. 8-Punkte-Plan zur ambulanten Versorgung

Ersatzkassen sehen großen Handlungsbedarf

Das vor drei Jahren in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz (VStG) hat die Probleme in der ambulanten ärztlichen Versorgung nicht hinreichend gelöst. Diese Auffassung vertritt die Vorstandsvorsitzende des Ersatzkassenverbands vdek Ulrike Elsner. Der Verband hat nun seine Forderungen für ein zweites VStG formuliert.
Kassen wollen Überversorgung abbauen

Welches Rezept hilft gegen den Ärztemangel auf dem Land?

„Die ärztliche Versorgung ist deutlich teurer geworden, aber nach wie vor bestehen große Verteilungsprobleme: Zu viele Ärzte in Ballungsräumen, zu wenig Hausärzte in ländlichen Regionen“, so Elsners Diagnose. Versorgungsengpässe sieht der vdek derzeit nur punktuell vor allem bei den Hausärzten in ländlichen Regionen. Große Verteilungsprobleme beobachtet er aber auch bei den Psychotherapeuten.

Der Acht-Punkte-Plan des vdek greift viele Vorschläge des Sachverständigenrates auf. Als „Hauptaufgabe“ definiert er den Abbau von Überversorgung. Der Praxisaufkauf habe sich in der jetzigen Ausgestaltung als stumpfes Schwert erwiesen. Deshalb müsse das Letztentscheidungsrecht der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) abgeschafft werden.

Der Kassenverband schlägt als finanziellen Anreiz einen vom Gesetzgeber festgelegten regionalen Preiszuschlag für Ärzte in unterversorgten und von Unterversorgung bedrohten Regionen vor. Dieser Honorarzuschlag müsse aber mit anderen gesetzgeberischen Maßnahmen kombiniert werden. Als Beispiele nennt der Acht-Punkte-Plan flexiblere Zulassungen, weniger Bereitschaftsdienste durch gemeinsame Notfallversorgung, günstigere Krediten, die Förderung von mobilen Praxen und Telemedizin, Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) bis hin zur Öffnung von Krankenhäusern.

Handlungsbedarf: Länder sollen für ärztliche Nachwuchsförderung zahlen

Bei der Nachwuchsförderung will der vdek die Länder ins Boot holen. Die finanzielle Förderung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung durch Krankenkassen, Krankenhausgesellschaft und KVen reiche nicht aus, um mehr Mediziner für die Allgemeinmedizin zu begeistern. 56,7 Millionen Euro sind dafür 2012 nach vdek-Angaben geflossen.

Als Förderinstrument für Leistungen oder Ärzte in strukturschwachen Regionen betrachten die Ersatzkassen auch Selektivverträge oder Integrierte Versorgungsverträge. Die rund 6300 IV-Verträge hätten sich bewährt. Der vdek fordert dafür jedoch mehr vertragliche Freiräume, unter anderem durch einen Abbau der Vorlagepflichten beim Bundesversicherungsamt (BVA). Zugleich unterstützt er die Schaffung eines Innovationsfonds zur Förderung neuer sektorübergreifender Versorgungsformen.

 

Neue Strukturen für ambulante Psychotherapie von Ersatzkassen gefordert

Zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung schlägt der vdek vor, Kurzzeit- und Gruppentherapien zu fördern und das Antrags- und Gutachterverfahren zu vereinfachen. Außerdem will der Kassenverband vor Therapien psychotherapeutische Sprechstunden setzen und eine Koordinierungsstelle im Modell erproben, die Patienten bei der Auswahl einer geeigneten Therapie unterstützen soll.

Foto: Marco2811 - Fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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