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Diclofenac wegen Nebenwirkungen bald nur noch auf Rezept?

Diclofenac ist wegen seiner Nebenwirkungen schon seit längerem in Verruf geraten. Eine Studie aus Dänemark bekräftigt nun die Gefahr für Herz-Kreislauf-Komplikationen, auch bei kurzer Einnahme. Die Forscher fordern, das Schmerzmittel unter Rezeptpflicht zu stellen.
Diclofenac, Nebenwirkungen

Schmerzlindernd, entzündungshemmend und nicht ungefährlich: Diclofenac kann schwere Nebenwirkungen verursachen

Der Wirkstoff Diclofenac gehört zu den meist verkauften Schmerzmitteln der Welt. Er befindet sich in Tabletten und Salben und ist in Deutschland vor allem unter dem Handelsnamen Voltaren bekannt, wird aber auch von etlichen Generika-Herstellern angeboten. Wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung werden neben Schmerzen und Fieber zum Beispiel Rheuma, Prellungen, Zerrungen, Hexenschuss, Arthrose und Arthritis mit dem Nichtopioid-Analgetikum behandelt. Wegen seiner Nebenwirkungen ist Diclofenac indes schon länger in der Diskussion.

Diclofenac schneidet schlechter ab als andere Analgetika 

Nun bestätigt eine Übersichtsarbeit aus Dänemark, dass Diclofenac zu schweren Herz-Kreislauf-Komplikationen führen kann, und zwar deutlich häufiger als dies bei den Schmerzmitteln Ibuprofen, Paracetamol und Naproxen der Fall ist. In der Studie verglichen Wissenschaftler die Daten von dänischen Versicherten, von denen rund 1,37 Millionen Diclofenac, 3,9 Millionen Ibuprofen, 300.000 Naproxen und 765.000 Paracetamol einnahmen. Diese Daten wurden wiederum mit 1,3 Millionen Datensätzen von Menschen verglichen, die keine Analgetika einnahmen. Was 30 Tage nach Beginn der Einnahme passierte, ist alarmierend:

 

Mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle unter Diclofenac

Unter den Diclofenac-Anwendern stieg die Nebenwirkungsrate im Vergleich zu Personen, die keine Schmerzmittel einnahmen, um 50 Prozent; im Vergleich zu Naproxen um 30 Prozent und im Vergleich zu Paracetamol und Ibuprofen jeweils um 20 Prozent. Weiter konnten die Wissenschaftler zeigen, dass das Risiko für Vorhofflimmern bei Diclofenac-Anwendern um 20 Prozent stieg. Das Risiko für einen Schlaganfall und Herzinfarkt war sogar um 60 bzw. 90 Prozent erhöht.

Bei keinem der anderen drei Schmerzmittel trat innerhalb der 30 Tage eine so hohe Rate an kardiovaskulären Ereignissen auf wie bei Diclofenac. Auch bei Blutungen im Magen-Darm-Trakt schnitt Diclofenac am schlechtesten ab. Während Diclofenac-Anwender ein 4,5-Fach erhöhtes Risiko im Vergleich zu Menschen, die keine Schmerzmittel einnahmen, hatten, war das Risiko für gastrointestinale Blutungen bei Ibuprofen, Paracetamol und Naproxen um das 2,5-fache erhöht.  

Herzkranke und Diabetiker sollten Diclofenac nicht mehr nehmen

Den Ergebnissen zufolge sind Menschen mit Vorerkrankungen besonders von schwerwiegenden Nebenwirkungen betroffen: So war das relative Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse bei Personen mit Diabetes mellitus am höchsten, das absolute Risiko war dagegen bei Herzinsuffizienzpatienten sowie bei Personen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, am höchsten.

Da schon eine kurze Einnahmedauer und niedrige Dosen zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann, fordern die Forscher Diclofenac unter Rezeptpflicht zu stellen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte schon 2013 vor den Nebenwirkungen von Diclofenac gewarnt. So hatte man damals bereits festgestellt, dass Diclofenac das Risiko für Herzinfarkte von acht auf elf pro 1.000 Personen erhöht und das Risiko für Schlaganfälle durch die Einnahme ebenfalls steigt. Menschen, die bereits unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sollten den Wirkstoff daher gar nicht mehr zu sich nehmen, riet die Behörde. Bei anderen Patienten sei zumindest Vorsicht geboten. So sollte bei Patienten mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten sowie bei Diabetikern und Rauchern das Nutzen-Risiko-Verhältnis vor einer Verordnung genau abgewogen werden. Vor allem sei eine längerfristige Behandlung mit hoher Dosierung zu vermeiden. Die Studie aus Dänemark untermauert nun diese Empfehlungen.

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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