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24.04.2020, aktualisiert: 28.04.2020

Covid-19: Wo in Deutschland Impfstoffe und Medikamente entwickelt werden

Impfstoffe und Medikamente gegen ein vor wenigen Monaten noch völlig unbekanntes Virus lassen sich nicht so einfach aus dem Hut zaubern. Aber die Zeit drängt und die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten läuft auf Hochtouren. Allein in Deutschland forschen 28 derzeit Unternehmen der Pharmaindustrie an Arzneimitteln, mit deren Hilfe es gelingen soll, die Pandemie in den Griff zu bekommen.
Landkarte D-A-CH: Coronavirus Impfstoffe Projekte Pharmaindustrie

Im deutschsprachigen Raum arbeiten derzeit 39 Pharmaunternehmen an der Erforschung oder Entwicklung von Impf- oder Wirkstoffen gegen das Coronavirus.

2,7 Millionen Menschen haben sich bisher mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert. 190.000 Tote hat die von ihm ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 bisher gefordert. Und die Zahlen steigen und steigen. Vier Monate nach dem erstmaligen Auftreten des Coronavirus läuft das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in vielen Ländern auf Sparflamme. Und die Frage ist: Wie lange noch? Immense Hoffnungen und Erwartungen richten sich jetzt an die Pharmaindustrie.

Erste Erlaubnis für klinische Prüfung von Impfstoff erteilt

In den Schlagzeilen war gerade das Pharmaunternehmen BioNTech: Als erster deutscher Hersteller erhielt das Mainzer Unternehmen vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten gegen das neuartige Coronavirus. Laut Biontech soll es zunächst an rund 200 gesunden Freiwilligen getestet werden. Der von Biontech entwickelte Wirkstoff gehört zur Klasse der genbasierten Impfstoffe: Diese enthalten genetische Informationen des Erregers. Im Körper werden daraus Proteine hergestellt, gegen die das Immunsystem Abwehrstoffe bildet.

Pharmaunternehmen und Forschungsinstitute weltweit arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus und die von ihm ausgelöste Krankheit. Nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sind weltweit mittlerweile mindestens 96 Impfstoffprojekte angelaufen. „Noch nie haben Pharma-Unternehmen und Forschungseinrichtungen so schnell auf einen neuen Erreger reagiert wie auf das neue Coronavirus Sars-CoV-2“, heißt es in einem Statement des Verbands. Ein beachtlicher Teil der weltweiten Aktivitäten zur Entwicklung von Mitteln gegen Covid-19 finde an Standorten im deutschsprachigen Raum statt, heißt es beim vfa weiter.

 

28 Covid-19-Projekte im deutschsprachigen Raum

Allein in Deutschland arbeiten derzeit 28 Pharmaunternehmen an der Erforschung oder Entwicklung von Impf- oder Wirkstoffen. 39 sind es im gesamten deutschsprachigen Raum. Dabei kooperieren sie intensiv untereinander und mit Unternehmen und Forschungsinstituten weltweit, um Kompetenzen, Ideen und technische Ressourcen zu bündeln. Forscher und pharmazeutische Unternehmen arbeiten dazu an vielen unterschiedlichen Ansätzen zur präventiven und symptomatischen Behandlung mit bereits zugelassenen wie auch neuen Therapien. Die Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz decken nach Angaben des vfa dabei das gesamte Spektrum der Arzneimittelentwicklung gegen Covid-19 ab.

  • 7 Unternehmen arbeiten an Impfstoffen
  • 5 Unternehmen erproben Medikamente, die gegen andere Krankheiten zugelassen sind
  • 15 Unternehmen entwickeln neue Medikamente gegen Covid-19
  • 2 Unternehmen unterstützen andere bei der Entwicklung von Impf- und Wirkstoffen

Hier ein Beispiele im Detail: Thermo Fisher Scientific GENEART aus Regensburg liefert maßgeschneiderte synthetische SARS-CoV-2 Gene für Universitäten, Pharma- und Biotech-Unternehmen. Leukocare aus Planegg bei München entwickelt gemeinsam mit einem italienischen und einem belgischen Hersteller einen Impfstoff auf Basis von Adenoviren. PRIME Vector Technologies aus Tübingen entwickelt einen Impfstoff 
auf DNA-Basis. IDT Biologika aus Dessau wird Lebendimpfstoff für klinische Studien des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) produzieren. Biotest aus Dreieich bei Frankfurt will ein Immunglobulin-Medikament aus Blutplasma von bereits Genesenen auf Eignung bei Covid-19-Patienten testen. Yumab aus Braunschweig entwickelt eine Antikörper-Therapie gegen Covid-19 (in Zusammenarbeit mit Boehringer Ingelheim).

Berliner Unternehmen, die Covid-19-Präparate entwickeln

Mit dabei sind aktuell auch zwei Unternehmen aus Berlin. Die Firma Glycotope unterstützt das US-Unternehmen Airway bei der Produktion des antientzündlichen Lungenmedikaments AT-100, das gegen Covid-19 geprüft werden soll. Der Hersteller Cyano Biotech stellt Firmen und universitären Einrichtungen mit Screening-Programmen nach antiviralen Corona-Wirkstoffen seine Naturstoff-Bibliotheken zur Verfügung.

Weltweit laufen derzeit mehr als 300 klinische Studien zur Lungenkrankheit Covid-19 oder befinden sich in Vorbereitung. Das berichtet die ARD-Tagesschau unter Berufung auf Zahlen der Datenbank „Clicaltrials.gov". Angeblich machten sich manche Forschungsinstitutionen oder Pharmafirmen bereits gegenseitig die Patienten streitig, heißt es in dem Bericht. Das untersuchte Spektrum möglicher Therapeutika ist groß: Es reicht von verfügbaren Arzneimitteln, die bereits gegen andere Krankheiten wie Malaria, Hepatitis oder MS eingesetzt werden, über Antikörper-Wirkstoffe bis hin zu einer Therapie mit Stammzellen, die aus dem Inneren eines Zahns gewonnen werden.

Foto: AdobeStock/asdf

Autor: zdr
Hauptkategorien: Medizin , Corona
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