. Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung

Einsatz von Cannabis in der Medizin soll geregelt werden

Die Bundesregierung will die Nutzung von Cannabis zu therapeutischen Zwecken regeln. Das kündigte die Drogenbeauftragte Marlene Mortler bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung an. Eine allgemeine Legalisierung lehnt sie jedoch ab.
Alkohol, Zigaretten, Cannabis - wie Jugendliche heute damit umgehen

Cannabis auf Rezept - die Bundesregierung ist dafür

Mortler warnte vor einer Verharmlosung von Cannabis. Es gelte alles zu vermeiden, was den Eindruck erwecken könne, dass Cannabis ein harmloses Genussmittel sei. „Cannabis ist mehr denn je zum Problem für junge Menschen geworden“, sagte Mortler. Damit begegnete sie den Forderungen nach einer Legalisierung von Cannabis, die in den letzten Wochen von vielen Seiten laut wurden.

Die Drogenbauftragte verwies darauf, dass die Zahl der jungen Menschen, die wegen Cannabis eine ambulante Suchtbehandlung in Anspruch nehmen, zwischen 2007 und 2013 um 31 Prozent gestiegen ist. Zudem ist Cannabis dem Suchtbericht zufolge der Hauptgrund dafür, dass junge Menschen unter 25 Jahren eine Suchtbehandlung erhalten oder Suchthilfeeinrichtungen aufsuchen. Laut einer Hochrechnung der Bundesregierung haben rund 600.000 vorwiegend junge Menschen in Deutschland Probleme mit dem Konsum von Cannabis.

Debatte um Legalisierung von Cannabis hält an

Genau diese Entwicklung betrachten die Grünen aber als Argument für eine Legalisierung. „Steigende Konsumzahlen, insbesondere bei Minderjährigen, zeigen deutlich, wie erfolglos die ideologische Verbotspolitik der Bundesregierung ist. Der Schwarzmarkt kennt keinen Jugendschutz“, so der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Harald Terpe.

Der medizinische Einsatz von Cannabis soll nach Mortlers Angaben aber erleichtert werden. Cannabis habe für chronisch und schwer kranke Patienten als medizinisches Präparat seine Berechtigung, so die Drogenbeauftragte. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass Regelungen für den therapeutischen Einsatz zeitnah auf den Weg gebracht werden können. Relevant ist der Wirkstoff Cannabis vor allem in der Schmerztherapie und bei der Behandlung von Krebspatienten.

 

Jugendliche rauchen und trinken weniger

Positive Trends beobachtet die Drogenbeauftragte beim Umgang von Jugendlichen mit Alkohol und Zigaretten. Der Anteil der Raucher unter den Jugendlichen auf weniger als zehn Prozent gefallen. Das ist der tiefste Wert seit 1979. Populär werden aber E-Zigaretten und E-Shishas. Jeder vierte jugendliche Raucher hat sie 2014 mindestens einmal probiert.

Dagegen scheint das Komasaufen unter Jugendlichen deutlich zurückzugehen. Das legen die sinkenden Zahlen von Krankenhausbehandlungen wegen Alkoholvergiftungen nahe. Dem Regierungsbericht zufolge wurden 2013 ganze 12,8 Prozent weniger 10- bis 20-Jährige mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt als ein Jahr zuvor. Die Gesamtzahl von 23.267 Jugendlichen zwischen zehn und 20 Jahren, die 2013 deshalb behandelt wurden, ist aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie 2001 (9514 Fälle).

Halbiert hat sich seit 2000 dagegen die Zahl der Drogentoten. 1032 Menschen starben den Angaben zufolge 2014 an ihrem Drogenkonsum. Zugleich stellt die Drogenbeauftragte fest, dass Opiatabhängige heute eine höhere Lebenserwartung haben. Das stellt das Gesundheits- und Drogenhilfesystem vor neue Herausforderungen.

Foto: Mykola Mazuryk – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
 

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