Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.11.2015

Die beste Klinik für Prostataoperationen finden

Wissenschaftler haben die Ergebnisse von Prostataoperationen bei Prostatakarzinom und Prostatavergrößerung verglichen und ihre Ergebnisse im AOK-Krankenhausnavigator publiziert. Das Tool hilft, die beste Klinik zu finden – mit Einschränkungen.
AOK-Krankenhausnavigator: Klinikbewertungen über Prostataoperationen liefern einen Anhaltspunkt

AOK-Krankenhausnavigator: Klinikbewertungen über Prostataoperationen liefern einen Anhaltspunkt

Gerade vor einer Prostataoperation ist es wichtig, sich über die Qualität der Krankenhäuser zu informieren. Möglich ist das zum Beispiel mit dem AOK-Krankenhausnavigator, der Klinikbewertungen zu planbaren Operationen enthält. Ganz aktuell wurden die Routinedaten (BQS) von Prostata-Operation aus mehr als 400 Kliniken analysiert. Dabei zeigten sich große Unterschiede hinsichtlich der Komplikationsraten wie erneute Eingriffe an Prostata, Harnröhre oder Harnleiter. Auch allgemeine Komplikationen wie Lungenembolien oder Herzinfarkte wurden ausgewertet. Die Analyse beschränkt sich aber nicht nur auf den Krankenhausaufenthalt, sondern bezieht auch die Daten bis ein Jahr nach Entlassung ein.

Komplikationen nach Prostataoperation sehr unterschiedlich

Für das Benigne Prostatasyndrom (BPS) – eine gutartige Vergrößerung der Prostata - haben die Wissenschaftler rund 44.100 Fälle aus den Jahren 2011 bis 2013 aus über 420 Kliniken ausgewertet. Die durchschnittliche Gesamtkomplikationsrate lag bei diesen Fällen bei insgesamt 17,9 Prozent. Während in den besten Krankenhäusern höchstens bei 13,2 Prozent der Patienten Komplikationen auftraten, waren es bei den Schlusslichtern mindestens 22,5 Prozent.

Eine ähnliche Diskrepanz gab es auch bei den Krebsoperationen, der Radikalen Prostatektomie (RPE). Während im besten Viertel der Kliniken höchstens 12,6 Prozent der Patienten Komplikationen erlitten, waren es im Viertel der Kliniken mit den höchsten Komplikationsraten mindestens 27,4 Prozent, also mehr als doppelt so viele. Insgesamt 15.500 Fälle aus 220 Krankenhäusern wurden hierfür untersucht.

 

Zu Inkontinenz und Impotenz liegen keine Informationen vor

Entscheidende Fragen lässt der AOK-Krankenhausnavigator allerdings offen. So gibt es keine Informationen zu Inkontinenz und Impotenz oder der Qualität der Harnblasenentleerung nach einer Operation. Auch ob der Tumor vollständig beseitigt wurde, geht aus den Daten nicht hervor.

Dagegen konnte der AOK-Krankenhausnavigator ein regionales Gefälle zeigen. Demnach wird bei gutartiger Prostata-Vergrößerung im Süden Deutschlands viel häufiger operierte als im Norden. Vergleicht man die extremsten Regionen miteinander ist dies im Süden 2,7 Mal häufiger der Fall.

Qualitätssicherung mit Routinedaten

Zur Messung der Qualität verwendet die AOK seit 2010 das Verfahren „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR). Das QSR-Verfahren ermöglicht eine Langzeitbetrachtung von Behandlungsergebnissen, die über den Krankenhausaufenthalt hinausgeht. Neben den Daten aller Krankenhäuser bezieht sie ebenso die der ambulanten Versorgung mit ein. Das QSR-Verfahren wird vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) gemeinsam mit medizinischen Experten entwickelt.

Neben der Prostata-OP nimmt der AOK-Krankenhausnavigator Klinikbewertungen zu Operationen an Hüft- und Kniegelenken Entfernung der Gallenblase und Blinddarmoperationen vor.

Foto: AOK Mediendienst

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Prostata , Prostatakrebs , Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom
 

Weitere Nachrichten zum Thema Prostatakrebs

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Eine mögliche Nebenwirkung der Covid-19-Impfung mit AstraZeneca ist die Hirnvenen-Thrombose. Geimpfte mit Kopfschmerzen sollten deshalb umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Warum? Eine Schwellung des Sehnervs ist das häufigste klinische Anzeichen dieser Impfkomplikation. So lässt sich ein Verdacht am schnellsten bestätigen – oder ausschließen.

Chinin ist ein altes Hausmittel gegen fiebrige Erkältungskrankheiten. Wissenschaftler aus Tübingen wollen die antivirale Wirkung nun im Kampf gegen COVID-19 nutzen. Erste Experimente an Zellkulturen zeigten bereits Erfolge.

Wer einen nachgewiesenen Vitamin D-Mangel hat, sollte sich öfter unter freiem Himmel bewegen oder – wenn das nicht reicht – Vitamin D-Präparate zu sich nehmen. Doch nicht jeder benötigt zusätzliches Vitamin D, selbst im Winter nicht.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin