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16.06.2020, aktualisiert: 30.06.2021

Fünf Irrtümer rund um Zecken

Zecken werden immer wieder gerne als „Blutsauger“ tituliert. Da denkt man sofort an Vampirfilme – und die Phantasie nimmt ihren Lauf. Klug ist es, Zecken ernst zu nehmen, denn sie können Infektionskrankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen. Wer über Gefahren durch Zecken und den Umgang damit gut informiert ist, kann die kleinen Spinnentiere dabei aber auch gelassen nehmen.
Zeckenwarnschild an einer Forststraße im Wald.

Vor Zecken darf man sich schon in Acht nehmen – aber man muss nicht alles glauben, was über sie erzählt wird.

900 Zeckenarten gibt es weltweit, in Deutschland sind es derzeit etwa 20. Wenn wir von „Zecken“ sprechen, ist normalerweise der „Gemeine Holzbock“ aus der Familie der Schildzecken gemeint. Er ist die hierzulande am häufigsten vorkommende Zeckenart. Studien zeigen, dass sich der Lebensraum der Zecken in Europa immer weiter ausdehnt. Wissenschaftler machen dafür die globalen Klimaveränderungen mitverantwortlich.

In Mitteleuropa und damit auch in Deutschland übertragen Zecken vor allem zwei Krankheiten: Borreliose und Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Nach Auskunft des AOK-Bundesverbands infizieren sich von 100 gestochenen Personen zwischen einer und sechs. Zwischen 60.000 und 100.000 Personen schließlich erkranken im Jahr an Borreliose. Damit tritt die Borreliose deutlich häufiger auf als die FSME. Letztere ist eine meldepflichtige, aber sehr viel seltenere Krankheit. Im Jahr 2018 wurden 583 Fälle offiziell registriert.

Beide Krankheiten können zu langfristigen Gesundheitsschäden führen. FSME kann Hirnhaut und Zentralnervensystem angreifen und Entzündungen auslösen. Borreliose kann sich im ganzen Körper ausbreiten, am häufigsten betroffen sind Haut, Nervensystem und Gelenke. Wichtig ist es deshalb, sich über Zecken und die von ihnen ausgehenden Gefahren zu informieren, um sich zu schützen und richtig zu reagieren, wenn man nach einem Aufenthalt im Grünen Zecken am Körper entdeckt. Weil bei Zecken als vermeintlichen „Blutsaugern“ viel Emotionen und Psychologie im Spiel sind, kursieren auch wohlgemeinte, aber nicht wirklich hilfreiche Tipps, Halbwissen oder Mythen. Hier ein Versuch, mit fünf von ihnen aufzuräumen.

Irrtum 1: „Der Zeckenbiss“

Stechmücken stechen. Und Zecken? Auch! Zecken sind Parasiten, die sich vom Blut anderer Lebewesen, ihrer sogenannten Wirte, ernähren. Viele Zeckenarten sind auf bestimmte Tiere fixiert. Der „Gemeine Holzbock“, die in Deutschland auf häufigsten auftretende Zeckenart, ernährt sich auch von menschlichem Blut. Bei Menschen, die in der Natur unterwegs sind, lassen sie sich häufig von Kleidung im hohen Gras abstreifen, krabbeln eine Weile auf ihrem Opfer herum – bis sie eine geeignete Stelle zum Zustechen und Blutsaugen gefunden haben. Sie bevorzugen warme, feuchte Körperpartien wie Kniekehlen, Achseln oder den Leistenbereich.

„Ausgestattet mit scharfkantigen Mundwerkzeugen ritzen Zecken die Haut ihres Opfers auf, um anschließend ihren 'Stechrüssel' (Hypostom) im Gewebe des Wirts zu versenken“, heißt es beim Fachportal „Zecken.de“. Anders als etwa die weibliche Stechmücke steuern Zecken damit nicht gezielt Blutgefäße des Menschen an. Mithilfe von zwei Methoden setzen sie sich an ihrem Opfer fest: Zum einen verankern sie sich mit Widerhaken, die sich am Stechapparat befinden, in ihrem Opfer. Zum anderen produzieren manche Zeckenarten 5 bis 30 Minuten nach dem Stich eine Art Klebstoff (Zement), durch den sie sich mit dem Wirt fest verkleben.

