. Zahlung für Insulinanaloga

Demo für Kinder mit Diabetes

Über 500 Demonstranten kamen am 19. Mai 2010 zu einem Protestmarsch vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Sie forderten dass Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 auch weiterhin kurz wirksame Insulinanaloga von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet bekommen. Der G-BA hatte sich zuvor gegen die Erstattung der Medikamente ausgesprochen.
"Insulin ist unser Leben"

"Insulin ist unser Leben"

Aus ganz Deutschland reisten mehrere hundert Eltern mit ihren Kindern zu der Kundgebung nach Berlin, zu der die gemeinnützige Gesamtorganisation diabetesDE und diverse Patientenverbände aufgerufen hatten. Dem Bundesgesundheitsministerium wurde eine Petition mit 5.000 Unterschriften übergeben. Anlass für die Aktion ist ein Stellungnahmeverfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). In diesem stellt der Gemeinsame Bundesausschuss fest, dass es keinen Grund gibt, kurz wirksame Insulinanaloga auch weiterhin über die GKV zu erstatten.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hatte im Mai 2008 entschieden, dass die Umstellung auf andere Insuline unzumutbar für die erkrankten Kinder und ihre Familien sei. Deshalb erhalten bisher Kinder und Jugendliche weiterhin alle Insuline. Diesem Beschluss widersprach der GBA nun in einem neuen Stellungnahmeverfahren im Februar 2010 und forderte, auch Kindern und Jugendlichen die kurz wirksamen Insulinanaloga nicht mehr zu erstatten, solange diese teurer als Humaninsulin seien.

Kinder mit Diabetes

Rund 25.000 Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 leben in Deutschland. Mehr als die Hälfte nutzen kurz wirksame Insulinanaloga, mit denen sie ihren Tagesablauf genauso flexibel gestalten können wie Kinder ohne Diabetes. Nur durch den schnelleren Wirkungsbeginn und die kürzere Wirkdauer können Aktivitäten wie Sport und Spiel spontan wahrgenommen werden. Kinder und Jugendliche mit Diabetes werden damit weniger der Gefahr ausgesetzt, stigmatisiert oder isoliert zu werden. Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE und Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, erklärt: "Für die meisten Familien ist das Analoginsulin aus eigener Tasche nicht bezahlbar. Doch alle Kinder auf das erstattungsfähige Humaninsulin umzustellen, würde mit Komplikationen verbunden sein."

Die Demonstration

Im Demonstrationszug, der sich von der Reinhardtstrasse zum Bundesgesundheitsministerium in die Friedrichstrasse bewegte, sah man viele Transparente, auf denen die Teilnehmer forderten: "Keine Kürzung bei den Kurzen" oder "Sie sparen auf dem Rücken unserer Kinder".

Die Veranstalter werteten die Demonstration als grossen Erfolg und hoffen nun, den G-BA Beschluss noch aufhalten zu können.

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.