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Corona: Schlechte Noten für Klarsicht-Masken

Eng anliegende Stoffmasken tragen – das ist ein mittlerweile anerkanntes Mittel im Kampf gegen COVID-19. Aber sie erschweren das Atmen und man sieht Leute nicht mehr lächeln. Deswegen steigen viele auf Klarsichtmasken um, die mehr Raum zum Atmen geben und Gesichter wieder sichtbar machen. Aber schützen sie auch so gut, wie sie es sollten und wie die Hersteller es versprechen?
Corona Klarsichtmaske im Labortest in der Hochschule München.

Corona-Klarsichtmaske im Labortest an der Hochschule München: Schon bei regungslosem Sitzen und normalem Ausatmen breitet sich potenziell infektiöses Aerosol bereits nach acht Sekunden im Raum aus. Geht oder hustet jemand, passiert das sogar noch schneller.

Klarsichtmasken erfreuen sich zunehmender Beliebtheit als Alternative zu konventionellen Mund-Nase-Bedeckungen. Gemäß der aktuellen Verordnung des Freistaats Bayern zu Infektionsschutzmaßnahmen dürfen Masken dieser Art als Mund-Nase-Bedeckung bezeichnet werden, obwohl auf der unteren Seite ein Spalt von einem bis zu mehreren Zentimetern zwischen Gesicht und Maske frei bleibt.

Während die Hersteller vor allem den angenehmen Tragekomfort sowie die gute Erkennbarkeit der Mimik bewerben, stehen viele Experten diesem Maskendesign kritisch gegenüber. Eine Studie der „Hochschule für angewandte Wissenschaften München" (HM) kommt jetzt zu einem ernüchternden Ergebnis.

„Einen wirksamen Schutz vor Infektionen bieten diese Masken nicht“

Wissenschaftler der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik, an der HM haben in einem Laborversuch getestet, ob Klarsichtmasken beim Infektionsschutz ähnlich wirksam sind wie die eng anliegenden Masken aus Stoff oder (meist weißer) Filterwatte. Das Urteil ihrer Pilotstudie: „Ohne Zweifel sind diese Masken angenehm zu tragen, einen wirksamen Schutz vor Infektionen bieten sie allerdings nicht“, sagt Christian Schwarzbauer, Professor für Medizintechnik und Medizininformatik an der HM und wissenschaftlicher Leiter dieser Pilotstudie.

„Vor allem in geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel in Schulen, Kitas, Büros oder öffentlichen Verkehrsmitteln, ist von der Verwendung solcher Masken dringend abzuraten“, ergänzt Prof. Dr. med. Christian Hanshans, Professor für medizinische Grundlagen und Medizintechnik an der HM, der die Studie als Mediziner und Projektingenieur begleitet hat.

 

Im Test: Ein Modell, das in Schulen und Kitas benutzt wird

Getestet wurde ein Maskenmodell eines süddeutschen Herstellers, das sehr verbreitet ist und zunehmend auch in Schulen und Kitas zum Einsatz kommt. Die Klarsichtmaske wurde unter realistischen und praxisnahen Bedingungen untersucht. Dabei wurden typische Alltagssituationen berücksichtigt, wie man sie häufig in Schulen, Kitas, Büros oder auch in öffentlichen Verkehrsmitteln vorfindet.

Labortest: Aerosol breitet sich stärker aus als gedacht

In der ersten Testsituation saß die Person unbewegt auf einem Stuhl und atmete ganz normal ein und aus. Dabei zeigt sich, dass das Ausatem-Aerosol zunächst tatsächlich entlang des Körpers nach unten strömte, wie in der Werbung des Herstellers versprochen. Kurz darauf wird das Aerosol nach vorne umgelenkt und dehnt sich dann weit in den Bereich vor der Versuchsperson aus. „Eine direkt gegenübersitzende Person wäre dadurch dem ausgeatmeten Aerosol direkt ausgesetzt“, so die Analyse der HM.

In der zweiten Testsituation ging die Versuchsperson durch den Raum und hustete dabei. Ergebnis: eine ausgedehnte Aerosolwolke, die sich weiter im Raum ausdehnt – und dies dazu relativ schnell. Sitzende Personen waren bei diesem Szenario einer hohen Aerosolkonzentration ausgesetzt, vor allem im Bereich von Gesicht und Oberkörper.

Stichwort „Hochschule München“

Die Aerosol-Tests fanden im „BioMedLab“ der Hochschule München statt. Mit mehr als 18.000 Studenten und rund 1.200 Mitarbeitern ist die HM die größte Fachhochschule in Bayern und eine der größten bundesweit.

Foto: Hochschule München/Christian Schwarzbauer

Autor: zdr
Hauptkategorie: Corona
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