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26.10.2018

Erstmals Mikroplastik im Menschen nachgewiesen

Forscher vom Umweltbundesamt und der Medizinischen Universität Wien haben erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl entdeckt - und das bei allen der acht internationalen Teilnehmern ihrer Pilotstudie.
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Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren

Forscher haben erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl entdeckt - und das bei allen der acht internationalen Teilnehmer. Der entsprechende Nachweis gelang Bettina Liebmann vom Umweltbundesamt und Philipp Schwabl von der Medizinischen Universität Wien. Die entsprechende Studie wurde jetzt auf dem internationalen UEG-Gastroenterologie-Kongress 2018 in Wien vorgestellt.

Die Teilnehmer der Studie, fünf Frauen und drei Männer im Alter von 33 bis 65 Jahren, leben in Finnland, den Niederlanden, Großbritannien, Italien, Polen, Russland, Japan und Österreich. Sie führten eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend eine Stuhlprobe ab.

Erstmals Mikroplastik im Menschen nachgewiesen

Alle Teilnehmer konsumierten in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen, die Mehrzahl von ihnen verzehrte Fisch beziehungsweise Meeresfrüchte, niemand ernährte sich ausschließlich vegetarisch. Bei allen acht Personen wurde Mikroplastik im Stuhl entdeckt - und damit erstmals Mikroplastik im Menschen nachgewiesen.

Es fanden sich durchschnittlich 20 Mikroplastik-Teilchen pro 10 Gramm Stuhl. "In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen", erklärt Bettina Liebmann. Am häufigsten fanden sich PP (Polypropylen) und PET (Polyethylenterephthalat), heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

 

Mikroplastik: Auswirkungen auf Organismus noch unklar

"Zusammenhänge zwischen Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik können wir aufgrund der geringen Anzahl der Probanden nicht sicher herstellen", erklärt Erstautor Philipp Schwabl. Die Auswirkungen der gefundenen Mikroplastikpartikel auf den menschlichen Organismus, insbesondere auf den Verdauungstrakt,  könnten erst im Rahmen einer größer angelegten Studie erforscht werden, so der Mediziner.

Bei anderen Studien wurden in Tieren die höchsten Mikroplastikkonzentrationen im Magendarmtrakt nachgewiesen, jedoch waren kleinste Plastikteilchen auch in Blut, Lymphe und sogar in der Leber nachweisbar. "Obwohl es erste Anzeichen gibt, dass Mikroplastik durch die Begünstigung von Entzündungsreaktionen oder Aufnahme schädigender Begleitstoffe den Magendarmtrakt schädigen kann, sind jedenfalls weitere Studien notwendig, um potenzielle Gefahren von Mikroplastik für den Menschen abzuschätzen", hält Schwabl fest.

Jährlich landen 20 Millionen Tonnen Plastik im Meer

Plastikteilchen mit einer Größe kleiner 5 Millimeter werden als Mikroplastik bezeichnet. Dieses wird als Zusatz in Kosmetikprodukten verwendet, entsteht aber vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung größerer Plastikteile in der Umwelt.

Die globale Plastikproduktion liegt aktuell bei über 400 Millionen Tonnen pro Jahr. Schätzungen zufolge gelangen zwei bis fünf Prozent des produzierten Plastiks ins Meer, wo der Abfall zerkleinert von Meerestieren aufgenommen wird und über die Nahrungskette in den Menschen gelangen kann. Darüber hinaus ist es sehr wahrscheinlich, dass Lebensmittel während der Verarbeitung oder durch die Verpackung mit Kunststoffen - und dadurch auch mit Mikroplastik - in Kontakt kommen.

Das EU-Parlament beschloss derweil, die Müllflut durch ein Verbot einzudämmen: Ab 2021 dürfen kein Einweggeschirr aus Plastik, Strohhalme oder Wattestäbchen mehr verkauft werden. Nun müssen noch die einzelnen Länder dieser Maßnahme zustimmen.

Foto: eisenhans/fotolia.com

Autor: bab
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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