Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Corona: Arbeit im Einzelhandel nicht gefährlicher

Schon zu Beginn der Pandemie wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Einzelhandels als „Helden“ gefeiert – unter anderem wegen des möglichen besonderen Infektionsrisikos durch die vielen Kundenkontakte. Eine Studie der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) gibt jetzt vorsichtige Entwarnung. Das Infektionsgeschehen sei „unauffällig“, die Arbeit im Einzelhandel wahrscheinlich nicht gefährlicher als anderswo.
Frau an Ladenkasse mit Corona-Maske hinter Plexiglas-Schutzwand.

Im „systemrelevanten" Einzelhandel der Corona-Pandemie arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen. Eine Studie gibt jetzt Entwarnung, was die Infektionsgefahr dort betrifft.

Apotheken, Lebensmittelgeschäfte, Drogeriemärkte: Trotz aller Restriktionen in der COVID-19-Pandemie für andere Branchen und die Gesellschaft insgesamt läuft der Betrieb in bestimmten Einzelhandelsbetrieben unverändert weiter. Die Mitarbeiter wurden dafür öffentlich als „Helden“ beklatscht (richtiger wäre: „Heldinnen“, denn in diesen Branchen wird die Arbeit vor allem von weiblichem Personal gestemmt): Dies geschah erstens, weil sie die Bevölkerung in der Corona-Krise mit lebenswichtigen Gütern versorgen. Und zweitens, weil dort das Infektionsrisiko wegen der hohen Zahl von Kundenkontakten als besonders hoch galt. Ohne am Glanz dieser Leistung kratzen zu wollen, holt eine Studie die Situation im Einzelhandel jetzt dennoch auf den Boden der Tatsachen herunter – und gibt vorsichtig Entwarnung.

„Keine erhöhte Infektionsgefährdung durch SARS-CoV-2-Virus“

„Bei der Arbeit im Einzelhandel kommt es nicht zu einer erhöhten Infektionsgefährdung durch das SARS-CoV-2-Virus“: Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die derzeitigen Regelungen für die technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen reichten nach aktueller Kenntnis offensichtlich aus, um einen effektiven Schutz der Beschäftigten vor einer Corona-Infektion am Arbeitsplatz zu gewährleisten.

 

Kurze Kundenkontakte = geringes Infektionsrisiko

Aufgrund der hohen Anzahl von Kontakten mit Kunden lag zunächst die Vermutung nahe, eine Tätigkeit im Einzelhandel mit einem erhöhten Infektionsrisiko behaftet sein müsste. „Epidemiologische Daten aus unterschiedlichen Kontaktszenarien zeigten jedoch, dass kurze Kontaktdauern, wie sie im Einzelhandel typisch sind, im Allgemeinen geringere Infektionsrisiken bergen als längere Kontaktdauern“, heißt es bei der BGHW. Die Kontaktdauer von 15 Minuten, die als Grenzwert für Hochrisikokontakte gilt, werde über die Gesamtzeit einer Arbeitsschicht nicht unweigerlich erreicht. In einer Analyse von Krankenkassendaten wurde zudem festgestellt, dass Erkrankungsrisiken für den Einzelhandel insgesamt unauffällig blieben. Dies gilt laut Berufsgenossenschaft auch für diejenigen Bereiche des Einzelhandels, in denen während der Lockdown-Phasen gearbeitet wurde.

Plexiglaswände an Kassen und Theken offenbar wirksam

Als wesentlichen Faktor zur Beherrschung des Infektionsrisikos identifiziert die BG die von den Unternehmen ergriffenen Schutzmaßnahmen: „Zum Beispiel die Abtrennungen an den Kassen und Bedientheken, Abstandsregeln, die Regelungen zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen, die verstärkte Lüftung und die verstärkte Reinigung", sagt Stefan Mayer von der Präventionsabteilung der BGHW. Hinzu komme, dass alle befragten Unternehmen ein Corona-Management mit eigener Kontaktnachverfolgung genutzt hätten. „Dies hat sehr wahrscheinlich dazu beigetragen, dass Infektionen in der Regel nur auf einzelne Beschäftigte beschränkt blieben", sagt Mayer. Wenn sich Beschäftigte infiziert hätten, hätte die Ursache „für die gemeldeten Infektionen überwiegend sogar im außerbetrieblichen Bereich gelegen“.

Die Studie von BG und Bundesanstalt stützt sich auf drei Quellen: auf eine Befragung von Einzelhandels-Unternehmen durch die BGHW, die Analyse von Daten der Krankenkasse „Barmer“ zu den an Corona erkrankten Berufsgruppen sowie der Auswertung von epidemiologischen Daten durch die BAuA. Allesamt belegen sie: Das Infektionsrisiko bei der Arbeit im Einzelhandel ist nicht erhöht.

2020: Infektionszahlen im Handel sogar unterdurchschnittlich

Zwischen Mitte März und Ende Oktober 2020 erkrankten demnach etwa 0,6 Prozent der Beschäftigten des Einzelhandels an COVID-19. Demgegenüber infizierten sich im gleichen Zeitraum etwa 0,8 Prozent der Allgemeinbevölkerung. „Somit liegt der Anteil der erkrankten Beschäftigten sogar unter dem Mittel der entsprechenden Altersgruppe in der Allgemeinbevölkerung“, heißt es bei der BGHW. Bei einem Vergleich der verschiedenen Sparten des Handels in Deutschland seien keine gravierenden Unterschiede zutage getreten. So sei etwa im Lebensmitteleinzelhandel, der in allen Lockdown-Phasen geöffnet hatte, die Infektionshäufigkeit unauffällig geblieben.

Foto: wifesun

Autor:
Hauptkategorie: Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Coronavirus , Prävention , Betriebliches Gesundheitsmanagement
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona und Arbeitswelt

20.12.2020

Bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens wird unter bestimmten Voraussetzungen eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 als „Berufskrankheit“ beziehungsweise „Arbeitsunfall“ anerkannt. Im Krankheitsfall übernimmt die Berufsgenossenschaft nach eigenen Angaben die Behandlungskosten – und bei Spätfolgen auch die für Reha-Maßnahmen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mit einer steilen These hat sich der Berliner Infektionsschutzexperte Klaus-Dieter Zastrow in die laufende Debatte über Wege aus den Lebensbeschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie eingeschaltet. „Warum desinfizieren wir uns nicht die Mundhöhle, da wo das Virus sitzt?", sagte Zastrow im TV-Sender Phoenix. Wenn man das befolge, könnten Schulen, Geschäfte, Restaurants und Kulturstätten in Kürze wieder öffnen.

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
 
Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.

Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin