Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Fieberkrampf: beängstigend, aber harmlos

Fieberkrämpfe bei kleinen Kindern sind für die Eltern immer ein Schock. Ärzte raten vor allem eins: die Ruhe bewahren. Doch das ist leichter gesagt als getan.
Fieberkrampf: beängstigend, aber harmlos

Kinder können sich an einen Fieberkrampf nicht mehr erinnern. Ihre Eltern schon.

Schnell ansteigendes Fieber, Bewusstseinsverlust, blaugefärbte Lippen, verspannte oder zuckende Muskeln: Fieberkrämpfe sind äußerst beängstigend und für die Eltern immer ein Schock. Die meisten Eltern rufen in dieser Situation den Notarzt. „Das ist verständlich und auch völlig richtig“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer GEK. „Denn solche Fieberkrämpfe müssen bei ihrem ersten Auftreten auf jeden Fall von einem Notarzt versorgt werden.“ Doch in der Regel gingen Fieberkrämpfe schnell wieder vorbei und hinterließen keine bleibenden Schäden, kann die Ärztin beruhigen. Nur selten stecke eine ernsthafte Ursache wie eine Epilepsie dahinter. Entwarnung gibt auch Dr. Ingo Borggräfe, Oberarzt für Neuropädiatrie und Leiter der Abteilung für Kinderepileptologie des Epilepsiezentrums der Münchner Universitätsklinik LMU. „Die meisten denken, das sei lebensbedrohlich, doch das ist ein Fieberkrampf so gut wie nie.“

Lebensbedrohlich ist ein Fieberkrampf so gut wie nie

Bis Hilfe da ist, sollten Eltern sich bemühen, ruhig zu bleiben. Man sollte das Kind weich lagern, damit es sich nicht verletzen oder herunterfallen kann, rät etwa Dr. med. Florian Hoffmann, Oberarzt für spezielle pädiatrische Notfallmedizin am Dr. von Haunerschen Kinderspital am Universitätsklinikum München im Apothekenmagazin Baby und Familie. „Schieben sie ihm nichts zwischen die Zähne, das kann zu Verletzungen führen", so der Notfallmediziner. Auf keinen Fall dürften Getränke oder Nahrung gegeben werden, denn das Kind könnte daran ersticken. Das Kind dürfe wegen einer Verletzungsgefahr niemals geschüttelt werden, auch kaltes Wasser sei nicht hilfreich. Fieberzäpfchen und kühle Wadenwickel brächten den kleinen Patienten dagegen Linderung.

In den meisten Fällen wird der Notarzt das Kind beim ersten Fieberkrampf in ins Krankenhaus schicken, damit es gründlich untersucht wird und etwa eine Hirnhautentzündung oder eine Epilepsie ausgeschlossen werden kann. Weil der Anfall oft schon vorbei ist, wenn der Notarzt eintrifft, sollten Eltern die Temperatur ihres Kindes messen und sich merken, wie lange der Anfall gedauert hat, raten Kinderärzte.

 

Für den nächsten Fieberkrampf können sich Eltern mit einem Notfallmedikament wappnen

Im Krankenhaus gibt es dann für mögliche Wiederholungen des Fieberkrampfes ein Notfallmedikament. In der Regel wird dies ein Medikament in einer Rektiole sein, das wie ein Zäpfchen gegeben wird. "Fieberkrämpfe sind gerade bei Kleinkindern recht häufig. Im Grunde kann jede Erkrankung, die Fieber mit sich bringt, einen solchen Krampf auslösen", so Marschall. Vorbeugen könne man einem Fieberkrampf allerdings nicht, nur eben gut gewappnet sein.

Fieberkrämpfe beruhen auf einer Veranlagung des Gehirns, in einer bestimmten Entwicklungsphase auf Fieber mit Krampfanfällen zu reagieren. Sie betreffen etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder und treten typischerweise zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr auf. Besonders häufig sind sie im Alter von ein bis drei Jahren.

Fundierte Empfehlungen für Eltern, deren Kinder einen Fieberkrampf hatten, bieten die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin auf ihrer Internetseite unter www.dgkj.de.

Foto: © nadezhda1906 - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Grippe
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kindergesundheit

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Interview mit Dr. med. Axel Panzer, Neuropädiater und Leiter des Epilepsie-Zentrums an den DRK Kliniken Berlin I Westend
 
Weitere Nachrichten

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.

Mitarbeiter im Gesundheitswesen kämpfen an vorderster Front: Viele kamen während der Pandemie an die Grenzen dessen, was Menschen aushalten können. Eine Studie der Universität Bonn zeigt: Besonders in einer Berufsgruppe haben Ängste und Depressionen behandlungsbedürftige Dimensionen erreicht.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin