. Krebsforschung

Fehlendes Gen bei Mantelzelllymphom entdeckt und Theodor-Frerichs-Preis erhalten

Das Mantelzelllymphom ist eine besonders aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs. Für die Entdeckung eines bislang unbekannten Auslösemechanismus dieses Tumors hat ein Münchner Krebsforscher nun den Theodor-Frerichs-Preis 2015 erhalten.
Fehlendes Gen bei Mantelzelllymphom entdeckt und Theodor-Frerichs-Preis erhalten

Bei vielen Mantelzelllymphomen fehlt ein bestimmtes Gen. Die Entdeckung wurde nun mit dem Theodor-Frerichs-Preis 2015 ausgezeichnet

Mantelzelllymphome entstehen, wenn sich in den Lymphknoten bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Zellen, unkontrolliert vermehren. Dies ist dann der Fall, wenn der programmierte Zelltod unerwünschte B-Zellen nicht mehr aussortiert. Doch warum diese so genannte „Apoptose“ nicht funktioniert, ist bislang nicht vollständig bekannt. Nun hat der Münchner Internist und Krebsforscher PD Dr. Florian Bassermann eine mögliche Antwort gefunden, für die er soeben den Theodor-Frerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin erhalten hat.

Jedem dritten Mantelzelllymphom fehlt ein Abschnitt auf Chromosom 8

Bassermann fand heraus, dass etwa bei 30 Prozent aller Mantelzelllymphome ein bestimmter genetischer Abschnitt auf Chromosom 8 fehlt. Genau dieser Teil der Erbsubstanz codiert laut Bassermann die Informationen für einen Prozess, der den programmierten Zelltod der B-Zelle einleitet. Fehlt diese Information, kann sich die B-Zelle der Apoptose entziehen und zur Krebszelle werden. Maßgeblich sind an dem Vorgang das krebsverhindernde Enzym „FBXO25“ und das krebsauslösende Eiweiß „Hax-1“ beteiligt.

Neben diesem neuen Auslösemechanismus konnte der 42-jährige Krebsforscher von der TU München zeigen, dass der Verlust von FBXO25 auch die Wirkung von Krebsmedikamenten verringert, die den programmierten Zelltod auslösen. Zudem führt dieser Verlust zu einer besonders aggressiven Variante des Mantelzelllymphoms. Die Erkenntnisse sind für die Therapie des Mantelzelllymphoms äußerst interessant. Als Bassermann die Krebszellen mit dem fehlenden FBXO25-Gen ausstattete, erlangten sie die Fähigkeit zur Apoptose wieder. Den gleichen Effekt würde ein Medikament erzielen, dass Hax-1 in den Zellen hemmt.

Wegweisend für neue Therapien

„Die Erkenntnisse von Dr. Bassermann sind wegweisend für die Krebsforschung und -therapie“, begründet Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) die Entscheidung der Juroren. „Mit wissenschaftlicher Konsequenz identifizierten die Autoren anhand von Computeranalysen, Experimenten an Zellen, Tierversuchen und menschlichen Gewebeproben einen neuen Mechanismus von bösartigem Lymphkrebs“, so Fölsch bei der Verleihung des Theodor-Frerichs-Preises auf dem 121. DGIM-Kongress vom 18. bis 21. April in Mannheim.

Mit dem Theodor-Frerichs-Preis zeichnet die DGIM jedes Jahr wegweisende Krebsforschungsarbeiten aus. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und einer der angesehensten Auszeichnungen für Krebsforschung im deutschsprachigen Raum.

Foto: © Hoda Bogdan - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Lymphom , Krebsforschung

Weitere Nachrichten zum Thema Lymphome

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Gesundheitsstadt Berlin sprach mit Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Charité, über das neue CyberKnife Center, risikoreiche Operationen und die heilsame Wirkung der Präzisionsstrahlentherapie.
. Weitere Nachrichten
Ablehnen und erst nach Widerspruch genehmigen – das scheint gängige Praxis der Krankenkassen bei Anträgen auf Mutter-/Vater-Kind-Kuren zu sein. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Ingrid Fischbach kritisiert diese „Missstände im Genehmigungsverhalten“.
Die HIV-Prophylaxe wird preiswerter: Ein Generikum des zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) eingesetzten Medikaments Truvada ist künftig für gut 50 Euro im Monat erhältlich.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.