. European Academies Science Advisory Council

Europäischer Wissenschafts-Rat warnt vor Homöopathie

Der „European Academies Science Advisory Council“ (EASAC) warnt in einer aktuellen Stellungnahme vor Homöopathie. Doch die Anhänger von Globuli & Co. dürfte das Papier kaum beeindrucken. Angriffe aus der Wissenschaft sind sie gewohnt.
Homöopathie bleibt weiter umstritten. Der “European Academies Science Advisory Council” warnt jetzt vor den hochverdünnten Mitteln

Homöopathie bleibt weiter umstritten. Der “European Academies Science Advisory Council” warnt jetzt vor den hochverdünnten Mitteln

Die Dachorganisation der europäischen Akademien der Wissenschaften, der „European Academies Science Advisory Council“ (EASAC), hat eine Warnung vor Homöopathie veröffentlicht. Es gebe keine haltbaren Studien, die die Wirksamkeit homöopathischer Mittel beweise, schreibt der EASAC in einer aktuellen Stellungnahme vom September. Darum gehörten diese Mittel verboten. Politiker aller europäischen Länder sollten sich der fehlenden Evidenz bewusst sein und nur noch Medikamente erlauben, deren Wirkung nachweisbar sei, fordern die Autoren des 12-seitigen Papiers.

Ein harter Schlag für die Anhänger der Homöopathie ist das nicht. Denn der Glaubenskrieg um die Lehre des Arztes Samuel Hahnemann aus dem 19. Jahrhundert, wonach Gleiches durch Gleiches geheilt werden kann, tobt schon lange. Kritik oder gar vernichtende Urteile ist man also gewöhnt. 

Wisshom kontert mit Studien

Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (Wisshom) hat letztes Jahr in einem Forschungsreader den aktuellen Stand der Homöopathie-Forschung zusammengefasst. Rund 300 klinischen Studien und etwa 1800 Experimenten aus der Grundlagenforschung zur Homöopathie sollen das beweisen, was Kritiker anzweifeln: die wissenschaftliche Evidenz der Homöopathie.

"Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebokontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel“, lautet das Fazit des Berichts, an dem auch Ärzte mitgewirkt haben.

 

Nicht besser als ein Placebo

Die EASAC zweifelt die Studien jedoch an. Für Homöopathie ließe sich lediglich ein Placeboeffekt beweisen. Anderslautende Ergebnisse seien auf mangelhafte Studiendesigns zurückzuführen oder auf Zufall. Die Schlussfolgerung zieht der EASAC seinerseits auf Auswertungen und Meta-Analysen von Studien zur Homöopathie. „Wissenschaftlich sind die Behauptungen für eine klinische Wirksamkeit homöopathischer Mittel nicht zu halten“, so die Vertreter der EASAC.

Viele homöopathische Mittel sind so stark verdünnt, dass kein Wirkstoff mehr nachweisbar ist. Wie so etwas wirken kann, bringt auch Homöopathen in Erklärungsnot. Tatsächlich kommt ihnen der Placeboeffekt zur Hilfe, den auch die EASAC einräumt. Man kennt diesen Effekt übrigens auch aus der Schulmedizin. Patienten schlucken ein Scheinmedikament und danach geht es ihnen besser. Glaube kann Berge versetzen, das scheint in der Homöopathie jedenfalls erwiesen zu sein.

Die Deutschen stehen auf Homöopathie

In Deutschland hat die Homöopathie viele Anhänger. Nach einer Umfrage des Allensbach Instituts aus dem Jahr 2014 haben mehr als die Hälfte der Bevölkerung bereits homöopathische Arzneimittel angewendet. Demnach stieg der Anteil der Anwender von 53 Prozent im Jahr 2009 auf 60 Prozent in 2014. Unter den Frauen waren es sogar 73 Prozent. Der Umfrage zufolge werden homöopathische Mittel am häufigsten bei grippalen Infekten genutzt. Um Kunden zu gewinnen oder zu binden, bieten viele gesetzliche Krankenkassen inzwischen Homöopathie als Zusatzleistungen an. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) Josef Hecken, hatte indes gefordert, den Kassen das zu untersagen. Anlass für diesen Vorstoß waren die Todesfälle im niederrheinischen Brüggen. Dort waren im vergangenen Jahr mehrere Krebspatienten gestorben, nachdem sie von einem Heilpraktiker mit dem Präparat „3-Bromopyruvat“ behandelt worden waren.

Foto: Fotolia - B. Wylezich

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