 

Irrtum 2: „Beim Zecken-Entfernen muss man ‚schrauben‘“

 

Die erfolgreiche Entfernung  einer saugenden Zecke hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: Von der Länge und Ausbildung der Mundwerkzeuge, von der Anzahl der Widerhakten am Stechrüssel und von der Menge des abgegeben Klebstoffs. Wichtig ist auch das richtige Werkzeug. Experten raten dazu, eine Zeckenkarte oder eine speziell geformte Zeckenpinzette zu verwenden. Mit diesen Instrumenten kann man sehr nah an der Haut ansetzen, die Zecke an der Nahtstelle zwischen Kopf und Rüssel greifen und dann langsam, gerade und unter ständigem leichtem Zug entfernen. „Nicht drehen, die Zecke hat kein Gewinde“, heißt es beim Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz. Beim Drehen besteht die Gefahr, dass der mit Widerhaken ausgerüstete Stechrüssel der Zecke abreißt und steckenbleibt oder auch Teile des Kopfs. Und dass man die Zecke auspresst und so erst recht Erreger in die Wunde gelangen können.

Irrtum 3: „FSME gibt es nur im Sommer“

Frühsommer-Meningo-Enzephalitis: Was bedeuten die einzelnen Wortbausteine?  In der medizinischen Fachsprache wird eine Entzündung des Gehirns als Enzephalitis bezeichnet. Meningitis steht für „Hirnhautentzündung“. Sind beide Partien des Gehirns betroffen, heißt die Erkrankung Meningo-Enzephalitis. Die Bezeichnung „Frühsommer“ ist dabei häufig Anlass für die Annahme, man könne sich die Krankheit nur in dieser Zeit einfangen. Die Verwendung des Begriffs in diesem Zusammenhang rührt von der russischen Taigazecke her, die nur im Frühjahr und Frühsommer aktiv ist. In Mitteleuropa dagegen sind Zecken ab Außentemperaturen von etwa sieben Grad und damit ganzjährig aktiv. Ganzjährig gegeben ist damit auch die Gefahr einer Ansteckung mit FSME.

Irrtum 4: „Es gibt eine Zeckenschutzimpfung“

Zecken können zwei Infektionskrankheiten übertragen: Borreliose, eine bakterielle Infektionskrankheit – und FSME, eine Viruserkrankung. Nur gegen FSME gibt es bisher eine Schutzimpfung – nicht gegen Borreliose. Und es gibt erst recht keine gegen das globale Risiko, überhaupt von Zecken befallen zu werden. Eine „Zeckenschutzimpfung“, die Zecken womöglich fernhält ähnlich einem Mückenschutzspray, das man auf die Haut aufträgt, existiere definitiv nicht, betont der „Borreliose und FSME Bund Deutschland“. Diese Bezeichnung sei eine Erfindung von Impfstoff-Herstellern, um den Absatz für FSME-Vakzine anzukurbeln. Fakt ist aber auch: Wer jetzt spontan Urlaub bucht, für ein Urlaubsziel, das in einem Risikogebiet liegt, kann bei sofortiger Impfung binnen 14 Tagen einen FSME-Schnellschutz aufbauen.

Irrtum 5: „In der Stadt ist man vor Zecken sicher“

Nach einer längeren Wanderung im Wald mit und ohne und Hund, einem Picknick oder einer Abenteuertour mit Kindern auf Feldern, Wiesen oder am Fluss oder See gehört hinterher für viele ein Vorsichtsritual wie selbstverständlich dazu: Wir suchen uns auf Zecken ab. In der zivilisierten Stadt dagegen wähnt man sich in Sicherheit – ein Irrtum. Zecken könnten praktisch überall vorkommen.

Als Lebensraum bevorzugt die Zecke schattige, aber mild temperierte und feuchte Orte in der Natur. Ideale Bedingungen findet sie an Waldesrändern, Lichtungen, Uferzonen von Bachläufen und Seen – aber eben auch in Wiesen und Sträuchern von Parkanlagen, aber auch im Blumenbeet im eigenen Garten. „Zecken werden zunehmend in Stadtgebieten heimisch, da sie auch hier, zum Beispiel in Gärten, Hinterhöfen und Parkanlagen, geeignete Lebensbedingungen finden", warnt der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz (BGV). „Schon beim kurzen Hantieren im Kräuterbeet oder beim Abschneiden von Blumen kann man versehentlich eine Zecke abstreifen und gestochen werden.“ Zecken lauern sogar schon auf Fußballplätzen. 2018 untersuchten Wissenschaftler das Zeckenrisiko auf deutschen Sportplätzen, von denen viele von Gras und Büschen umgeben sind. In 14 von 16 Bundesländern wurden sie fündig.

Foto: AdobeStock/DoraZett

Hauptkategorie: Medizin
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06.05.2020

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