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10.01.2015

Das Trauma der Dicken: Stigmatisierung begünstigt psychische Erkrankungen

Stark übergewichtige Menschen sehen sich häufig Vorurteilen und Diskriminierungen ausgesetzt. Wissenschaftler haben jetzt in einer Studie gezeigt, dass diese Stigmatisierung zu Depressionen, Angststörungen und oft sogar zu weiterer Gewichtszunahme führen kann.
Das Trauma der Dicken: Stigmatisierung begünstigt psychische Erkrankungen

Wie schwer haben es adipöse Menschen? Forscher haben eine hohe Anfälligkeit für psychische Erkrankungen festgesellt

Adipöse Menschen haben eine größere Anfälligkeit für psychische Erkrankungen. Grund ist laut einer Studie der Universität Leipzig, die gesellschaftliche Stigmatisierung und ein geringes Selbstwertgefühl. Dr. Claudia Sikorski und ihr Team analysierten 46 wissenschaftliche Studien, die den Zusammenhang zwischen der Stigmatisierung von stark übergewichtigen Menschen mit psychischen Belastungen und Störungen untersuchten. "Viele Risikofaktoren für psychische Störungen sind bei Menschen mit Adipositas stark ausgeprägt“, sagt Sikorski. Diese Risikofaktoren seien nicht etwas Spezielles für diese Gruppe, „aber Menschen mit Adipositas scheinen, auch aufgrund von Stigmatisierung, eine erhöhte Häufigkeit dieser Faktoren aufzuweisen", sagt sie. Vor allem das in den Studien beschriebene herabgesetzte Selbstwertgefühl gilt als ein großer Risikofaktor für psychische Leiden wie Depressionen und Angststörungen.

Negatives Fremdbild überträgt sich auf die Betroffenen

Angelehnt an einen von der Columbia Universität entwickelten Erklärungsansatz zu den Auswirkungen von Stigmatisierung bei homosexuellen Menschen entwickelte Sikorski ein Modell der Prozesse, die zur größeren Anfälligkeit adipöser Patienten für psychische Erkrankungen führen. Die Betroffenen hätten ein vermindertes Selbstwertgefühl und eine verminderte Fähigkeit zur Problembewältigung (Coping). Dazu kämen weitere Risikofaktoren wie die negative Selbstwahrnehmung, vermehrte Einsamkeit und der Mangel an sozialer Unterstützung. Krankhaft übergewichtige Männer und Frauen nehmen außerdem Sikorski zufolge das negative Fremdbild, das sich durch die Stigmatisierung zeigt, als Selbstbild an. Experten sprechen von einem internalisierten Stigma oder Selbststigma. Gerade in einem Gewichtsreduktionsprogramm sei aber das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kräfte unabdingbar, denn die Therapie der Adipositas erfordere mehr als bei anderen Erkrankungen viel Kraft, Engagement und Motivation des Patienten.

 

Adipositas: Teufelskreislauf aus Stigamtisierung und weiterer Zunahme durchbrechen

In der Adipositasforschung hat sich gezeigt, dass die Stigmatisierung und das Selbststigma zu einem ungünstigen Essverhalten und somit zur Erhaltung oder Verschlimmerung der Adipositas beitragen. Es entwickelt sich ein Teufelskreislauf aus Stigmatisierung aufgrund von Adipositas, mehr sozialem Rückzug, weiterer Zunahme des Gewichts und folglich immer stärkerer Stigmatisierung. Dazu kommt häufig noch die Erfahrung von Benachteiligung und Diskriminierung im sozialen und Berufsleben.

Sikorski sucht nach therapeutischen Ansätzen, wie dieser Teufelskreislauf durchbrochen werden kann. "Für eine verbesserte Adipositastherapie ist unsere Arbeit wichtig, weil wir nicht darauf vertrauen können, dass sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Adipositas in absehbarer Zeit verbessert. Deshalb sollten wir den Betroffenen Mittel und Wege zum Umgang mit Stigmatisierung aufzeigen. Dies sollte möglichst integraler Bestandteil der Adipositastherapie werden", erklärt Leipziger Wissenschaftlerin. Die Arbeit ist kürzlich im Fachjournal "Obesity" (doi: 10.1002/oby.20952) erschienen.

© Kletr - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

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