Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Experten: Bundesweites TB-Screening von Flüchtlingen unerlässlich

Montag, 12. Oktober 2015 – Autor:
Jeder erwachsene Flüchtling muss sich hierzulande einer Röntgenuntersuchung auf Tuberkulose unterziehen. So will es das deutsche Infektionsschutzgesetz. Das Robert Koch-Institut hat die Regelung jetzt noch einmal aus fachlicher Sicht für richtig befunden.
Ansteckende Tuberkulose? Das RKI sieht in der verpflichtenden Thorax-Röntgenuntersuchung das Mittel der Wahl

Ansteckende Tuberkulose? Das RKI sieht in der verpflichtenden Thorax-Röntgenuntersuchung das Mittel der Wahl

Mindestens 10.000 Flüchtlinge kommen derzeit jeden Tag nach Deutschland. Die meisten kommen aus Ländern mit einer hohen Tuberkulose-Prävalenz. Bei etwa jeder zweiten TB-Neuerkrankung handelt es sich um eine offene, also ansteckende Tuberkulose. Experten schätzen, dass pro Jahr ein Erkrankter zehn Gesunde ansteckt. Werden diese Menschen nun in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, müssen sie nach geltendem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ein ärztliches Zeugnis vorlegen, dass bei ihnen keine Anhaltspunkte für eine infektiöse Lungentuberkulose vorliegen. Dieses Zeugnis hat sich dem § 36 Absatz 4 zufolge auf eine Röntgenaufnahme der Lunge stützen. Ausnahmen sieht das Gesetz lediglich bei Kindern unter 15 und Schwangeren vor.

Infektiöse Lungentuberkulosen frühzeitig entdecken

Aus Sicht des Robert Koch-Instituts ist die Regelung nach wie vor richtig und wichtig. Angesichts der aktuellen Gegebenheiten und den Einschränkungen alternativer Screeningansätze sei die verpflichtende Thorax-Röntgenuntersuchung nach wie vor die Methode der Wahl, schreibt das RKI in einer aktuellen Stellungnahme. Primäres Ziel dieser Maßnahme sei es, potenziell infektiöse Lungentuberkulosen frühzeitig zu entdecken und somit weitere Ansteckungen zu verhindern. Insbesondere vulnerable Personengruppen in den Aufnahmeeinrichtungen wie Kleinkinder, Schwangere, Immungeschwächte und Unterernährte gelte es zu schützen.

„In Anbetracht der räumlich oft beengten Unterbringung führt jede unerkannte offene Tuberkulose zu einer hohen Gefährdung einer großen Anzahl von Kontaktpersonen und möglichen Folgeinfektionen und –erkrankungen“, so das RKI. Das Röntgen des Thorax liefere - sofern korrekt durchgeführt und kompetent befundet - zeitnah und objektiv Hinweise auf einen tuberkuloseverdächtigen Befund, welcher dann weiter abgeklärt werden müsse. Ein frühzeitiges Screening sei auch wegen der hohen Mobilität der Asylsuchenden - etwa durch Umverteilung innerhalb des Landes – notwendig. Zudem stellten die importierten multiresistenten Tuberkuloseerreger eine besondere Gefahr dar.

 

Infektionsschutzgesetz verpflichtet zum bundesweiten TB-Screening

Eine bundeseinheitlich verpflichtende Röntgenuntersuchung, wie sie das Infektionsschutzgesetz vorsieht, hält das RKI daher aus fachlicher Sicht für gut begründet. Absatz 4 des IfSG stellt insofern eine Erweiterung des Asylverfahrensgesetzes dar, wonach die Landesgesundheitsbehörden über derartige Untersuchungen entscheiden dürfen.

In Anbetracht der hohen Flüchtlingszahlen und der nahezu erschöpften Ressourcen in den Ländern, war das RKI aufgefordert worden, das Tuberkulose-Screening von Asylsuchenden fachlich neu zu bewerten. Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie haben das Bundesinstitut dabei unterstützt.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Flüchtlinge , Infektionskrankheiten , Tuberkulose , Multiresistente Erreger , Robert Koch-Institut
 

Weitere Nachrichten zum Thema Flüchtlinge

23.08.2017

Wie können die vielen Geflüchteten in Deutschland trotz Sprach- und Bildungsbarrieren integriert werden? Experten sind sich uneins, ob Chancen oder Probleme überwiegen.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Die Erforschung der Coronavirus-Erkrankung steckt noch in den Kinderschuhen. Wissenschaftler aus Freiburg haben jetzt herausgefunden, warum die Krankheitsverläufe bei Älteren oft besonders schwer sind – und was man mit verfügbaren Medikamenten dagegen tun kann.

Viele gesundheitsbewusste Verbraucher wissen genauso wie Diabetiker um die dick- und krankmachende Wirkung von Zucker. Deshalb richtet sich deren Hoffnung auf Süßstoffe. Doch obwohl sie zuckerfrei und zumindest kalorienarm sind, machen auch sie offenbar dick.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin