Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
11.08.2018

E-Zigaretten verändern Lunge ähnlich wie Tabak

Seit E-Zigaretten auf dem Markt sind, wird über deren Schaden und Nutzen diskutiert. Nun zeigt eine Studie aus den USA, dass der elektronisch erzeugte Dampf ähnliche Veränderungen in der Lunge macht wie herkömmliche Zigaretten. Der Fund spricht gegen die vermeintlich gesündere Alternative.
E-Zigaretten , schädlich

Gesund ist das nicht: E-Zigaretten setzen die Lunge ebenso unter Stress wie Tabakzigaretten

Die Frage, ob E-Zigaretten weniger schädlich sind als Zigaretten aus Tabak, ist noch nicht abschließend beantwortet. Viele Experten – darunter Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum - gehen davon aus, dass die verdampften Chemikalien keine gesunde Alternative und darum auch kein probates Mittel zur Rauchentwöhnung sind. Denn auch im Dampf von E-Zigaretten befinden sich krebserregende und andere gesundheitsschädliche Stoffe. Allerdings ist auch klar, dass es große Unterschiede bei den Liquids gibt und auch Dinge wie Temperatur eine Rolle spielen.

Lunge unter Stress

Nun untermauert eine Studie aus den USA die Bedenken gegenüber E-Zigaretten. In der Studie wurde der Auswurf (Sputum) von Zigarettenrauchern, E-Zigaretten-Nutzern und Nichtrauchern untersucht. An der Zusammensetzung des Sputums können Experten Rückschlüsse über die Vorgänge in der Lunge und den Atemwegen ziehen. Zum Beispiel finden sich darin Stoffe, die unsere Atemwege absondern, um sich zu reinigen und Krankheitserreger und Schmutz wieder nach draußen zu befördern. Auch bestimmte Zellen wie etwa Immunzellen befinden sich darin.

 

Eiweiße wie bei einer COPD

Was die Forscher um Boris Riedel von der University of North Carolina im Sputum von E-Zigaretten-Nutzern fanden, war ähnlich dem von Tabakrauchern. So wurden viele Eiweiße gefunden, die von Atemwegszellen abgesondert werden, wenn sie unter Stress geraten. Außerdem konnten im Sputum von E-Zigaretten-Nutzern bestimmte Eiweiße nachgewiesen werden, die das Immunsystem herstellt, wie man sie von Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kennt. Eine COPD entsteht in den meisten Fällen durch hohen Tabakkonsum. Auch die Zusammensetzung der Schleimstoffe war bei E-Zigaretten-Nutzern und Zigarettenrauchern verändert. Bei Nichtrauchern hingegen fanden sich diese Veränderungen nicht.

Es gab aber auch Unterschiede, die sogar eher gegen die E-Zigarette sprechen als dafür: Das Sputum von E-Zigaretten-Nutzern enthielt deutlich mehr Eiweiße, die von neutrophilen Granulozyten produziert werden, ohne dass eine erhöhte Anzahl der Immunzellen festgestellt wurde. Diese Untergruppe von weißen Blutkörperchen soll Krankheitserreger bekämpfen, kann wie in diesem Fall, aber möglicherweise zu verstärkten Entzündungsreaktionen führen, wie Riedel und Team berichten.

Keine gesunde Alternative

„Viele Veränderungen am Sputum von E-Zigaretten-Nutzern stimmen mit den Veränderungen von Rauchern überein. Andere Veränderungen scheinen ausschließlich durch E-Zigaretten zu entstehen“, fassen die Studienautoren ihre Ergebnisse zusammen. Die Schlussfolgerung: „Die Daten unserer Untersuchung lassen die E-Zigarette als gesündere Alternative zu herkömmlichen Tabakzigaretten fraglich erscheinen.“

Reidel B, Radicioni G, Clapp PW, Ford AA, Abdelwahab S, Rebuli ME, Haridass P, Alexis NE, Jaspers I, Kesimer M. E-Cigarette Use Causes a Unique Innate Immune Response in the Lung, Involving Increased Neutrophilic Activation and Altered Mucin Secretion. Am J Respir Crit Care Med. 2018 Feb 15;197(4):492-501. doi: 10.1164/rccm.201708-1590OC.

Foto:  © tibanna79 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rauchen , Krebs , Lunge
 

Weitere Nachrichten zum Thema E-Zigaretten

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Krebs ist oft Zufall und die Wahrscheinlichkeit, ihn zu bekommen, steigt mit dem Alter. Für mindestens sieben Arten von Krebs aber lässt sich das Erkrankungsrisiko durch eine Abkehr von gesundheitsschädlichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten deutlich nach unten schrauben. Darauf macht die Deutsche Krebshilfe aufmerksam.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin