einzug der Schlüssellochtechnik wird auch Gebärmutterhalskrebs minimalinvasiv operiert. Nun zeigen zwei Studien aus den USA, dass das Verfahren der klassischen offenen Operation hinsichtlich des Überlebens unterlegen ist. Die Ergebnisse werden auch in Deutschland sehr ernst genommen.
Gebärmutterhalskrebs, minimalinvasive Operation

Rückschlag für die Schlüssellochchirurgie: Frauen mit Gebärmutterhalskrebs haben bessere Überlebenschancen, wenn sie offen operiert werden

In Deutschland wird jedes Jahr bei rund 4.600 Frauen Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Was folgt, ist eine radikale Entfernung der Gebärmutter. Bis zum Jahr 2006 erfolgte dieser Eingriff in einer klassischen offenen Operation. Doch mit dem Einzug der Schlüssellochtechnik wird das Zervixkarzinom immer öfter minimal invasiv operiert. Aber ob das schonendere Verfahren mit den kleinen Schnitten auch genauso sicher ist wie die offene Operation, darüber gab es bis dato kaum Evidenz.

 

 

Zwei Studien, ein Ergebnis

Nun haben sich zwei Forscherteams an die Arbeit gemacht, beide OP-Verfahren hinsichtlich der Überlebenschancen miteinander zu vergleichen. Beide kommen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass die Schlüssellochchirurgie der offenen Operation unterlegen ist.

Die erste Untersuchung stammt aus dem renommierten M. D. Anderson Cancer Center in Houston, Texas. Nach dem Zufallsprinzip wurden 631 Frauen mit frühen Stadien von Gebärmutterhalskrebs in 33 Krebszentren entweder offen oder minimalinvasiv operiert. Viereinhalb Jahre nach dem Eingriff wurden die Überlebensraten verglichen. Während unter den offen Operierten noch 96,6 Prozent am Leben waren, waren es in der Gruppe der minimalinvasiv Operierten nur 86 Prozent. Die Studie wurde 2008 begonnen und 2017 aufgrund der Ergebnisse vorzeitig abgebrochen.

Minimalinvasive OP führt zu höheren Sterberaten

Die Ergebnisse der prospektiven Studie werden von einer zweiten Untersuchung untermauert. Hierbei schauten sich Forscher rückblickend die Daten von Frauen mit frühen Formen von Gebärmutterhalskrebs aus zwei amerikanischen Krebsregistern an. Das Ergebnis: Von den Frauen, die minimalinvasiv operiert worden waren, waren 9,1 Prozent nach vier Jahren verstorben. Unter den offen Operierten waren dagegen nur 5,3 Prozent nicht mehr am Leben. Und das, obwohl die minimalinvasive Operierten tendenziell kleinere Tumore hatten, was normalerweise mit besseren Überlebenschancen assoziiert ist. Den besorgniserregenden Trend spiegeln auch Gesamt-Überlebensraten aus den USA wider. Just seit dem Jahr, seit dem Gebärmutterhalskrebs auch minimalinvasiv operiert wird, also seit 2006, sinkt die Überlebensrate jedes Jahr um 0,8 Prozent.

Gründe noch unklar

Über die Gründe für das schlechtere Überleben nach einer minimalinvasiven Gebärmutterentfernung können Experten nur spekulieren. Diskutiert wird, ob das Krebsgewebe möglicherweise nicht so vollständig entfernt wurde oder ob die Krebszellen durch die Instrumente im Bauchraum verschleppt wurden. Auch über mangelnde Erfahrung der Operateure wird spekuliert. Dabei mussten in der ersten Untersuchung alle Schlüssellochchirurgen eine entsprechende Kompetenz und Erfahrung nachweisen.

Charité operiert Gebärmutterhalskrebs jetzt wieder offen

An der Charité nimmt man die Ergebnisse sehr ernst. „Wir bevorzugen jetzt die offene Operation“, wird Prof. Jalid Sehouli vom Tagesspiegel zitiert. Dem Bericht nach sollen in Deutschland jetzt Daten der Krankenkassen ausgewertet werden. Zudem werden aktuell Kliniken in ganz Deutschland befragt, mit welchen OP-Verfahren sie Frauen mit frühem Gebärmutterhalskrebs operieren. Dennoch sollten sich Frauen, die wegen eines Zervixkarzinoms minimalinvasiv operiert worden sind, keine Sorgen machen meint Sehouli. Das allerwichtigste sei es, die Nachsorge wahrzunehmen, so der Experte im Tagesspiegel.

Chirurgische Verfahren nur selten evidenzbasiert

Noch wird in der deutschen Leitlinie Gebärmutterhalskrebs die minimalinvasive Operation als Alternative zur offenen Operation durchaus empfohlen. Das könnte sich aufgrund der neuesten Daten möglicherweise ändern. Bis dahin raten Fachgesellschaften, Patientinnen vor der Operation zumindest auf die Studienergebnisse hinzuweisen.

Auch wenn sich die Schulmedizin rühmt, evidenzbasiert zu sein, werden chirurgische Verfahren nur selten miteinander verglichen werden. Prof. Michalsen, Internist und Lehrstuhlinhaber für Naturheilkunde an der Charité, kritisiert diesen Widerspruch schon lange. Unter evidenzbasierten Gesichtspunkten, meint er, müsste die gesamte Chirurgie dicht machen.

Foto: pixabay

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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