. Röntgenstrahlen

Früherkennung mit CT: Bundesamt für Strahlenschutz kritisiert unzulässige Angebote

Krebs oder Herzleiden mittels einer CT-Untersuchung früh entdecken: Womit viele radiologische Praxen und Kliniken werben, ist in Deutschland bislang rechtlich nicht zulässig. Auf diesen in der Öffentlichkeit wenig bekannten Umstand weist das Bundesamt für Strahlenschutz jetzt hin.
CT-Früherkennungsuntersuchungen, Strahlenbelastung

Radiologen verdienen mit CT-Früherkennungsuntersuchungen viel Geld. Die Strahlenbelastung wird oft heruntergespielt

Früherkennungsuntersuchungen können schwere Krankheiten verhindern und Heilungschancen erhöhen. Mit solchen Aussagen werben Radiologen und Kliniken um Patienten. Doch kommen Röntgenstrahlen zum Einsatz, ist in Deutschland nur eine einzige Früherkennungsmaßnahme erlaubt: das Mammographie-Screening zur Brustkrebs-Früherkennung.

CT-Untersuchungen zur Früherkennung schwerer Krankheiten sind dagegen bislang in Deutschland rechtlich nicht zulässig. Darauf weist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) jetzt hin. „Radiologische Verfahren können bei der Früherkennung von Krebs oder Herzerkrankungen eine wichtige Rolle spielen“, betont BfS-Präsidentin Inge Paulini. „Allerdings muss sorgsam bewertet werden, ob der Nutzen einer solchen Untersuchung die damit verbundenen Risiken rechtfertigt und ob die erforderlichen Qualitätsstandards eingehalten werden.“

BfS beanstandet websites von radiologischen Anbietern

Das BfS hatte festgestellt, dass die im Internet bereitgestellten Informationen der Anbieter mehrheitlich auf Qualitätsmängel schließen lassen. Dafür hatte das Amt 150 Websites radiologischer Praxen und Kliniken, die CT-Früherkennungsuntersuchungen anbieten, ausgewertet. Bemängelt wird unter anderem, dass die Angaben über die Strahlenrisiken insgesamt nur unzureichend seien und dass in der Regel detaillierte, fachlich valide und ausgewogene Informationen fehlten. Auch variierten die Angaben zu den Zielgruppen, der Durchführung der jeweiligen Untersuchung sowie zur Abklärungsdiagnostik erheblich – oft entbehrten sie der wissenschaftlichen Grundlage, so das BfR.

 

Irreführende Informationen

„Die aktuellen Angebote im Internet sind nicht nur rechtswidrig, sondern auch irreführend“, betont Paulini. Die Internet-Auswertung des BfS belege nachdrücklich die Notwendigkeit, bundeseinheitliche und rechtlich verbindliche Regelungen für radiologische Früherkennungsuntersuchungen zu treffen, so Paulini weiter. Nur so ließen sich sowohl deren Nutzen und Qualität als auch die informierte Entscheidungsbildung möglicher Teilnehmer sicherstellen.

Niedrigdosis-CT für Raucher im Gespräch

CT-Früherkennungsuntersuchungen, die ja auch mit Röntgenstrahlen arbeiten, müssen Patienten aus eigener Tasche bezahlen. Durch das neue Strahlenschutzgesetzkönnte sich daran demnächst aber etwas ändern: Das Gesetz ermöglicht, weitere Röntgenuntersuchungen für die Früherkennung von Krankheiten wie Lungen- oder Darmkrebs, Verengung der Herzkranzgefäße oder Osteoporose zuzulassen. Als Grundlage hierfür erstellt das BfS für jedes in Frage kommende Untersuchungsverfahren einen wissenschaftlichen Bericht, in dem Nutzen und Risiken gegeneinander abgewogen sowie Mindeststandards für die Durchführung der Untersuchungen festgelegt werden. Aktuell läuft die Bewertung der Niedrigdosis-CT zur Früherkennung von Lungenkrebs bei Rauchern. Zugelassen ist diese Früherkennungsmaßnahme aber noch nicht. 

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Früherkennung , Röntgen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Früherkennungsuntersuchungen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Was bringt Yoga für die Gesundheit? Studien kommen bei dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass Yoga insbesondere auf das Nervensystem, die Beweglichkeit und den Blutdruck positive Effekte haben kann.
Schenken macht Spaß – die meisten Menschen kennen das. Forscher konnten das sogar im MRT bestätigen und die hirnphysiologischen Grundlagen für den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glücksgefühl zeigen.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.