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20.03.2021

Depressionen durch Betablocker? Meta-Studie findet keinen Zusammenhang

Betablocker stehen unter Verdacht, Depressionen zu verursachen. Forscher der Charité wollen diesen Zusammenhang nun ausschließen. Lediglich Schlafstörungen sind nach der aktuellen Meta-Analyse eine häufige Nebenwirkung der herzschützenden Medikamente.
Betablocker triggern keine Depressionen, sagen Forscher der Charité auf Grundlage einer aktuellen Meta-Studie

Betablocker triggern keine Depressionen, sagen Forscher der Charité auf Grundlage einer aktuellen Meta-Studie

Depressionen treten während einer Behandlung mit Betablockern nicht häufiger auf als unter Placebo. Zu diesem Ergebnis sind Forscher der Charité gelangt, nachdem sie 285 Einzelstudien mit über 53.000 Patienten zu 24 verschiedenen Betablockern ausgewertet hatten. In der Meta-Analyse hatte das Team um Prof. Dr. Reinhold Kreutz, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité, systematisch das Spektrum psychiatrischer Nebenwirkungen untersucht. Ausschließlich doppelblinde, randomisierte und kontrollierte Studien wurden berücksichtigt, ein Großteil davon solche zu Bluthochdruck, die vor mehr als 20 Jahren durchgeführt worden waren.

Depression häufig gemeldete Nebenwirkung

„Wir haben keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Betablockern und Depressionen gefunden“, betont Kreutz mit Blick auf die weit verbreitete Ansicht, dass Beta-Adrenorezeptoren – kurz: Betablocker - Depressionen verursachen.

Trotzdem steht die Frage im Raum, warum Depressionen zu den am häufigsten gemeldeten psychiatrische Nebenwirkungen von Betablockern gehören. Prof. Kreutz sagt, dass Patienten, denen Betablocker verordnet werden, häufiger zu Depressionen neigten, etwa Patienten nach einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt. „Obwohl wir festgestellt haben, dass Betablocker nicht ursächlich damit verbunden sind, sollten diese Menschen daher ärztlich überwacht werden“, so Kreutz.

 

Evidenz für Schlafstörungen

In der Meta-Studie zeigte sich außerdem, dass unter den untersuchten psychiatrischen Nebenwirkungen lediglich Schlafstörungen und ungewöhnliche Träume im Zusammenhang mit der Betablocker-Behandlung standen. Hinweise auf Halluzinationen, Angst- oder Libidostörungen konnten die Wissenschaftler dagegen nicht finden. „Bei einigen Patientinnen und Patienten traten während einer Betablocker-Therapie schlafbezogene Symptome auf“, sagt Kreutz. Erschöpfung und Müdigkeit seien der häufigste Grund für das Absetzen der Medikamente gewesen.

Fazit der Forscher: Bedenken hinsichtlich unerwünschter psychischer Auswirkungen, insbesondere Depressionen, sollte die Entscheidung über eine Therapie mit Betablockern nicht beeinflussen sollten. „Betablocker sind in Bezug auf die psychische Gesundheit größtenteils sicher“, so Kreutz. Ihre Verwendung in der klinischen Praxis sollte demnach nicht beeinträchtigt werden.

Betablocker wie Metoprolol oder Propranolol gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie bewirken eine Absenkung der Herzfrequenz und des Blutdrucks und werden daher bei Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck eingesetzt. Darüber hinaus werden sie auch zur Migräneprophylaxe verschrieben.

Foto: Foto: © Adobe Stock/Rido

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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