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Die Pille könnte das Brustkrebs-Risiko erhöhen

Die Einnahme der Pille und andere Hormonpräparate zur Empfängnisverhütung könnten das Brustkrebsrisiko erhöhen - besonders bei Frauen ab 40. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor.
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Hormon-Präparate zur Verhütung könnten das Risiko für Brustkrebs erhöhen

Die Einnahme der Pille oder der Einsatz anderer Hormonpräparate zur Empfängnisverhütung könnten das Brustkrebsrisiko erhöhen. Das geht aus einer dänischen Langzeitstudie hervor. Ein Team um die Gynäkologin Lina S. Morch von der University of Copenhagen wertete dafür die Daten von über 1,8 Millionen dänischer Frauen zwischen 15 und 49 Jahren aus. Sie wurden im Schnitt zehn Jahre lang beobachtet. In diesem Zeitraum traten circa 11.500 Brustkrebs-Fälle auf.

Frauen, die aktuell ein hormonelles Verhütungsmittel verwendeten oder bis vor kurzer Zeit verwendet hatten, hatten ein um 20 Prozent erhöhtes relatives Risiko für diese Erkrankung im Vergleich zu Frauen, die hormonfreie Methoden zur Empfängnisverhütung einsetzten. Das berichtet Prof. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Pille könnte Brustkrebs-Risiko erhöhen

Das relative Risiko stieg von 9 Prozent bei einem Hormon-Kontrazeptiva-Gebrauch bis zu einem Jahr auf 38 Prozent bei einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren. Auch nach Absetzen der hormonellen Kontrazeption war das Brustkrebsrisiko erhöht, wenn die Präparate fünf Jahre und länger eingenommen worden waren. Auch Frauen, die statt der Pille Gestagene über eine Hormonspirale aufnahmen, hatten ein um 21 Prozent höheres relatives Risiko.

Die entsprechende Studie erschien im Fachmagazin New England Journal of Medicine. Der absolute Anstieg der Brustkrebs-Fälle bei gegenwärtigen oder früheren Anwenderinnen einer hormonellen Kontrazeption betrug umgerechnet 13 pro 100.000 Personenjahre beziehungsweise 1 zusätzlicher Brustkrebsfall pro 7.690 Frauen, die ein Jahr lang hormonelle Kontrazeption betrieben hatten.

 

Hormonpräparate der neuen Generation nicht sicherer

In einem Editorial betont David J. Hunter von der Universität Oxford, dass ein Zusammenhang zwischen hormoneller Kontrazeption und Brustkrebs schon vielfach gezeigt wurde. Neu sei aber, dass hier auch Kontrazeptiva der neueren Generation überprüft wurden, die nicht mehr so viel Östrogen enthalten und daher als sicherer gelten.

Neu sei auch der Befund, dass das erhöhte Brustkrebsrisiko bestehen bleibt, wenn der Zeitpunkt der letzten Einnahme bereits ein paar Jahre zurücklag, das Präparat aber zuvor längere Zeit eingenommen wurde. Die Studie belege, dass keine Formulierung risikolos sind, auch nicht die neueren. So war etwa sowohl bei oralem Levonorgestel als auch Hormonspiralen mit Levonorgestrel-Freisetzung das Risiko in gleicher Weise erhöht.

Frauen ab 40 Jahren stärker betroffen

Allerdings ist bei jungen Frauen das Brustkrebsrisiko sehr gering. So war es bei den unter 35-Jährigen mit hormoneller Empfängnisverhütung nur um 2 pro 100.000 Personenjahre höher als ohne. Die meisten Krebsfälle wurden bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr beobachtet.

Zudem müsse man das Brustkrebsrisiko mit dem Nutzen der oralen Kontrazeptiva abwägen: Abgesehen von der Empfängnisverhütung profitieren Frauen mit Dysmenorrhoe oder Menorrhagie. Außerdem ist das Risiko für Eierstock-, Gebärmutter- und Darm-Krebs im späteren Leben verringert. Man hat sogar eine leichte Reduktion des gesamten Krebsrisikos durch orale Kontrazeptiva errechnet.

Dennoch sprechen laut Prof. Schatz das erhöhte Risiko für Brustkrebs insbesondere oder Frauen in ihren 40er-Jahren sowie weitere Risiken wie für Herzinfarkte und Schlaganfälle beziehungsweise Thromboembolien dafür, vor allem für diese Altersgruppe nach anderen, nicht-hormonellen, Verhütungsformen zu suchen.

Foto: thingamajiggs/fotolia.com

Autor: bab
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