. Nutzenbewertung von Arzneimitteln

Erneuter Streit um Zusatznutzen eines Epilepsie-Präparates

Das Antiepileptikum Fycompa® mit dem Wirkstoff Perampanel hat keinen Zusatznutzen im Vergleich zu konventionellen Antiepileptika. Diese Entscheidung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) am 6. November bestätigt. Der Hersteller Eisai kann diese Bewertung nicht nachvollziehen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) kritisiert sie.
Neues Arzneimittel bei Epilepsie vorerst nicht für Kassenpatienten

Der Zusatznutzen neuer Arzneimittel ist immer wieder Streitgegenstand

Der Bundesausschuss entscheidet über die Kostenübernahme für neue Arzneimittel im Rahmen einer Behandlung zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das Anitepileptikum mit dem Wirkstoff Perampanel hat er bereits im Frühjahr 2013 einmal geprüft und abgelehnt. „Aufgrund der unzureichenden Studienlage“ erkannte er dem Präparat keinen Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie zu. Diese Entscheidung bestätigte der Ausschuss am 6. November in einer zweiten Prüfung.

Zusatznutzen von Antiepileptikum Fycompa®:  Bundesausschuss bemängelt Studienlage

„Eine andere Entscheidung zum Zusatznutzen von Perampanel war auf Grundlage der eingereichten Daten nicht möglich. Dazu bestand im GBA nach intensiven Beratungen und Anhörungen breite Übereinstimmung“, verteidigte GBA-Chef Josef Hecken die Position des Ausschusses am Dienstag. Für die erneute Zusatznutzenbewertung habe die Firma Eisai ausschließlich Placebo-kontrollierte Studien vorgelegt, so Hecken. Sie seien nicht geeignet, einen Zusatznutzen von Perampanel zu zeigen. „Der GBA sieht sehr deutlich die dringende Behandlungsbedürftigkeit von Patienten mit epileptischen Anfällen. Es besteht deshalb aus unserer Sicht ein dringender Bedarf an geeigneten Studien, um den Stellenwert und Mehrwert neuer antiepileptischer Wirkstoffe auch im Vergleich mit der Vielzahl bereits verfügbarer Arzneimittel darzulegen“, räumte der GBA-Chef ein. Fachgesellschaften und pharmazeutische Unternehmen seien deshalb aufgefordert, geeignete Studiendesigns umzusetzen

 

Fachgesellschaft fordert neue Bewertungsmethodik

Die DGfE weist darauf hin, dass die derzeit verfügbaren Antiepileptika nur bei einem Teil der Epilepsiepatienten wirksam seien. Geschätzte 200.000 Patienten seien in Deutschland mit diesen Präparaten nicht ausreichend therapierbar. Die Einführung neuer Antiepileptika habe die Möglichkeiten der Behandlung in den letzten Jahren wesentlich erweitert. Auch Perampanel als Substanz mit völlig neuem Wirkmechanismus habe vielen bisher pharmakoresistenten Patienten ein Leben ohne oder mit stark reduzierten Anfällen ermöglicht. Dieser individuelle Effekt für einen kleinen, aber relevanten Teil von Patienten bleibe bei dem methodischen Vorgehen des GBA unberücksichtigt, so die DGfE weiter. Die Fachgesellschaft äußerte Bedauern, dass der GBA die eindeutige Position der Patientenverbände und der wissenschaftlich-klinischen Stellungnahmen ignoriert habe. Sie forderte eine Überarbeitung des derzeitigen Prozederes des GBA.

Foto: grafikplusfoto - Fotolia

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Epilepsie , Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arzneimittel

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Mit dem Alter altert auch das Immunsystem. Ab dem 60. Lebensjahr wächst deshalb unter anderem die Gefahr, eine bakterielle Lungenentzündung zu bekommen. Die verläuft in jedem zehnten Fall tödlich – dabei lässt sich das Risiko durch eine Impfung gegen Pneumokokken deutlich senken.
Bei fast allen Erkrankungen wird körperlicher Aktivität ein positiver Einfluss auf den Krankheitsverlauf nachgesagt. Zum Teil wird sie sogar schon gezielt als Therapie eingesetzt. Eine Meta-Analyse zeigt nun: Durch körperliche Aktivität kann die Gesamtsterblichkeit um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35 10717 Berlin, Mehrzweckraum (EG)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.