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Erstes Medikament gegen kreisrunden Haarausfall in der EU zugelassen

Freitag, 8. Juli 2022 – Autor:
Baricitinib ist in der EU für die Behandlung einer schweren Alopecia areata zugelassen geworden. Die immunvermittelte Erkrankung zeigt sich durch einen kreisrunden Haarausfall. Der JAK-Inhibitor ist das erste Medikament, das zu helfen scheint.
Kreisrunder Haarausfall kann jetzt erstmals mit einem dafür zugelassenen Medikament behandelt werden

Kreisrunder Haarausfall kann jetzt erstmals mit einem dafür zugelassenen Medikament behandelt werden – Foto: © Adobe Stock/ AJ_stock_photos

Wenige Tage nach der FDA hat auch die EU-Kommission den Januskinase-Hemmer Baricitinib (Handelsname Olumiant )zur Behandlung einer schweren Alopecia areata zugelassen. Die Alopezie areata ist eine chronische, immunvermittelte Erkrankung, die durch akuten oder chronischen Haarausfall gekennzeichnet ist. Typisch ist ein kreisrunder Haarausfall auf dem Kopf, es kann aber auch zum Verlust sämtlicher Körperhaare kommen. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Den Patienten standen bislang keine zufriedenstellen Behandlungsoptionen zur Verfügung. Der Wirkstoff Baricitinib, der ursprünglich für die Therapie der rheumatoiden Arthritis entwickelt wurde, ist das erste Medikament, das zu helfen scheint.

Wiederbehaarung der Kopfhaut möglich

Die Studienergebnisse zeigen, dass mit Baricitinib eine mindestens 80-prozentige Wiederbehaarung der Kopfhaut möglich sein kann. „Das sind ermutigende Ergebnisse“, sagt Prof. Michael Hertl, Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). „Mit Baricitnib können wir die schwere Alopecia areata nun zielgerichtet behandeln. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das einen Zurückgewinn von Lebensqualität, denn die Belastungen von Haarausfall auf die Psyche und die damit einhergehende Stigmatisierung sind groß“, so der Dermatologe.

 

Eine Tablette am Tag

In zwei doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Zulassungsstudien (BRAVE-AA1 und BRAVE-AA2) erwies sich der JAK-Hemmer in Vergleich mit Placebo als deutlich wirksamer. Untersucht wurde vor allem, wie sich das Medikament auf das Nachwachsen der Kopfhaare auswirkt. In beiden Studien wuchsen die Haare bei 35,9 bis 38,8 Prozent der Studienteilnehmenden nach, die eine Dosierung von 4 mg Baricitinib erhalten hatten. Im Vergleich dazu waren es bei einer Dosierung von 2 mg Baricitnib bei BRAVE-AA1 22,8 und bei BRAVE-AA2 32,6 Prozent. In den Placebogruppen lag der Prozentsatz bei ca. 6,2 bis 16,6 Prozent. Auf der Basis dieser Ergebnisse wurde daher Baricitinib in der höheren Dosierung mit 4 mg zugelassen. Das Mittel wird einmal am Tag als Tablette verabreicht.

Nicht ohne Nebenwirkungen

Die Behandlung mit Baricitinib gilt als sicher, dennoch ist sie nicht frei von Nebenwirkungen. So wird etwa über erhöhte Cholesterin-Werte, Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, Kopfschmerzen, Zoster (Gürtelrose) und Herpes-Infektionen an der Haut berichtet.

Der JAK-Inhibitor Baricitinib ist bereits seit 2017 zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen. Eine erste Zulassungserweiterung erfolgte 2020 für die Neurodermitis. Die Tablette wird außerdem bei schweren Covid-Verläufen eingesetzt, weil sie offenbar überschießende Immunreaktionen bremsen kann.

Die DDG erwartet, dass weitere JAK-Inhibitoren für die Indikation schwerer kreisrundenr Haarausfall eine Zulassung erhalten werden.

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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