Fleischessen ist auch eine Ideologie

Vegetarier oder Veganer gelten oft als ideologisch verbohrt. Wer gerne Fleisch ist, tut dies ebenfalls aus Überzeugung. Das fanden Psychologen heraus.
Fleischessen ist nicht nur Geschmackssache. Menschen essen Tiere auch aus Überzeugung

Fleischessen ist nicht nur Geschmackssache. Menschen essen Tiere auch aus Überzeugung

Ostern ist ein guter Anlass, über den Fleischkonsum nachzudenken. In vielen deutschen Familien kommt an den Feiertagen das Osterlamm auf den Tisch. Dabei würde niemand daran denken, das süße Lämmchen aus dem Streichelzoo zu schlachten. Diese Diskrepanz bezeichnet die amerikanische Autorin Melanie Joy als Karnismus. Einige Tiere gelten als essbar, andere jedoch nicht. So werden etwa Haustiere als Familienmitglieder und als unessbar angesehen.

Die meisten Vegetarier oder Veganer lehnen das Fleischessen weniger aus gesundheitlichen Gründen, als aus Empathie gegenüber den Tieren ab. Dass Fleischesser ebenfalls Überzeugungen anhängen, haben nun Psychologen der Universität Mainz gemeinsam mit Kollegen aus Boston, USA, herausgefunden.

Karnismus-Theorie überprüft

Überprüft wurde die Karnismus-Theorie in einer Studie mit 1.000 Teilnehmern. Dabei zeigte sich, dass das häufig vorgebrachte Argument, Fleisch schmecke einfach gut, nur ein Teil der Wahrheit ist. Tatsächlich rechtfertigten die Fleischesser ihren Fleischkonsum mit der Dominanz des Menschen gegenüber Tieren. „Wir konnten bestätigen, dass Fleischkonsum auch mit der Befürwortung von Hierarchien in Verbindung steht“, kommentiert Studienautorin Tamara Pfeiler von der Uni Mainz ein zentrales Ergebnis der Studie. Insofern sei der Konsum von Fleisch ebenso an Überzeugungen gekoppelt, wie der Konsum von pflanzlicher Nahrung an vegane oder vegetarische Überzeugungen.

Fleischessen hängt eng mit Hierarchiedenken zusammen

Das Hierarchiedenken ist nach den Studienergebnissen auch mit bestimmten gesellschaftspolitischen Ansichten verknüpft: Befürworter des Fleischkonsums sind demnach eher konservativ und sehen auch zwischen menschlichen Gruppen eine Rangordnung. Das bedeute aber umgekehrt nicht, dass fleischessende Menschen automatisch zu mehr Vorurteilen gegenüber anderen menschlichen Gruppen neigten, meint Psychologin Pfeiler. „Die Zusammenhänge bestehen, sind jedoch nicht kausal.“

Die Studieneregbnisse wurden in der Fachzeitschrift „Appetite“ veröffentlicht. Der Titel: “The Carnism Inventory: Measuring the ideology of eating animals”.

Foto: © xx85xx - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung

Weitere Nachrichten zum Thema Fleischessen

| Wer Muskeln bekommen will, braucht Eiweiß – soviel ist bekannt. Doch die Annahme, dass deshalb möglichst viel Fleisch oder Milchprodukte verzehrt werden müssen, ist ein Irrtum. Denn pflanzliches Eiweiß kann das Muskelwachstum genauso gut unterstützen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Kann ein „übersäuerter“ Körper auf Dauer krank machen? Professor Dr. Andreas Pfeiffer vom Deutschen Zentrum für Ernährungsforschung erläutert, ob die Befürchtung wirklich zutrifft.
. Weitere Nachrichten
Können sich sich Eltern nicht über Schutzimpfungen für ihr Kind einigen, entscheidet der Elternteil, der es nach den Empfehlungen des Robert Koch-Institutes (RKI) impfen lassen möchte. Vor dem Hintergrund des aktuellen Impftstreites urteite ein Gericht damit im Sinne einer Impfpflicht.
Jeder weiß, wie wichtig ein gesunder Schlaf fürs Wohlbefinden ist. Forscher haben nun einen kausalen Zusammenhang zwischen Tiefschlaf und Lernfähigkeit aufgezeigt. Schon kleinste Störungen scheinen großen Einfluss zu haben.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Interviews
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.