. Berliner Präventionsprojekt

Finanzspritze für Babylotsen der Charité

Das Projekt Babylotsen der Charité ist seit seinem Start vor drei Jahren eine echte Erfolgsstory. Eine aktuelle Spende über 30.000 Euro hilft, noch mehr Familien mit Neugeborenen zu unterstützen – und Schlimmeres zu verhindern.
Damit die Welt in Ordnung bleibt: Babylotsen helfen Eltern von Charité-Babys, gute Eltern zu sein

Damit die Welt in Ordnung bleibt: Babylotsen helfen Eltern von Charité-Babys, gute Eltern zu sein

Über 3.000 Familien haben die Babylosten der Charité schon begleitet und beraten. Und damit in vielen Fällen höchst wahrscheinlich Schlimmeres verhindert: Denn die Lotsen sind dafür da, Krisen vorzubeugen, bevor sie entstehen. Gemeint sind Vernachlässigung, Missbrauch oder physische und psychische Gewalt, die oft aus Überforderung der Eltern heraus entstehen. Deshalb werden die Mütter schon in der Schwangerschaft ausgiebig befragt und beraten. Wenn es augenfällige Probleme oder Überforderungssituationen gibt, werden die Familien an bezirkliche Netzwerke, wie etwa Familienhebammen, weiter vermittelt. Das war bisher bei rund 600 Familien mit „Charité“-Babys der Fall.

Überforderte Eltern werden entlastet

Nun hat das Präventionsprojekt eine Finanzspritze über 30.000 Euro erhalten. Gespendet wurde das Geld vom Berliner Pharmaunternehmen Dr. Kade, das nach den Worten von Geschäftsführerin Annett Schubert, gerne Verantwortung am Standort übernimmt und sich seit vielen Jahren für soziale Projekte in Berlin enagiert. „Das Projekt Babylotse verdient große Unterstützung und wir freuen uns, mit der Spende einen Beitrag zur Fortsetzung dieses nachhaltigen Projekts zu leisten“, sagte Schubert bei der Scheckübergabe am Montag.

An der Geburtsklinik am Charité Virchow Klinikum im Wedding nahm man den Scheck dankbar entgegen. Schließlich wird das Projekt ausschließlich über Spenden und Fördergelder finanziert. Für die Familien ist das Angebot kostenfrei. „Alle Eltern wollen gute Eltern sein, doch manche Familien geraten dabei an ihre Grenzen, vor allem, wenn sie sehr jung oder besonders belastet sind“, sagte Projektleiterin Dr. Christine Klapp von der Klinik für Geburtsmedizin. „Mit unserem Projekt wollen wir Eltern in belasteten Situationen unterstützen, bevor daraus eine Krise entsteht. So stärken wir die Eltern in ihrer Verantwortung und ermöglichen den Kindern ein behütetes und gesundes Aufwachsen“, erklärte sie.

Angebot Babylotsen ist unbürokratisch und kostenlos

Die Lotsen, ausgebildete Sozialpädagoginnen, sind auch über den Klinikaufenthalt hinaus ein wichtiges Verbindungsglied zu wohnortnahen Netzwerken und Einrichtungen. Das Angebot sei sehr willkommen und dringend notwendig, betonte der Leiter der Geburtsmedizin Prof. Wolfgang Henrich. „Leider haben die erschwerten Rahmenbedingungen sehr häufig eine negative Auswirkung auf die gesundheitliche Entwicklung der Kinder“, sagte er. „Die Babylotsen sprechen mit den Familien, unterstützen, vermitteln Hilfe - und geben Acht, dass keiner strandet.“

Für das unbürokratische Angebot, das Eltern helfen soll, gute Eltern zu sein, erhält das Charité-Team im Gegenzug viele Dankesbriefe. Eine Mutter schrieb etwa: "Ich fühle mich jetzt sicherer, dass ich das mit dem Baby schaffe. Danke, dass Sie mir geholfen haben.“

Babylotsen-Projekt hat schon Nachahmer gefunden

Parallel wird das Babylotsen-Projekt an der Charité wissenschaftlich evaluiert. Dabei vergleichen die Charité-Wissenschaftler die Entwicklung der "Babylotsen-Kinder" mit Gleichaltrigen, die keine Hilfe erhalten haben. „Eine wissenschaftlich bestätigte stabilere Eltern-Kind-Bindung und im Vergleich weniger belastete Eltern könnten dann bald dazu führen, dass in Deutschland noch mehr Babylotsen die Kleinsten auf ihrem Weg ins Leben begleiten“, hofft Geburtsmedizinerin Klapp. Noch sind Bayblotsen kein nationaler Standard, aber Vorbildcharakter hat das Projekt schon. Seit Januar gibt es auch am Vivantes Klinikum Neukölln Babylotsen. 

Foto: ©JuniArt – Fotolia.com

Hauptkategorie: Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Charité , Kinder

Weitere Nachrichten zum Thema Charité

| Ein Bauprojekt, das voll im Zeit- und Kostenplan liegt – in Berlin ist das nicht selbstverständlich. Doch an der Charité scheint der Umbau des Bettenhochhauses samt angrenzendem Neubau reibungslos zu klappen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.