. Postoperative Wundinfektionen

Der lange Weg der Qualitätssicherung

Wundinfektionen nach Operationen sind von Ärzten wie Patienten gleichermaßen gefürchtet. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) will das Problem durch neue Qualitätssicherungsverfahren lösen. Doch das kann dauern.
Der lange Weg der Qualitätssicherung

Die neuen Qualitätssicherungsverfahren des G-BA sollen ambulante und stationäre Eingriffe erfassen

Operation gelungen – Wunde infiziert. Jedes Jahr sind in Deutschland rund 200.000 Patienten von einer so genannten postoperativen Wundinfektion betroffen. Postoperative Wundinfektionen sind die häufigste nosokomiale Infektionsart. Dabei sind nicht nur Patienten, die in Krankenhäuser operiert werden, gefährdet, eine postoperative Wundinfektion zu erleiden. Auch nach ambulanten Operationen können sich Wunden infizieren.

Postoperative Wundinfektionen

Qualitätsschützern sind nosokomiale Infektionen schon lange ein Dorn im Auge. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) will dem Problem deshalb mit einem intersektoralen Qualitätssicherungsverfahren zu Leibe rücken – und hat 2011 das AQUA-Institut beauftragt, ein entsprechendes Verfahren zu entwickeln. Erfasst werden sollen nicht nur postoperative Wundinfektionen, sondern auch Infektionen, die nach Gefäßkatheter-Eingriffen auftreten, und zwar für den ambulanten und den stationären Bereich, berichtete Prof. Dr. Jürgen Pauletzki vom AQUA-Institut auf dem Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin.

Die Vermeidung nosokomialer Infektionen ist das Ziel

„Unser Ziel ist es, die Infektions- und Komplikationsraten in den Krankenhäusern und Praxen zu ermitteln und Qualitätsverbesserungen anzustoßen, um künftig nosokomiale Infektionen zu vermeiden“, erklärte Pauletzki. Mit dem Verfahren sollen künftig Operationen in rund 1.300 Krankenhäuser und von rund 10.000 ambulant operierenden Ärzten erfasst werden. Zusätzlich sieht das Verfahren eine einmal jährliche Befragung vor, in der sowohl in den Krankenhäusern als auch bei den ambulant operierenden Ärzten verschiedene hygienerelevante Aspekte abgefragt werden. Dass nicht alle Postoperativen Wundinfektionen dokumentiert werden können, räumte der Experte vom AQUA-Institut ein. „Wenn die Komplikation erst nach der Entlassung auftritt und der Patient dann nicht wieder zurück in die Klinik kommt, haben wir keine Chance den Fall zu erfassen.“

Veröffentlichung der Qualitätssicherungsdaten nicht vor 2017

Derzeit entwickelt das AQUA-Institut für beide Krankheitsereignisse Qualitätsindikatoren, für den Bereich der Wundinfektionen hat das Institut dem G-BA bereits 22 Qualitätsindikatoren empfohlen. „Die ersten Machbarkeitsprüfungen für die neuen Qualitätssicherungsverfahren werden Anfang 2014 beginnen“, sagte der Gruppenleiter Landesverfahren des AQUA-Instituts. Doch mit einer Veröffentlichung der Daten rechnet der Experte nicht vor 2017. „In den Erprobungsbetrieb werden wir wahrscheinlich erst 2016 gehen können und dann wird es sicher noch ein weiteres Jahr dauern, bis wir die Daten veröffentlichen können.“

Ob die Qualitätssicherungsdaten dann Eingang in die Qualitätsberichte der Krankenhäuser finden, konnte Pauletzki auf dem Qualitätskongress in Berlin Ende November noch nicht sagen. Auch wie und wo man die ambulanten und stationären Daten mal einsehen kann, sei noch nicht ganz geklärt. Mit dem Ziel, nosokomiale Infektionen zu vermeiden, scheinen es weder der G-BA noch das AQUA-Institut besonders eilig zu haben.

Mehr zum Nationalen Qualitätskongress Gesundheit unter www.qualitaetskongress-gesundheit.de/

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Pflege
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