Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
21.07.2019

Forscher wollen Mukoviszidose mit Makrophagen bekämpfen

Könnte eine Makrophagen-Transplantation den Krankheitsverlauf von Mukoviszidose verbessern? Dieser Frage gehen Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Das Projekt wird vom Mukoviszidose e.V. gefördert.
neue Therapie der Mukoviszidose

Hoffnung auf eine neue Therapie der Mukoviszidose: Wissenschaftler arbeiten an einer Makrophagen-Transplantation

Mukoviszidose geht mit einer chronischen Entzündung der Lunge und einem fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion einher. Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper bildet sich bei Mukoviszidose-Betroffenen ein zähflüssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt. Trotz verbesserter Therapiemöglichkeiten ist die Erkrankung bis heute unheilbar. Ursache ist dein Gendefekt, der unter anderem Immunzellen beeinträchtigt, die Infektionen abwehren können. Daher leiden Mukoviszidose-Patienten auch unter wiederkehrenden Infektionen mit Keimen wie etwa Pseudomonas aeruginosa.

Makrophagen sind Bakterienfresser

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) konzentrieren sich nun auf eine bestimmten Typ von Immunzellen: Makrophagen tragen durch ihre Fähigkeit, Bakterien aufzunehmen und zu vernichten, in hohem Maße zum Gleichgewicht in der gesunden Lunge bei. Ihre Rolle bei der Mukoviszidose-Erkrankung ist bislang zwar nur wenig untersucht. Doch nach ersten Vorversuchen in einem Mausmodell könnte die Manipulation dieser Immunzellen bei Mukoviszidose durchaus hilfreich sein. 

 

Mildere Infektionsverläufe beobachtet

Experimente der Arbeitsgruppe von Dr. med. vet. Antje Munder ergaben, dass blutbildende Stammzellen, die aus dem Knochenmark gesunder Spendermäuse gewonnen wurden, nach Transplantation erfolgreich in die Lunge der Mukoviszidose kranker Mäuse einwanderten und sich dort zu Makrophagen differenzierten. Wurden die transplantierten Mäuse dann über die Atemwege mit dem Keim Pseudomonas aeruginosa infiziert, verlief die Infektion milder als in der Kontrollgruppe. „Die Ergebnisse in diesem Transplantationsmodell legen nahe, dass die Anwendung gesunder Makrophagen von therapeutischem Nutzen sein kann, um chronische Atemwegsinfektionen bei Mukoviszidose Patienten zu bekämpfen“, berichtet Munder.

Makrophagen-Transplantation könnte das Therapiespektrum erweitern

Ziel der von der vom Mukoviszidose e.V. geförderten Arbeit ist es, eine Makrophagen-Transplantation für Mukoviszidose Patienten zu entwickeln. Hierfür würden dem Patienten Zellen aus dem Blut entnommen, im Labor umprogrammiert und anschließend in die Lunge transplantiert. „Die korrigierten und zu Makrophagen ausdifferenzierten Zellen könnten anschließend dem Patienten als Therapie wieder verabreicht werden, so dass sie dazu beitragen können, Infektionen der Lunge mit Keimen erfolgreich zu bekämpfen“, so Munder.

Ein Allheilmittel der Mukoviszidose wird die neue Therapie aber nicht sein. Die Wissenschaftler betonen ausdrücklich, dass es sich um eine ergänzende Therapie handeln wird, die Mutations- und Antibiotika-unabhängig ist. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angesetzt.

In Deutschland kommen jedes Jahr etwa 150 bis 200 Kinder mit der seltenen Erbkrankheit zur Welt. Seit 2016 gibt es ein Neugeborenen-Screening. Aktuell leben in Deutschland rund 8.000 Menschen mit Mukoviszidose.

Foto: Zerbor Fotolia

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Mukoviszidose , Immunzellen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Mukoviszidose

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin