. Arzneimittel

Gängige Medikamente können Depression hervorrufen

Gängige Medikamente können als Nebenwirkung eine Depression hervorrufen. Das ist das Ergebnis einer US-Studie. Im Fokus standen dabei mehr als 200 verschreibungspflichtige Arzneimittel.
Pillendose, tabletten, medikamente, polypharmazie, arzneimittel

Eine Depression kann sich auch als Nebenwirkung von üblichen Medikamenten herausbilden

Gängige Medikamente können als Nebenwirkung eine Depression hervorrufen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der University of Illinois. Für die Untersuchung wurden 2005/2006 bis 2013/2014 Patienten-Daten von 26.192 erwachsenen US-Bürger mit einem Durchschnittsalter von 46,2 Jahren ausgewertet.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei mehr als 200 häufig verwendeten, verschreibungspflichtigen Medikamenten Depression oder suizidale Gedanken als mögliche Nebenwirkung aufgeführt sind. Dazu zählen die Antibaby-Pille Blutdruck- und Herz-Medikamente, Protonenpumpenhemmer, Antazida und Schmerzmittel.

Gängige Medikamente können Depression hervorrufen

Insgesamt nahm mehr als ein Drittel (37,2 Prozent) der Probanden solche Medikamente ein. Dabei stieg die Zahl von 35 Prozent zum Beginn der Studie innerhalb von fünf Jahren auf 38,4 Prozent. Etwa 15 Prozent der Erwachsenen, die gleichzeitig drei oder mehr dieser gängigen Medikamente zu sich nahmen (Polypharmazie), erlebten als Nebenwirkung eine Depression.

Bei den Probanden, die keines dieser Medikamente erhielten, trat die psychische Erkrankung nur bei 5 Prozent auf. Bei denen, die eines dieser Medikamente einnahmen, lag die Rate bei 7 Prozent. Bei denjenigen, die gleichzeitig zwei dieser Medikamente einnahmen, waren es 9 Prozent.

 

Besonders Polypharmazie kann zu depressiven Symptomen führen

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, die eine Suizid-Neigung als möglichen Nebeneffekt aufführten, erhöhte sich der Konsum innerhalb von fünf Jahren von 17 auf 24 Prozent, der gleichzeitige Konsum von drei oder mehr dieser Medikamente stieg von 2 Prozent auf 3 Prozent.

Fazit der Forscher: Polypharmazie kann zu depressiven Symptomen führen. Ärzte und Patienten müssten sich dieses Risikos bewusst sein, das mit allen Arten von üblichen verschreibungspflichtigen Medikamenten einhergehe, sagte Hauptautor Dima Qato, Assistant Professor am UIC College of Pharmacy.

Warnhinweise auf Medikamenten-Verpackungen fehlen

"Viele werden überrascht sein zu erfahren, dass ihre Medikamente, obwohl sie nichts mit Stimmungsschwankungen, Angstzuständen oder anderen Zuständen zu tun haben - die normalerweise mit Depressionen einhergehen - ihr Risiko für depressive Symptome erhöhen und zu einer Depressionsdiagnose führen können", so Qato. Zugleich gab es nur auf wenigen dieser Medikamente entsprechende Warnhinweise. Die entsprechende Studie wurde im Fachmagazin JAMA veröffentlicht.

Foto: steinerpicture/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depression

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die EU-Kommission hat eine wichtige koordinierende Funktion zwischen den EU-Mitgliedsstaaten in der Coronakrise. So hat beispielsweise die EU Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 für alle Mitgliedsstaaten bestellt. Über die Rolle der EU in der Corona-Pandemie, die Diskussion um Grenzschließungen und die gemeinsame Impfstoffbeschaffung der EU sprach Gesundheitsstadt Berlin in einem Podcast mit dem langjährigen Mitglied des Europäischen Parlaments, Elmar Brok.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.