Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Fettleber kann zu Nierensteinen führen

Donnerstag, 26. August 2021 – Autor:
Ein gestörter Leberstoffwechsel bei einer nicht-alkoholischen Fettleber-Erkrankung kann die Produktion von Oxalsäure im Körper anregen – und damit eine weitere Krankheit in einem anderen Organ auslösen: Nierensteine. Das zeigt eine Studie des Leibniz-Instituts Dortmund.
Grafische Darstellung der Niere (Querschnitt) mit Nierensteinen, die teils den Harnleiter blockieren.

Kleine Nierensteine und ruhig liegende sind häufig unproblematisch. Größere und sich bewegende dagegen können den Harnleiter blockieren und die sehr schmerzhaften Nierenkoliken auslösen. – Foto: AdobeStock/freshidea

Nierensteinerkrankungen haben sich in den Industriestaaten zu einer Art Volkskrankheit entwickelt. Zwischen fünf und zehn Prozent der Deutschen haben mindestens einmal in ihrem Leben mit Nierensteinen zu tun. Sie entstehen dadurch, dass im Urin normalerweise gelöste Substanzen plötzlich ausfällen – also zu festen Stoffen werden und sich als feine Kristalle ablagern und sogar zu größeren Gebilden verklumpen.

Nierenkolik: Wenn Nierensteine den Harnabfluss blockieren

Als Körnchen oder kleine Steine sind sie meist unproblematisch. Zum Problem aber können sie werden, wenn sie zu großen Steinen wachsen oder in Bewegung geraten. Dann können die gefürchtete Nierenkolik auslösen: Größere Steine blockieren dann das Nierenbecken oder den Harnleiter. An folgenden Symptomen ist eine Nierenkolik zu erkennen: plötzliche heftige Schmerzen im Bereich der Nieren, Übelkeit, Erbrechen, Angst und Unruhe. Eine Kolik kann wenige Minuten, aber auch Stunden andauern. Sie muss rasch von einem Arzt behandelt werden, um eine bleibende Schädigung der Nieren und Harnwege zu verhindern.

 

Häufigste Form von Nierensteinen: Kalziumoxalat-Steine

„Das klinisch bedeutsamste Unterscheidungsmerkmal ist die Zusammensetzung der Nierensteine“, heißt es in einer Patienteninformation der Facharzt-Plattform „Internisten-im-Netz.de“. „Am häufigsten treten kalziumhaltige Steine auf, sie machen 70 bis 80 Prozent aller Steine aus. In zwei Drittel der Fälle handelt es sich um sogenannte Kalziumoxalat-Steine.“

Oxalate: Natürlicher Stoff in vielen pflanzlichen Lebensmitteln

Forschende des „Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund“ (IfADo) haben jetzt herausgefunden, dass eine Fettleber-Erkrankung die Bildung von Nierensteinen begünstigt – und wie. Weil die Stoffwechselprozesse in der Leber gestört sind, kommt es zu einer verstärkten Produktion von Oxalat. Oxalate sind Salze der Oxalsäure. Als Produkt des unvollständigen Kohlenhydrat-Abbaus kommen Oxalate in fast allen Pflanzen vor, darunter auch in essbaren Pflanzen wie Petersilie, Spinat, Rote Beete, Heidelbeeren, Schwarzer Pfeffer oder Kakao.

Was in der Fettleber passiert – im Unterschied zur gesunden

Bei einer Fettleber-Erkrankung werden Oxalate verstärkt in der Leber gebildet und durch die Niere über den Urin ausgeschieden. Eine erhöhte Konzentration von Oxalat im Urin ist mit einem höheren Risiko für das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verbunden, denn Oxalat bindet Kalzium, was zur Bildung von Nierensteinen führen kann.

In einer gesunden Leber passiert das nicht. „Hier verhindert das Enzym Alanin-Glyoxylat-Aminotransferase (AGXT), dass zu viel Oxalat entsteht“, heißt es in einer Mitteilung des Leibniz-Instituts Dortmund. In ihrer Studie konnten die Wissenschaftler nach eigenen Angaben zeigen, dass AGXT in der Fettleber vermindert ist und damit seine Funktion nicht ausreichend ausüben kann. Die Folge: „Eine Fettlebererkrankung stellt damit auch einen Risikofaktor für Nierensteine und chronische Nierenerkrankungen dar.“

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nieren , Leber
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Nieren“

Pausenlos filtern und entgiften die Nieren unser Blut. Rund 300-mal am Tag strömt das gesamte Blutvolumen des Körpers durch sie hindurch. Sie regulieren den Wasser- und Mineralstoffhaushalt und den pH-Wert und können noch viel mehr. Deshalb ist es wichtig, diese sensiblen Reinigungsorgane durch eine gesunde Lebensweise gut zu „warten" und so Funktionsstörungen vorzubeugen.

Hohe Mengen Kochsalz haben offenbar einen negativen Effekt aufs Immunsystem. Forscher aus Berlin konnten jetzt zeigen, wie erhöhte Natriumkonzentrationen im Blut kurzfristig unsere Fresszellen ausbremsen. Längerfristige Effekte sind nicht auszuschließen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Pandemie hat das Bewegungs- und Sportverhalten bei vielen verändert. Das Homeoffice gilt als „Bewegungskiller“, Städter schwitzen vorm Youtube-Video im eigenen Wohnzimmer, Landbewohner treibt es ins Freie – und Yoga ist jetzt beliebter als Fußball.

Die „professionelle Zahnreinigung“ ist ein wichtiges Ritual zur Erhaltung gesunder Zähne. In der Regel zahlt man sie selbst. Manche gesetzlichen Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder dabei aber finanziell. Allerdings ist das auch an Bedingungen geknüpft.

Für viele Menschen hat Corona seinen Schrecken verloren. Doch Pflegeheime sind nach wie vor Corona-Hotspots, heißt es im Barmer-Pflegereport 2022. Im Monat Juli waren fast 40-mal so viele Pflegefachkräfte krankgeschrieben wie ein Jahr zuvor.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin