. Forschungsförderung

EU fördert Charité-Forscher

Die höchstdotierte persönliche Forschungsförderung der Europäischen Union geht 2010 an zwei Wissenschaftler der Charité. Prof. Christian Rosenmund vom Exzellenzcluster Neurocure und Prof. Klaus-Peter Hofmann vom Institut für Medizinische Physik und Biophysik erhalten in den nächsten fünf Jahren je 2,5 Millionen Euro vom European Research Council (ERC).
EU fördert Charité-Forscher

Prof. Christian Rosenmund

 

Beide Forschungsprojekte befassen sich mit der Signalübertragung zwischen den Zellen, insbesondere im Gehirn. Prof. Rosenmund, der erst vor kurzem im Rahmen des Exzellenzclusters NeuroCure aus den USA nach Deutschland zurückgekehrt ist, untersucht den wichtigsten Botenstoff, das Glutamat. Es wird von den meisten Gehirnzellen ausgeschüttet, um Signale von einer Nervenzelle zur anderen zu übertragen. "Die Ausschüttung von Glutamat ist fast an allen Prozessen des gesunden und erkrankten Gehirns beteiligt", erklärt Prof. Rosenmund.

Vor der Ausschüttung wird Glutamat in kleinen Bläschen, den so genannten Vesikeln, gespeichert. Diese besitzen spezielle Transporter, die das Glutamat aus dem Zellinneren in die Vesikel pumpen. "Wir haben herausgefunden, dass die Transporter zusätzlich die Ausschüttung von Glutamat in bisher unbekannter Weise steuern", erläutert Prof. Rosenmund. Das Geld des ERC soll jetzt dazu dienen, diese Steuermechanismen genau zu erforschen. "Dies wird uns helfen, unser Gehirn besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für die Therapie neurologischer Erkrankungen zu entwickeln. Das sich hier in Berlin bildende Umfeld bietet dazu nahezu optimale Bedingungen."

Klaus-Peter Hofmann befasst sich mit dem Beginn der zellulären Informationsübermittlung, dem Empfang der Signale. Die von ihm untersuchten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) sitzen bei allen Zellen des Organismus in der Zellwand. Sie wirken als Empfangsstationen für von aussen kommende chemische oder physikalische Signale, wie Hormone, Duftstoffe oder Licht. "Etwa 30 Prozent aller Arzneimittel, die derzeit auf dem Markt sind, beeinflussen die Funktion dieser Rezeptoren", umreisst Prof. Hofmann die praktische Bedeutung seiner Grundlagenforschung. Bisherige Ergebnisse weisen darauf hin, dass die mehr als 900 unterschiedlichen GPCRs, über die das menschliche Erbgut verfügt, nach weitgehend einheitlichen Wirkprinzipien funktionieren. "Hier haben die Ergebnisse der biophysikalischen Grundlagenforschung einen unmittelbaren Nutzen für die Wirkstoffentwicklung", sagt Hofmann. "Medikamente zur Beeinflussung der GPCRs können damit wesentlich gezielter entwickelt werden."

Forschungsförderung von der die Charité profitiert

Ebenso wie sein Kollege Rosenmund möchte Prof. Hofmann den Hauptteil der Förderung für die Einstellung neuer Mitarbeiter verwenden. Somit trägt die Charité erneut dazu bei, dass neue hoch qualifizierte Arbeitsplätze in Berlin entstehen.

Der ERC will mit diesen Mitteln innovative, unkonventionelle und wegweisende Forschungsvorhaben fördern, die gute Chancen haben, in Zukunft die Wissenschaft über die Grenzen der verschiedenen Disziplinen hinaus massgeblich zu prägen. Die beiden Charité-Forscher konnten sich in den Lebenswissenschaften gegen 512 internationale Mitbewerber behaupten. Nur neun weitere Projekte aus Deutschland schafften den Sprung in diese Liste.

Weitere Nachrichten zum Thema Charité

| Auf dem Charité Campus im Wedding entsteht für 3,9 Millionen Euro eine der größten Biobanken Deutschlands. Ab April werden dort mehr als zwei Millionen Proben wie Blut und Tumormaterial zu Forschungszwecken gesammelt. Am Mittwoch wurde Richtfest gefeiert.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Geburtskliniken in Deutschland leisten nach Wahrnehmung der Frauen, die dort entbunden haben, insgesamt gute Arbeit. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken. Deshalb sollten werdende Eltern bei ihrer Klinikwahl gezielt vergleichen.
Regelschmerzen sind für viele Frauen bis zu einem gewissen Punkt normal. Werden sie jedoch unerträglich, kann eine Endometriose dahinterstecken, eine chronische Erkrankung, die zur Unfruchtbarkeit führen kann. Die Diagnose ist schwierig, und auch die Therapie kann kompliziert sein.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.