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Forscher entwickeln Stammzelltherapie gegen Makuladegeneration

Makuladegeneration – auch Altersblindheit genannt – ist bislang unheilbar. Forscher haben nun Stammzellen gezüchtet, mit denen sie die zerstörten Zellen im Auge ersetzen wollen. Für eine klinische Anwendung ist es aber noch zu früh.
Forscher entwickeln Stammzelltherapie gegen Makuladegeneration

Boris Stanzel (li.) und Team: Der Stammzelltherapie gegen Makuladegeneration ein Stück näher gekommen

Bei der Makuladegeneration (AMD) wird die untere Schicht der Netzhaut – das so genannte retinale Pigmentepithel (RPE) allmählich so geschädigt, dass Betroffene schließlich nahezu erblinden. Bislang ist die „Altersblindheit“ Makuladegeneration unheilbar, derzeit verfügbare Therapien können die Beschwerden allenfalls lindern.

Forscher der Universität Bonn haben nun mit Kollegen aus New York eine neue Methode entwickelt, mit der sich die geschädigten RPE-Zellen möglicherweise ersetzen lassen: Kaninchen implantierten sie neue RPE-Zellen, die sie zuvor im Labor zum Teil aus menschlichen Stammzellen gewonnen hatten. Die Implantate überlebten in den Augen der Kaninchen mehrere Wochen.

Bei Kaninchen konnten die zerstörten RPE-Zellen bereits ersetzt werden

„Diese Zellen wurden nun erstmals in der Forschung für Transplantationszwecke herangezogen“, sagt Dr. Boris V. Stanzel von der Bonner Uni-Augenklinik, der mit Bonner Kollegen die Implantationstechniken für die neue Methode entwickelt hat. Die gezüchteten Stammzellen stammen dagegen aus dem Neural Stem Cell Institute in New York, USA.

Für ihre Experimente hatten die Bonner Forscher die Stammzellen auf kleinen Polyesterscheibchen angesiedelt und die Zell-Implantate anschließend den Kaninchen unter die Netzhaut gepflanzt. „Die implantierten Zellen lebten, auch nach vier Wochen zeigten Gewebeuntersuchungen, dass das Transplantat intakt war“, kommentiert Augenarzt Stanzel das erfolgreich verlaufene Experiment. „Die Ergebnisse aus den Experimenten beweisen, dass aus Stammzellen von Erwachsenen gewonnene retinale Pigmentepithelzellen das Potenzial haben, durch altersbedingte Makuladegeneration zerstörte Zellen zu ersetzen“, so sein Resumée. Darüber hinaus lasse sich mit dem neuen Ansatz künftig testen, welche Stammzelllinien für Transplantationen im Auge geeignet seien.

 

Makuladegeneration häufigste Ursache für Erblindung

Bis derartige Stammzelltransplantate einmal am Menschen eingesetzt werden können, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Hierfür sei noch intensivere Forschung erforderlich, berichten die Forscher, die ihre Ergebnisse in Kürze im Fachjournal “Stem Cell Reports” veröffentlichen wollen. In Deutschland leiden rund viereinhalb Millionen Menschen an einer altersbedingten Makuladegeneration. Die Erkrankung ist die häufigste Ursache für Erblindung.

Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

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