Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Forscher züchten schlagenden Herzmuskel

Sonntag, 16. Dezember 2018 – Autor:
Es ist dreidimensional und schlägt wie ein richtiges Herz: Forschern ist es gelungen, aus Hautzellen menschliches Herzmuskelgewebe der Vorhöfe zu züchten. An dem Herzmuskel sollen künftig Medikamente gegen Vorhofflimmern getestet werden.
Herzmuskel, pluripotente Stammzellen

DZHK-Forscher haben aus menschlichen Hautzellen einen schlagenden Herzmuskel hergestellt.

Ein dreidimensionaler Herzmuskel aus dem Labor, der schlägt, Strom leitet und auf bestimmte Medikamente ebenso wie der menschliche Vorhofmuskel reagiert: Mit ihrer Arbeit haben Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) einen wichtigen Schritt für bessere und personalisiertere Therapien des Vorhofflimmerns getan.

 

 

Mit pluripotenten Stammzellen gearbeitet

Die Wissenschaftler hatten mit der Technologie der induzierten pluripotenten Stammzellen Vorhofzellen aus gespendeten Hautzellen hergestellt. Mit dieser Methode waren zuvor schon Zellen der unteren Herzkammern gezüchtet worden. In diesem Fall haben die Forscher Retinsäure hinzugefügt, da die Zellen hierdurch ähnliche Eigenschaften wie Vorhofzellen erlangen. Dank dreidimensionaler Züchtung sind Streifen des Vorhof-Herzmuskels entstanden, die sich wie ein echter Vorhofmuskel verhalten.

Wie die Forscher nun in einer Mitteilung schreiben, könnte dies die Entwicklung von Medikamenten für Vorhofflimmern wesentlich erleichtern. Zudem würden dadurch etliche Tierversuche eingespart.

Der neue Herzmuskel ist personalisiert

Der Herzmuskel aus dem Labor ist außerdem patientenspezifisch. Dies macht es möglich, Medikamente an Herzgewebe zu testen, das von einer bestimmten Person stammt, um genau die Vorhof-Erkrankung zu behandeln, die diese Person hat. Vom Patienten wird lediglich eine kleine Hautspende benötigt.

„Die Idee, dass wir Medikamente an einem Herzmuskel testen können, der für einen bestimmten Patienten gezüchtet wurde, klingt fantastisch. Unsere Forschung zeigt, dass dies jetzt Realität ist, wir benötigen dafür nur einige Hautzellen“, sagt Dr. Marta Lemme, vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie des UKE, Erstautorin der Studie, die jetzt im Fachmagazin Stem Cell Reports publiziert wurde.

Als nächsten Schritt will das Team den künstlichen Herzmuskel perfektionieren und ihn dazu bringen, sich wie ein „kranker“ Herzmuskel zu verhalten. Anschließend könnten die ersten personalisierten Tests beginnen „Eine solche Forschung zeigt, wie wir mit Hilfe modernster Technologien die laborbasierte Forschung zum Wohle von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nutzen können“, sagt Prof. Thomas Eschenhagen, Projektleiter und Vorstandsprecher des DZHK. „Das DZHK wurde mit genau diesem Ziel gegründet, ich freue mich über dieses Ergebnis.“

Vorhofflimmern bislang schwer therapierbar

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und ein großer Risikofaktor für einen Schlaganfall: In den oberen Kammern des Herzens, den Vorhöfen, können sich nämlich leicht Blutgerinnsel bilden. Patienten müssen darum Blutverdünner wie Marcumar oder DOAKs einnehmen.

Aktuelle Behandlungen wie das Veröden des Gewebes, das den abnormen Rhythmus verursacht, oder Medikamente wie Beta-Blocker helfen nicht allen Patienten und haben oft schwere Nebenwirkungen. Deshalb suchen Forscher nach neuen und besseren Behandlungsmethoden. Die Arzneimittelentwicklung für Vorhofflimmern ist allerdings besonders anspruchsvoll und Ergebnisse aus Tierversuchen sind nicht 1:1 auf den Menschen übertragbar. Darum kommt dem gezüchteten Herzmuskel große Bedeutung bei der Suche nach besseren Therapien zu.

Foto: pixabay

 

Weitere Nachrichten zum Thema Vorhofflimmern

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Nagelpilz (Onychomykose) ist ein verbreitetes Leiden. Pilzsporen dringen in den Nagel ein und führen zu Verfärbungen und Verdickungen. Dagegen gibt es rezeptfreie Mittel. Wie wirksam sind sie?

Frauen erkranken deutlich häufiger an Osteoporose als Männer, vor allem im höheren Alter. Ein Hauptrisikofaktor ist das Geschlecht – aber das lässt sich nicht ändern. Deshalb ist es umso wichtiger, die Präventionsmöglichkeiten konsequent auszuschöpfen.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin